5 Jahre KTV Review by Afro-Dieter

Wie schon zum DreijÀhrigen, hat Afro-Dieter ein paar Zeilen zu unserer Lesung am vergangenen Mittwoch niedergeschrieben. 

Es ist ein angenehm stickiger Mittwoch in der Suite 212, an diesem Jahr Stadion des 5 Jahre KTV Heimspiels. ZunĂ€chst großer Auflauf draußen, pĂŒnktlich um 21 Uhr drĂŒckten die GĂ€ste rein und auf die SitzplĂ€tze. Nahezu unbeeindruckt von den kritischen Leseraugen macht Martin „Ram“ Elbert den Anfang durch fĂŒnf Jahre KTV und irrt direkt nach herzlicher BegrĂŒĂŸung durch die Baustelle der Pariser Höfe.

4-Tage DJ plus Party plus Jogging-Marathon zwangen auch den stĂ€rksten Boxer in die Seile an den Baustellenzaun. Dort klammerte der angenockte Protagonist im ZwiegesprĂ€ch mit potentiellen Investoren und entwickelte seine ganz eigene Beziehung zu dem fremden Großprojekt.

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Auch Kai-Thomas Geiger gesteht im Anschluss seinen Baggerfetisch. Er referiert ĂŒber die Zukunftsmusik der Gerber Baustelle, erklĂ€rt was einen Ankermieter ausmacht und warum die Feuerwehr zusammen mit Milfs Schachturniere veranstalten wird. Oder so in der Art. Ich bin ehrlich gesagt etwas irritiert und abgelenkt, denn Jana, Ram und Geiger ziehen plötzlich Baustellenhelme auf. Wo bin ich hier eigentlich? Ist StĂ€dteplanung tatsĂ€chlich wichtiger als Turnschuhe und Partys?

Geiger hackt ungebremst weiter in die Kerbe und schwĂ€rmt von einer Baustellenbesichtigung mit Ram, der den Elfmeter der kritischen Fragen vergeigte und sich stattdessen in sein 2. Großprojekt verliebte #Gerber4ever. Ob der schmucke Helm oder die Gummistiefel irgendetwas damit zu tun hatten? WĂ€re „GELBER“ nicht der bessere Projektname?

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Nach dem Überblick der aktuellen Baubewegungen in Stuttgart folgt ein RĂŒckblick in lĂ€ngst vergessene Welten und Zeiten. Thorsten, damals noch Thors10, erinnert sich an seine ungetrĂŒbte Jugend auf dem Land, die durch Neugierde, Abenteuerlust und vermutlich Hormonstau im ersten Dorfdissen-Besuch mĂŒndete. Mangels Alternativen wurde er zum UniversaltĂ€nzer, doch erst die Techno-Runde öffnete ihm die Augen.

Über Katzenliebhaberinnen und haarstrĂ€ubende Umwege – er parkte eins immer in Vaihingen, in fuhr dann in die Stadt mit der S-Bahn, weil das schon sein Vater so gemacht hatte – landete er im Oz, erlebte die Love Parade noch in Verdi-DemogrĂ¶ĂŸe, hat im Tiergarten ĂŒbernachtet und vom Perkins Park aus einer goldenen Zukunft entgegen geblickt. Diese schonungslosen RĂŒckblicke, authentische und schillernden Erinnerungen sind fĂŒr mich persönlich ein Highlight des Blogs, gerne mehr davon!

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Nach Thorsten beschreibt der Rote Baron „Sad Sir“ Setzer das aktuelle Stuttgarter LebensgefĂŒhl. Auf kotzende Kickerstars, Frauen, die ihre Ausstrahlung mit zuviel ParfĂŒm betĂ€uben, unterschĂ€tzte Nichtabiturienten und Taxifahrer, die genug von unverpackten Geschlechtsteile oder FĂ€kalien auf der RĂŒckbank haben.

Alles in allem das Parade-Genre des Gitarristen: Unangenehm detaillierte Beobachtungen ĂŒber schmutzige Sachen, scharfzĂŒngig wie ein Finnenmesser und mit einem Discoschorle voll schwarzem Humor – genau mein Ding, er hat meine volle Aufmerksamkeit. Denn die Aussetzer im Nachtleben, die dunklen Ecken der Stadt und deren Bewohner machen diese erst so richtig interessant – und den Vergleich muss selbst STGT nicht fĂŒrchten.

Passend zum Fazit kommt die entspannten Lokal-Hymne „den Namen nicht mal sagen“(Komm nach STGT) inkl. Live-Rap von Marz, die eine HĂ€lfte bei Black &Proud. Selbst mein mĂŒder Arsch muss bewegt werden, denn – bei aller Liebe – die BlechstĂŒhle in der Suite sind hĂ€rter als Adrian an der TĂŒr.

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Losgelöst von aktuellen Themen und wieder ohne Bauhelm erzĂ€hlt Martin nach kurzer Pause nochmal die Geschichte von Manfred. Manfred war ein beliebter Stromkasten, der nachts auf der Theo platt gemacht wurde. Ob’s jetzt ein Lkw, ein Pkw, oder zwei Paar Turnschuhe waren, ließ sich nicht mehr nachvollziehen. Aber Ram hat auf ein Neues sein Herz fĂŒr SchwĂ€chere bewiesen und leicht feuchte Augen hinterlassen.

Die sentimentale Stimmung nutzt Ingmar, Kessel.tv Aussenreporter fĂŒr die schmerzhaften Sachen, mit seiner Story ĂŒber Ursula Lapp, FirmengrĂŒnderin des gleichnamigen Kabelherstellers. Sie feierte zusammen mit ihrem erfolgreichsten Produkt, einem Kabel namens Ölflex, 130 Jahre JubilĂ€um, und unser Aussi durfte dabei sein.

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Zwischen Nerz-MĂ€ntel, GeldbĂŒndel und Diamantencolliers konnte Aussi seine FĂŒnf-Minuten-Terrine Glamour genießen und fliegende Weltkugeln, scharfe Wetterfeen sowie eine Aussiedler-Kabeltrommel inkl. LiveĂŒbertragung beobachten. Wetten dass?! fĂŒr Arme, wie Aussi nach kurzer Zeit trefflich feststellen musste, doch als Liebhaber der unangenehmen Situationen genau sein Metier. Nach Huldigungen und großem Tennis-Entertainment lieferte Überraschungsgast Anastacia sti(h)lsicher und kettensĂ€genartig das Highlight des Abends und erntete vom Publikum inkl. Aussi frenetischen Jubel. Im Ă€hnlichen Level fĂ€hrt auch Ingmar die Applaus-Punkte nach Hause und ĂŒbergibt das Mikro an den Vertreter der hĂ€rteren Gangart.

Der rotbĂ€rtige Rocker wurde mit Chefin’s Maulkorb auf den Wasen losgelassen, entging nur knapp der Arrestzelle und musste mit ansehen, wie OB Schuster BierfĂ€sser bestach und Kalauer verteilte. In und vor dem Klo wurden Inhalte zerstreut, Tischnachbarn wurden fast ungemĂŒtlich und Beth Dito machte aus dem verdutzten Setzer Bob Marley. Maradonna hat das offensichtlich geliked – oder doch nicht!? What happens in the Bierzelt, stays in the Bierzelt.

maradonna

Der nĂ€chste Redner macht sich zwar nicht soviel aus Bier und Drogen, ist aber trotzdem stĂ€ndig unterwegs. Thorsten W., erfahrener Musikkenner und Dj, muss mittlerweile nicht mehr in Diskos mit Autobahnnamen zu allem tanzen und darf stattdessen in besseren Clubs nahezu alles auflegen. Doch selbst die beste Reputation schĂŒtzt nicht vor fraglichen MusikwĂŒnschen. Als eine junge Dame sich nach höflichem Smalltalk plötzlich etwas „von den Atzen“ wĂŒnscht, sackt ihm die Kinnlade einen Stock tiefer – und zum Nachschlag wird er noch als „Atze“ identifiziert.

Ram, seineszeichen der Jean-Claude van Damme unter den Musikwunsch-Verneinern, hĂ€tte wahrscheinlich selbst Hand angelegt, die TĂŒrsteher geholt oder das Handtuch geworfen. Doch der gutmĂŒtige Thorsten startete sogar einen pĂ€dagogischen Erziehungsversuch – vielleicht erinnerte er sich an seine ausdauernden WĂŒnsche nach einer Techno-Runde. Somit zeigen beide Köpfe des Blogs Herz und geben vĂ€terlich weiter an the one and only Geiger.

Mittels bildlicher Sprache und brillanten Metaphern beschreibt der Die-Hard-Fan des Degerlocher Drittligisten seinen legendĂ€ren Kickers-AuswĂ€rts-Trip nach Pfullendorf. Schon die Hinfahrt erinnerte mehr an Karl May als an den Fuß der SchwĂ€bischen Alb. Kennzeichen wurden zu Romanen, Ortsschilder zu Mundart und selbst die Gastfreundschaft im „Stadion“ schien auf der Strecke geblieben zu sein – zumindest fĂŒr die Heimscheißerspiel-Fans.

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Doch Fortuna war gnĂ€dig. Die schwerliche Anfahrt wurde mit drei Punkten belohnt, Geiger dĂŒrfte wieder die RĂŒckreise antreten und die Gegner mussten weiterhin in Pfullendorf wohnen bleiben. Ob es wohl im SĂŒdkurier je einen Ă€hnlichen Bericht ĂŒber Stuttgart-Downtown gab? Geiger hat jedenfalls die Stuttgarter Lacher auf seiner Seite und darf sich ĂŒber tosenden Applaus freuen.

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ZurĂŒck in der „Mutterstadt“ ĂŒbernimmt passend nochmals Marz die musikalische Leitung und bringt die schwĂ€bische Version des Massive-Classics, fĂŒr viele die einzig wahre Stadthymne. Alarm und Emotionen, klar.

Die dankbare Welle nutzt Kutmaster Krupa, seines Zeichens IT Hausmeister und wortwörtlicher Internet-Arsch-Retter bei Kessel.tv, fĂŒr das große Finale, seit Jahren der krönende Abschluss einer KTV-Lesung.

Auch ohne Prism-Zugang speicherte der IT-Chief fĂŒnf Jahre lang die besten Google-Suchanfragen, die den einen oder anderen User auf Kessel.tv gefĂŒhrt haben. Wie man schon am erfolgreichen Geissen-Fan-Blogpost erkennen kann, sind da einige ziemlich orientierungslos unterwegs. AuszĂŒge:

  • Wann ist das Bohnensteckenfest
  • Von Stuttgart nach Köln mit VVS
  • Aus was werden JutesĂ€cke gemacht
  • Um welche Uhrzeit kann man die besoffenen Weiber abschleppen

Manche mĂŒssen sich am Tresen festhalten, einige krĂŒmmen sich in Embryonalhaltung am Schaufenster – die ungeschönten AuszĂŒge aus dem Logbuch sorgen fĂŒr Schnappatmung und verdienten Applaus. Perfekter Abschluss einer lyrischen Achterbahnfahrt und klare Forderung nach mehr. Möge der Fluss der Inspiration noch lange durch die Adern des Blogs fließen, von mir aus auch mit Baustellenreportagen und Turnschuh-Vergötterung.

Hier noch die Aufzeichnung des Livestreams:

Video streaming by Ustream

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