LegÀnder: Ausflug nach Frankfurt. Eine Reportage. Teil 2.

Deutschlands grĂ¶ĂŸter Travelblog schaut sich in Frankfurt um. Das Zugticket wurde selbst bezahlt, die Unterkunft beim Freund kostet nix. Travelblogger heulen ab und zu ĂŒber ihr anstrengendes Leben, ich will mich nicht beklagen. Es geht mir gut. Mal schauen wie Frankfurt am Tag ist.

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(Entweder ein Insider oder doch keinen Korrekturlauf gemacht. LegÀndere Afterwork-Party.)  

Kapitel 6: Maining I

Der Sohn von meinem Freund weckt mich mit Duplo-Eskapaden auf. Ich fĂŒhl mich fit. Erster Jogg nach zwei Wochen ErkĂ€ltung und das wunderbar am Main entlang. Ausblick auf den Dom, das fast schon fertig vollverglaste, leicht wie eine DNA geschwungene EZB-GebĂ€ude, einer allein beim Anblick geldbeutelsprengenden Hamburg-Hafencity-Ă€hnlichen Siedlung und jede Menge Joggerinnen und dickwadige Rennradler.

Die aktuelle Joggerinnen-Fashion tendiert ĂŒbrigens weiter zu neon, die Rennradfashion einigt sich auch 2013 auf Tour de France. Viel los zwischen 10 und 11 Uhr, der Frankfurter scheint ein sportlicher Mensch zu sein. Die Sonne scheint sportlich.

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Kapitel 7: Was braucht man, was braucht man nicht

Die StĂ€dtebau-Situation gleicht ein wenig der in Stuttgart. Der Kern von Frankfurt wurde anscheinend in den letzten 10 bis 15 Jahren einmal komplett umgedreht und kernsaniert. Jedes zweite GebĂ€ude wirkt „neu“ beziehungsweise nicht Ă€lter als Mitte/Ende 90 und die nĂ€chsten Quarterpounder sind schon im Anflug – unten shoppen, oben arbeiten und wohnen. Kennste eines, kennste alle. „15 bis 16.000 / Meter“, wĂŒrde die eine oder andere Kaufwohnung schon kosten, meint Marc.

Er stellt (rhetorische) Brauch-Fragen. „Was braucht man, was braucht man nicht?“

„Braucht man jedes Jahr ein neues Handy?“

„Und man fragt sich schon, ob wir das alles brauchen, oder ob das nur ein paar Investoren brauchen.“

Wir brauchen jetzt den Main-Tower. Spucksee von oben runter machen. Der wird aber just in dem Moment unserer Ankunft kurzerhand prĂ€ventiv abgeriegelt, weil ein Demo anrĂŒckt, Thema unbekannt. Am Mittag wollen wir einen zweiten Versuch starten.

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Kapitel 8: Koreaner und Demonstratoren

Wir schwirren und irren durch die Innenstadt. Hohe Porsche-Dichte. Und da, ui, ein Hummer. Boah, ein Lambooooo! Oh, ein Camp David mit Carmen Geiss in jung im Arm. Ich freu mich ĂŒber die Vielzahl extrem ausgefallener Retro-RennrĂ€der, Singlespeeds und Fixies. „Hier haben innerhalb kĂŒrzester Zeit drei, vier so schicke FahrradlĂ€den aufgemacht.“ Alles flach, da reicht ein Gang.

Opernplatz, Opernhaus, Opera Tower, aktuell in allen Punkten das beste, modernste Hochhaus Europas (oder gar auf der Welt?), meint mein Freund, Ökobilanz und so wĂ€ren absolut top of the tops. Ich bin beeindruckt, der Kleine eher nicht und will schleunigst auf den Kindigeburtstag. Ich ziehe eigensinnig die Eiskarte, weil sobald die Sonne scheint, brauch ich ein Eis. Wir suchen Eis. Aus dem Off hört man den typischen, brodelnden Demo-im-Anmarsch-Soundtrack.

„Was ist denn da wieder los?“, fragt eine Frau den Kellner im Straßencafe.

„Eine Demo.“

„Och nee, schon wieder diese Demonstratoren!“

Auf dem Goethe-Platz findet ein koreanisches Festival statt, ein Kombination aus kulinarischen SpezialitĂ€ten und „The 4th World Ssireum Championchip.“ Ssireum muss eine koreanische Variante des Ringens sein. Zwei Menschen in Radlerhosen wickeln sich jeweils eine Art Gurt/Windel um die HĂŒfte. Man packt sich gegenseitig an Schulter und Windeln und in dieser hautengen Verkettung muss man den Kontrahenten versuchen auf den Sand zu werfen.

Ist ungefÀhr genauso lahm wie der junge Mann in der Eisdiele, der in der Geschwindigkeit meiner rollatierenden Oma eine Kugel Kirschsorbet auf die Waffel rotiert. Wesentlich quirliger ist dagegen die hagere wie bleiche VerkÀuferin im Urban Outfitters, die jeweils links und rechts ein Oberarminnenseitentattoo trÀgt und mich fragt, ob ich mit ihr schlafen will ob ich mich gut zurecht gefunden habe. Danke, ja.

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Kapitel 9: Schlendrian und dagegen, dagegen, dagegen

Gegen 15 Uhr treffe ich die wichtigste Entscheidung am Wochenende: Mir gefĂ€lltÂŽs hier. Ich genieße die Stadt. Die Zeil, das Pendant zur Königstraße, lassen wir aus, drehen weiter Kreise und sitzen einem CafĂ© von einem Typ, der noch zwei andere LĂ€den hat und deswegen jeden Morgen um 6 Uhr aufsteht, erfahre ich. Gastro ist halt 24/7, ge.

Die restlichen Frankfurter, außer ein paar ĂŒberhitzte Sportwagen-KapitĂ€ne, die gerne ohne jeglichen Gemeinschaftssinn Kreuzungen blockieren, scheinen an diesem Samstag weniger Stress zu haben, wirken entspannt, nicht gehetzt und schauen gefĂŒhlt etwas weniger auf ihre Smartphones wie der durchschnittle Stuttgarter. Das sind EindrĂŒcke, Momentaufnahmen. Liegt vielleicht alles am guten Wetter oder weil einfach Wochenende ist oder weil Hessen prinzipiell gelassener sind oder weil Touchscreens in der knallen Sonne schwer anzuschauen sind.

FĂŒr ein abschließenden Urteil reicht natĂŒrlich ein Tag nie im Leben aus. Mein anderer Kumpel Tilman lebt seit sieben Jahren dort und lĂ€sst beilĂ€ufig den Satz fallen, dass er in all den Jahren noch nicht so richtig warm geworden wĂ€re mit Frankfurt. „Es definiert sich einfach immer alles ĂŒber die Arbeit.“ Aber die LebensqualitĂ€t sei schon gut so.

Ob die neu aufgebaute Altstadt (Projektname „DomRömer“) zwischen einem Museum (aktuelle Ausstellung irgendwas mit Occupy) und Dom, das Warmwerden weiter steigert, weiß ich nicht. Auf den Bauzaun-Plakaten werden ein „Comeback der Altstadt“ und „Wohnungen hinter rekonstruierten Fassaden oder in außergewöhnlichen Neubauten“ versprochen, sowohl fĂŒr Familien als auch fĂŒr junge oder Ă€ltere Menschen. Inwieweit diese Theorie letztendlich in die Praxis umgesetzt wird, sehen wir beim nĂ€chsten Besuch. Die Gegenbewegung hat sich jedenfalls schon formiert.

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Kapitel 10: Maining II

Halber Liter Maracuja-Minze-Schorle: 4,90 Euro. Shirt bei Urban Outfitters: 40 Euro. Fluss durch die Stadt: unbezahlbar. Oder wie der große Eintracht Frankfurt Trainer Dragoslav „Stepi“ Stepanovic einst nicht sagte: „Lebbe is schön.“

Das ist es definitiv. Gut, dass wir hier sind. Der Uferstreifen ist knackvoll, alles hĂ€ngt und lĂŒmmelt rum, die Radler radeln immer noch vorbei oder laufen gut runter. Meine Freunde erlĂ€utern mir die Skyline. Bank, Bank, Messe, Bahn, Bank.

Die Main-Tower Rooftop-Party haben wir ausgelassen. Große Schlange, Sicherheitscheck wie am Flughafen oder Empire State. Gereizte WĂ€rter. Eine Horde GrundschĂŒler brĂŒllt vor Aufregung das Foyer zusammen, wie eben eine Horde GrundschĂŒler vor Aufregung rumbrĂŒllt, die gerade 200 Meter ĂŒber dem Erdboden stand oder demnĂ€chst stehen wird.

„Ruhe!“ ruft ein Sicherheitsdienstler, unwesentlich schlanker als Jabba the Hutt, die Nickelsonnenbrille spannt ĂŒber sein fleischiges Gesicht. Keine Ruhe. „Ruheeeeeeee!!!!!!!!!“ schreit er nochmals in einer LautstĂ€rke, die sonst nur auf der Startbahn West herrscht, und hechtet mit seinen 150 Kilo auf die Kinder zu, als möchte er mit seinen riesigen Bratzen zu einer Schelle ausholen und die aufgedrehten Bengel mit einem Schlag durch die Scheibe donnern. Um Gottes Willen, was bist du denn du fĂŒr einer! Schnell weg hier. „Die sind hier bisschen angespannt den ganzen Tag, Terrorgefahr und so,“ kommentiert Tilman leicht zynisch. Zeit den Abendterror zu planen.

Fortsetzung folgt, DJ Elbe aus dem Frankfurter Corner

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