KTV Radtour: Tübingen oder Dohoggeddiadiaemmerdohogged

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„Tübingen, warum bist du nur so hügelig?“ hieß der elendige Song vor zwei Jahren. War eine unterhaltsame Diskussion hier, ob scheiße oder nicht scheiße, ob voll witzig oder voll nicht witzig. Zwei Jahre später, Samstag, 15. Juni: Oh Tübingen, warum ist der Weg zu dir so scheiße hügelig und voll nicht witzig?

Herzlich willkommen zu Regio.TV, der Rennradexpress ist wieder unterwegs. Endlich erste große Tour in diesem Jahr. Auf dem Rennrad bin ich ein Weichei, sonst auch nicht wesentlich härter, aber laufen kann ich trotzdem bei minus fünf bis plus 35 Grad, egal ob Schnee, Regen, Wind und stechender Hitze.

Beim Rennrad benötige ich eine gewisse Grundwärme. Und garantiert keinen Regen. Außerdem braucht man ein wenig mehr Zeit als für den Laufsport. Man sollte meiner Meinung nach drei Stunden lang seinen Arsch aufreiben, sonst bringt das nix. Drei Stunden sind auf dem Rennrad wiederum kein allzu das großes Problem. Kurz gesagt: Hatten wir dieses Jahr schöne Samstage, hatte ich nicht genügend Zeit und hatte ich Zeit, war es grau, kalt und regnerisch.

Auch am vergangenen Samstag stand das Projekt Erste-(richtige)-Rennrad-Tour des Jahres kurzzeitig auf der Kippe: Stark bewölkt über S-West. Kurz überlegt. Awa, mach mer. Einschmieren? Brauchste nicht. Dieser Punkt ist wichtig, denn das sollte mir die übelstgeilonsten Rennradarme aller Zeiten bescheren.

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Der ursprüngliche Plan war nach Reutlingen zu fahren, anschließend einen Schwenk über Tübingen und zurück über Böblingen-Hulb, Alda. Dieses Vorhaben scheiterte zwischen Möhringen und Fasanenhof oder besser gesagt im Fasanenhof. Dachte ich komm da irgendwie weiter, hab dafür aber nur alle seltsamen Haltestellen entdeckt, die Kai Thomas neulich in seinem vorzüglichen Artikel verarbeitet hat.

EnBW-City und Europaplatz sind aber nicht Reutlingen, also ein paar Meter zurück und nach Leinfelden-Echterdingen eingebogen, da kenne ich einen Weg. Dort übrigens Killer-Sirenen-Alarm bei der Durchfahrt. Dem Getöse nach hat da am Samstag nicht nur ein Haus gebrannt.

Durchs Siebenmühlental Richtung Steinenbronn und Waldenbuch. Tübingen ist jetzt ausgeschildert, also fahr ich nach Tübingen. Vielleicht hätte ich einfach das Smartphone bemühen sollen für eine Route nach Reutlingen, aber Tübingen ist letztendlich voll okay.

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In Waldenbuch bekommt übrigens eine neue Ortsdurchfahrt, da könnte man mal drüber was berichten, so als alter Schülerzeitungsblog, die, soweit ich das im Vorbeifahren beurteilen konnte, dem großen Sohn des Dorfes gewidmet wird: Alfred Ritter.

Was ist deine Lieblingssorte? Meine immer noch Schokolade-Vollnuss, Klassiker. Oder die mit der dünnen Marzipan-Schicht. Ritter Sport ist einfach eine super Schokolade, für die man auch nach Waldenbuch fahren kann. Scheiße halt, dass man für so viele wohlwollende Sätze kein Geld bekommt.

Scheiße halt auch die Fahrt spätestens ab Waldenbuch: Schon wieder ein Berg. Okay, das weite, gelbe Feld da rechts ist zwar total schön, aber wie lange geht es noch hoch? Diese fiesen Anstiege, in Prozent gar nicht so krass, dafür einfach elendig lang. Und die vorbei rasenden Motorräder werden nicht weniger. Ganz großer Tag für so manch durchgedrehten motorisierten Zweiradfahrer.

So geht das nonstop weiter. Talabfahrt nach Dettenhausen. Bergauffahrt nach Bebenhausen. Danach soll Tübingen kommen. Kommts auch. Zuvor überholt mich noch in der nächsten Abfahrt ein Rennrad-Pärchen, an das mich ranhänge und mich, nicht Reifen an Reifen, man kennt sich ja nicht und ich wollte nicht unbekannterweise Fahrtwindschutz schnorren, aber in einem gesicherten 20 Meter Abstand bis zu den Stadtringen ziehe lasse und mich auf die Suche nach Downtown begebe, übrigens, logisch, auf fantastischen Fahrradwegen.

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Was will ich eigentlich in Tübingen? Ganz einfach, ich war noch nie dort und mit dem Rennrad steuere ich gerne Ortschaften an, die ich nicht kenne. Zumindest war ich noch nicht am Tag in Tübingen. Zwei mal Nachts, im Blauen Turm aufgelegt. Danach spazierste aber nicht durch die schönen Gässchen und sagst dir, oh, ist das schön hier.

Musste ich dann am Samstag sofort feststellen. Scheiße, bist du schön. Jonger Vadder, ihr Tübinger habt´s ned schlecht. Ist ja angeblich auch elendig teuer. Und war laut einem Bürokollegen sogar mal die lebenswerteste Stadt Deutschlands oder so etwas ähnliches. Kann ich prompt nachvollziehen. Du hättest einen viel besseren Song verdient gehabt, oh, du hügeliges Tübingen!

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Fachwerk galore, wie auf allen anderen Radtouren auch, alle Tübingern auf der Straße und shoppen und latten sich grün und blau. Links und rechts diese süssen Gässchen. Flüsschen mit Blumenkübel garniert mit durch die Stadt. Auf dem Neckar Schlauchboot-Stocherkahn-Stau! Wer nicht im Cafe hockt, hockt am Neckar! Wedding-Foto-Alarm! Abartige Fassade hat dieses Rathaus! Toller Ausblick von der Burg oder Schloss! Hätte ich nicht so gestunken, hätte ich mir garantiert noch irgendwo ein Stück Kuchen gegönnt. Klare Sache, ich muss da nochmals nicht verschwitzt hin.

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Total euphorisiert den Rückweg in Angriff genommen, kurz ein Stück über Bebenhausen in Richtung Dettenhausen zurück und dann nach Böblingen abgebogen. Auf der 464 und über Böblingen-Süd reingekommen, ganz durch und parallel zur Autobahn über Vaihingen back to kessel. Das ging dann wesentlich schneller. Nettofahrzeit circa 4:15 h, fast exakt 100 Kilometer in den Beinen und mächtigen Sonnenbrand an den Unterarmen. Unterhaltung war gesichert am Samstagabend.

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Egal wohin du kommst: Engel & Völkers sind schon da.

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Toni Disco und anonymer Fan, der unbedingt mit aufs Bild wollte  

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