Zukunftskonzept Villa Berg

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Unter Top 110 VorschlĂ€gen des BĂŒrgerhaushaltes 2014/2015 befand sich die Villa Berg gleich zweimal recht weit vorne (Platz 12 “Endlich handeln” und Platz 17 “BĂŒrger Villa Berg”) und nach dem das herrliche GebĂ€ude seit Jahren vor sich hin vegetiert und schĂ€big mit Holzplatten zu genagelt ist, kommt jetzt Bewegung in die Sache.

Die StZ hat am 1. Mai die aktuelle Lage in einem Artikel zusammengefasst. So gibt es momentan zwei Positionen: Ein DĂŒsseldorfer Investor (PDI) will die Bude fĂŒr fĂŒnf bis sieben Millionen sanieren und ein VarietĂ© reinhauen. DafĂŒr will er die angedockten leer stehenden SWR-Studios im Park zu 150 Wohnungen umbauen (was ĂŒbrigens schon Rudi HĂ€ussler vor ein paar Jahren gerne machen wollte).

Der BaubĂŒrgermeister Matthias Hahn (SPD) hat das aber stets abgelehnt und teilt diese Haltung wiederum (sogar) mit FinanzbĂŒrgermeister Michael Föll (CDU). Denn die Stadt möchte am liebsten die alten Studios abreißen und den Park erweitern. Auch OB Kuhn sagt super Idee (logisch). Alles in allem also ein weiteres Kapitel aus dem großen Stuttgarter Weltbestseller: “Wem gehört die Stadt?”

Allerdings mehren sich jetzt im Gemeinderat die Stimmen, doch den Investor ranzulassen, weil der Abriss mehrere Millionen kosten wĂŒrde und sowieso dringend Wohnungen gebraucht wĂŒrden, wie wir alle wissen. Nur wer die sich leisten kann, wenn da ein Investor drĂŒber rutscht, ist auch klar, argumentieren wiederum Martin Körner (Bezirksvorsteher Ost, Markus Merz (Rektor der benachbarten Merz Aka) und Helmut Nanz (von der gleichnamigen Stiftung zur Förderung von Kunst und Kunsterziehung).

Die drei Herren haben heute bei einer Pressekonferenz ihr komplettes Zukunftskonzept  fĂŒr das ganze Areal vorgestellt (siehe Seite 2). Man wirbt “fĂŒr eine stĂ€dtische Lösung – mit Raum fĂŒr KreativitĂ€t, fĂŒr bezahlbare Wohnungen und fĂŒr einen Park, der seinen Namen auch verdient”. Die Stadt soll die Villa erwerben und zu einem offenen Haus fĂŒr Film- und Medienkunst werden. Man will die Chance nutzen und den Menschen in Stuttgart-Ost einen Park zurĂŒckzugeben.

Wohnungen sollen nach ihrem Konzept am Rande des Parks auf den stĂ€dtischen BauhofflĂ€chen entstehen, dazu Körner: „Mir sind 50 Wohnungen am Parkrand fĂŒr 700 Euro Miete im Monat lieber als 80 Wohnungen mitten im Park fĂŒr 1.500 Euro.“

Ganze Mitteilung nach dem Sprung und hier geht es zum dem StZ-Artikel.

Villa Berg und Park der Villa Berg:

Martin Körner, Markus Merz und Helmut Nanz stellen Zukunftskonzept vor

Bezirksvorsteher Körner: „Wir werben fĂŒr eine stĂ€dtische Lösung – mit Raum fĂŒr KreativitĂ€t, fĂŒr bezahlbare Wohnungen und fĂŒr einen Park, der seinen Namen auch verdient“

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft des Parks der Villa Berg und der Villa Berg nimmt der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost, Martin Körner, zum Anlass, gemeinsam mit Markus Merz und mit Helmut Nanz fĂŒr ein gemeinwohlorientiertes Zukunftskonzept fĂŒr den Park der Villa Berg und die Villa Berg zu werben.

Markus Merz ist Vorsitzender des Vereins fĂŒr ein Kommunales Kino und Rektor der Merz Akademie im Kulturpark Berg. Helmut Nanz ist Namensgeber der Helmut Nanz-Stiftung zur Förderung von Kunst und Kunsterziehung. Der Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost fordert Stadtverwaltung und Gemeinderat auf, nach jahrelangen Diskussionen um die Zukunft der Villa Berg bis zur Sommerpause zu handeln und den im Bezirksbeirat und beim BĂŒrgerhaushalt zum Ausdruck gebrachten BĂŒrgerwillen umzusetzen.

Martin Körner: „Gemeinderat und Stadtverwaltung mĂŒssen vor der Sommerpause endlich handeln. Der Park der Villa Berg kann mit unserem Konzept wieder ein attraktiver Park fĂŒr die Einwohner Bergs, Ostheims und am Stöckach werden.“ Markus Merz: „Unser Konzept fĂŒr die Villa Berg bietet mit einem offenen Haus fĂŒr Film- und Medienkunst Raum fĂŒr KreativitĂ€t und knĂŒpft an die bestehenden kreativen Potentiale in Stuttgart-Ost an.“ Helmut Nanz: „FĂŒr das ĂŒberzeugende Konzept von Herrn Körner und Herrn Merz lassen sich auch private Gelder mobilisieren.“

Das Zukunftskonzept: Im Stadtbezirk erarbeitet, mit Raum fĂŒr KreativitĂ€t und einem Park, der seinen Namen auch verdient

Das Zukunftskonzept ist in den vergangenen Monaten vom Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost und von den Initiatoren eines Stuttgarter Hauses fĂŒr Film- und Medienkunst erarbeitet worden. Es sieht vor, dass die Stadt Stuttgart die Villa Berg erwirbt, sie saniert und dann als offenes Haus fĂŒr Film- und Medienkunst der Öffentlichkeit zur VerfĂŒgung stellt. Der Kauf der Villa durch die Stadt Stuttgart ist der Wunsch zahlreicher BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der Stadt, wie die Platzierung dieses Vorschlags auf den PlĂ€tzen 12 und 15 beim BĂŒrgerhaushalt zeigt.

Die Nutzung der Villa als offenes Haus fĂŒr Film- und Medienkunst hatte der Bezirksbeirat Stuttgart Ost, in dem ehrenamtliche, sachkundige BĂŒrgerinnen und BĂŒrger aus dem Stadtbezirk vertreten sind, bereits im November vergangenen Jahres angeregt. „Wer die BĂŒrgerbeteiligung im Bezirksbeirat und beim BĂŒrgerhaushalt ernst nimmt, muss sich zu einem stĂ€dtischen Engagement bei der Villa Berg bekennen“, so Martin Körner.

Beim Park der Villa Berg folgt das Zukunftskonzept ebenfalls dem Votum des Bezirksbeirats, der sich bereits seit langem fĂŒr einen Abriss der alten Fernsehstudios und die Renaturierung des Parks ausspricht. Das stĂ€dtische Garten-, Friedhofs- und Forstamt hat hierzu detaillierte VorschlĂ€ge gemacht, die u.a. die Wiederherstellung der Platanenalle, von Teilen des Westgartens sowie die Sanierung des Gartens der 60er Jahre vorsehen.

In einer Vorlage der Stadtverwaltung heißt es zur Perspektive des Parks nach dem Komplettauszug des SWR: „Es besteht nun die einmalige Chance fĂŒr Stuttgart ein wichtiges Kulturdenkmal, welches den Landschaftsraum um die Unteren Schlossgartenanlagen, die Grabkapelle [auf dem WĂŒrttemberg] und die Villa Berg miteinander vernetzt, wieder herzustellen.“ (GRDrs 401/2010). Bezirksvorsteher Körner: „Wir haben im Stuttgarter Osten viel zu wenig GrĂŒnflĂ€chen. Jetzt besteht die einmalige Chance, eine BausĂŒnde der 60er Jahre zu tilgen und den Menschen in Stuttgart-Ost einen Park zurĂŒckzugeben, der den Namen auch verdient.“

Da der Bedarf an Wohnungen und der hohe Finanzierungsbedarf auch vom Bezirksbeirat gesehen werden, hatten die sachkundigen Mitglieder dieses Gremiums ihr EinverstĂ€ndnis signalisiert, am Rande des Parks, auf den stĂ€dtischen BauhofflĂ€chen an der Sickstraße, Wohnungen zu bauen. Im Gegensatz zu den von privaten Investoren geplanten Wohnungen mitten im Park sei der Wohnungsbau an dieser Stelle wesentlich sinnvoller, so Bezirksvorsteher Körner: „Mir sind 50 Wohnungen am Parkrand fĂŒr 700 Euro Miete im Monat lieber als 80 Wohnungen mitten im Park fĂŒr 1.500 Euro.“ Bezahlbare Wohnungen am Rande des Parks runden damit das Zukunftskonzept fĂŒr den Park der Villa Berg und die Villa selbst ab.

Das Nutzungskonzept: Die Villa Berg als offenes Haus fĂŒr Film- und Medienkunst

Das Nutzungskonzept fĂŒr die Villa Berg greift die Initiative des Vereins „Neues Kommunales Kino Stuttgart e.V.“ fĂŒr den Neustart eines Hauses fĂŒr Film- und Medienkunst in Stuttgart auf. In dem Verein sind ĂŒber 20 Institutionen organisiert, die ganz unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche vertreten – vom Forum der Kulturen ĂŒber die Volkshochschule Stuttgart, verschiedene Hochschulen bis zur Stuttgarter Jugendhaus gGmbH.

„Die Villa Berg könnte zu einem öffentlichen Raum fĂŒr die PrĂ€sentation bewegter Bilder in allen Facetten werden. MedienpĂ€dagogische Workshops fĂŒr Kinder und Jugendliche, sommerliches Open Air-Kino im Park, SchulvorfĂŒhrungen, interkulturelle Filmreihen, Festivals, Familienkino, GesprĂ€che mit Filmschaffenden, Debatten zur Netzfilmkultur und Game Jams sind nur einige mögliche Angebote“, so Markus Merz.

Ein Haus fĂŒr Film- und Medienkunst in der Villa Berg wĂŒrde den BĂŒrgern des Stuttgarter Ostens machen können und wĂ€re gleichzeitig ein weiterer kultureller Leuchtturm fĂŒr die Landeshauptstadt Stuttgart. Das Konzept „Medienosten“ der Wirtschaftsförderungen der Region und der Stadt Stuttgart zeigt eindrucksvoll die Potentiale des Stuttgarter Ostens im Bereich Film-, Medien- und Kreativwirtschaft. Neben dem SWR, der Merz Akademie und dem Landes- und Stadtmedienzentrum zĂ€hlt die „Kreativkarte Stuttgart-Ost“ ĂŒber 80 weitere Akteure und Unternehmen, darunter z.B. auch das Oscar-prĂ€mierte VFX-Studio Pixomondo.

Ein Haus fĂŒr Film und Medien ist ein essentieller Baustein, um die vielfĂ€ltigen lokalen MedienaktivitĂ€ten Ressourcen im Stadtteil zu vernetzen und weiter auszubauen.

„Ein Haus fĂŒr Film- und Medienkunst ist keine Nische fĂŒr Cineasten. Es versteht sich als eine Schule des Sehens fĂŒr Kinder, Jugendliche und Erwachsene, eine Galerie der Filmkultur, ein Schaufenster der Filmwirtschaft, ein Labor fĂŒr neue Film- und Medienformen und ein lebendiger, offener und junger Treffpunkt der Kulturen“, so der Vereinsvorsitzende Markus Merz.

Das Finanzierungskonzept: Ohne Spekulationsgewinne – in öffentlich-privater Partnerschaft

Zur Finanzierung der Maßnahmen sieht das Zukunftskonzept als ersten Schritt ein klares Bekenntnis des Gemeinderats vor, das geltende Bau- und Planungsrecht im Park der Villa Berg nicht zu Ă€ndern. Nur so sei es nach Ansicht des Bezirksvorstehers möglich, das private Herumspekulieren mit dem Park zu beenden. „Das Herumspekulieren mit dem Park muss ein Ende haben. HierfĂŒr brauchen wir einen klaren Beschluss des Gemeinderats. In dieser Frage bin ich mir mit den BĂŒrgermeistern Föll und Hahn völlig einig“, so Bezirksvorsteher Körner.

Erst nach einem solchen Beschluss könne die Stadt mit guten Erfolgsaussichten auf den Insolvenzverwalter zugehen und Villa und Studios fĂŒr einen niedrigen Preis erwerben. Der FinanzbĂŒrgermeister hatte dieses Vorgehen bei einer öffentlichen Veranstaltung vor einem Jahr bereits beschrieben.

In einem zweiten Schritt schlĂ€gt der Bezirksvorsteher vor, das bestehende Sanierungsgebiet am Stöckach um die direkt angrenzenden FlĂ€chen des Parks der Villa Berg zu erweitern. Dass dies generell möglich ist, habe das Landeswirtschaftsministerium bereits schriftlich bestĂ€tigt. Mit dieser Erweiterung des Sanierungsgebietes ließen sich Fördermittel von Bund und Land generieren.

Als dritter Baustein dient der Verkaufserlös stĂ€dtischer BauhofflĂ€chen am Rande des Parks. Hier ließen sich nach Angaben der Stadt bereits bei einer maßvollen Wohnbebauung mindestens drei bis vier Millionen Euro erzielen (Vgl. GRDrs 401/2010). Im Gegensatz zu den von privaten Investoren geplanten Wohnungen mitten im Park sei der Wohnungsbau an dieser Stelle wesentlich sinnvoller, so Bezirksvorsteher Körner: „Mir sind 50 Wohnungen am Parkrand fĂŒr 700 Euro Miete im Monat lieber als 80 Wohnungen mitten im Park fĂŒr 1.500 Euro.“

Schließlich ließen sich nach Überzeugung von Helmut Nanz auch private Gelder mobilisieren. Denkbar wĂ€re beispielsweise, dass eine Stiftung die Villa saniert und vermietet. Das Stiftungskapital könnte von der Stadt und von privaten Geldgebern aufgebracht werden. Helmut Nanz: „Es gibt in Stuttgart genĂŒgend Menschen, die ein solch gemeinwohlorientiertes und kreatives Zukunftskonzept mit namhaften BetrĂ€gen unterstĂŒtzen wĂŒrden.“

Auch bei den Betriebskosten der Villa haben Martin Körner, Markus Merz und Helmut Nanz mit ihrer Eigeninitiative bereits Mittel mobilisieren können. Das Ministerium fĂŒr Wissenschaft, Forschung und Kunst prĂŒfe, ob es nicht sofort in die KomplementĂ€rförderung mit der Stadt einsteigen kann, und nicht erst mit einer Verzögerung von zwei Jahren, so Markus Merz. Bis vor kurzem hatte die Stadt selbst einen bedeutenden jĂ€hrlichen Betrag fĂŒr das alte kommunale Kino bereitgestellt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass bei der Stadt grundsĂ€tzlich die Bereitschaft zur Mitfinanzierung vorhanden ist.

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