The Soul of KTV (28)

Manchmal geht’s bergauf und manchmal bergab, manchmal muss ich die Musik fĂĽr diese Kolumne suchen und manchmal läuft sie mir massenweise einfach ĂĽber den Weg (so wie diesmal) und manchmal fällt mir keine bessere Einleitung ein (so wie diesmal).

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thesoul

Wie immer fangen wir gleich mit dem Werbeblock an: Am Samstag ist wieder The Soul im Wurst & Fleisch, diesmal mit einem Stargast, bei dem ich mich frage, warum ich ihn nicht schon frĂĽher eingeladen habe: The one and only Toni Disco! Hat erst vor kurzem sein Comeback an den Turntables gefeiert, frisch ausgerĂĽstet mit Serato, ein Souljunge von Haus aus. Am Samstag wollte er glaube ich nur mit Vinyl auflegen, und ich ĂĽberleg mir das ernsthaft auch – verrĂĽckt, muss mir nur noch ne alte Legokiste besorgen.

THE SOUL

Sa 13.04.2013, 22 Uhr, Eintritt frei
Wurst & Fleisch, RotebĂĽhlplatz 9, Stuttgart
Soul & Funk 1960-1979

Thorsten W. (The Soul, Kessel.TV)
Toni Disco (Kap Tormentoso)

Facebook-Party

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Kommen wir zum ersten Musikblock. Und mir egal ob das Soul ist. Es kommt selten vor, dass ich mir ein Lied immer und immer wieder anhören kann, aber bei diesem hier ist es so. Die grandiosen The XX, mit denen ich mich erst seit kurzem richtig beschäftige, covern “Finally” von Kings of Tomorrow, einer House-Kombo, die ich noch von frĂĽher kenne, und deren Original nicht besonders originell ist.

Aber live bei BBC Radio 1 mit XX-typischer cool-teilnahmsloser Performance – einfach ganz ganz groĂź.

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Dann hat auch der alte Bruddler Tricky ne neue Platte drauĂźen. Ich mag ihn ja, frĂĽher zu Massive Attack-Zeiten sowieso, auch allein grandios, nur sein Konzert damals in Ludwigsburg war, äh, naja. Am Ende war nur noch ein Drittel des Publikums da. Mit Does It bleibt er seinem Stil treu, dĂĽstert wummert der Bass und depressiv singt das Mädel drĂĽber. Ich mag’s.

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Bevor ich musikalisch noch weiter abdrifte, hier noch etwas “richtigen” Soul – wie es viele halt gerade machen, hört sich nach Motown aus den 60s an, ist aber von heute. Das Interessante an Lady ist, dass je eines der beiden Mädels aus den USA und aus England kommt – gute Kombi, das Debutalbum ist im März erschienen.

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Der Track ist schon ein Jahr alt, und ich glaube ich habe ihn in irgendeinem Film oder so gesehen. Ein Mann namens Labrinth covert “Express Yourself” von Charles Wright, und das ziemlich originell, wie ich finde, auch der etwas gewollte Beat-Teil in der Mitte geht ok. Den Rest von Labrinth muss man nicht anhören, ich hab in das Album reingeskippt, ĂĽbler R’n’B-Schmonz.

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Nochmal so ein Retro-Ding, “Lady, You Shot Me” von Har Mar Superstar. Har Mar Who? Dahinter steckt der Amerikaner Sean Matthew Tillmann, und unter seinem Pseudonym macht er warum auch immer den Pornostar Ron Jermemy nach – von dem ich schon gehört habe, mit dem ich aber nie im Leben einen Porno angucken wĂĽrde. Ansonsten ist dieses StĂĽck ziemlich gut.

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Bei Giraffage werden sich wahrscheinlich die Geister scheiden. Irgendwie flächiger Soul-Pop mit in alle Richtungen verzerrten Audiotune und sonstige Effekte-Vocals und Beats drunter, die keinem Muster folgen. Ich mag’s, gerade weil ich etwas ähnliches noch nie gehört habe, dahinter steckt ein Typ aus San Francisco und es lohnt sich, auch mal seine anderen Songs anzuhören.

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“Whole Loota Love” von Led Zeppelin wurde auch schon 1000-fach gecovert, aber so “soulful” wie von Humus, einer Band aus Finnland, wahrscheinlich selten. Auch wenn ich das Video irgendwie, äh, dämlich finde.

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Der alte Jammerlappen James Blake hat im Februar sein Album “Overgrown” veröffentlicht, und das ist ein StĂĽck, das bei mir beim Durchskippen hängengeblieben ist. Ich mag das Zeug echt, was er macht, fĂĽr mich ist das Soul 2013, auch wenn er in einem Interview mit Spiegel Online deutlich gemacht hat, dass er keinen Soul macht. Interessant zu lesen, wenn er auch etwas arrogant rĂĽberkommt der Kerle, wie ich finde.

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Noch ein guter Kerle, Mnek. Kannte ich vorher nicht, macht aber gute Sachen, wenn man seine Soundcloud mal so durchscrollt. Hier hat er tatsächlich “That’s The Way Love Goes” von Janet Jackson gecovert, und zwar ziemlich anders, als es wahrscheinlich jemand anders gemacht hätte.

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Mensch, vieles gutes neues Zeug am Start gerade. Auch Jamie Lidell hat ein neues Album drauĂźen, und das gefällt mir sehr gut – sehr 80s-Disco-Boogie, da steh ich ja eh drauf. Eines der besten Tracks darauf, “You Naked”, das ich mir auch zum Auflegen gekauft habe, performt er hier live – und das hört sich nicht nur an wie aus den 80ern, sondern sieht auch so aus.

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So, jetzt kommt die Überleitung zur Sampleecke. Ich muss sagen, ich finde Solomun ja echt richtig gut. Hype hin oder her. Meiner Meinung nach sind seine Tracks anders als der allergrößte Teil elektronischer Musik, die gerade veröffentlicht wird, und dabei überrascht er immer wieder. Hier zum Beispiel mit einer Bassline, die man mitsingen kann, und einem charmanten Vocal-Sample.

Und, na, wer singt da? Ich musste auch bei whosampled nachgucken, und ich war doch dezent ĂĽberrascht: Der gute alte 2Pac war’s! Unbelievable? True dat.

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Weiter in der Sample-Ecke. Es gibt einen Sample, der wie wenige andere die Leute zum Ausflippen bringt – und zwar (fast) egal, in welchem Track er zum hundertsten Mal verwurschtelt wird, jĂĽngst etwa von Mac Miller. Am bekanntesten ist wahrscheinlich DJ Kool mit dem grandiosen Partytrack “Let Me Clear My Throat”.

Und wo kommt nun dieser Sample her? Naja, bekannt gemacht hat ihn ein gewisser DJ Mark The 45 King. Der hat die markante Saxophon-Line genommen und daraus The 900 Number gemacht – ein Track, bei dem zwei Minuten nichts anderes passiert, als dass der Break mit dem Saxophon läuft. Kann man aber trotzdem schön auflegen und auf Wunsch ein beliebiges Acapella drĂĽberlegen, alles schon gemacht.

Aber natĂĽrlich ist das nicht das Original – das wiederum stammt aus dem Track “Unwind Yourself” von Marva Whitney und taucht dort nur ein einziges Mal am Anfang auf. Auch wenn das Video hier (kein anderes gefunden) etwas anderes vorspiegelt, hier hatte aber DJ Premier seine Scratch-Finger im Spiel.

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Kommen wir zur Gratis-Musik. Mayer Hawthorne verschenkt einen Track als Free Download, “Designer Drug”, ĂĽber Soundcloud. Das ist nett und der Track ist dazu auch noch gut, aber das ist man von ihm ja auch gewohnt.

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Aus aktuellem Anlass hat ein gewisser Jimmy Green ein Marvin Gaye-Mixtape zusammengestellt – der hatte nämlich am 2. April Geburtstag, bzw. hätte gehabt, denn am 1. April ist sein Todestag, und bekannterweise wurde er tragischerweise von seinem eigenen Vater erschossen. Mixtape trotzdem gut, wenn auch leider nicht als Download.

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Und jetzt noch ein bisschen alte Musik. Mein Gänsehaut-Track des Monats, “What’s Wrong With Groovin”, Hammer! Letta Mbulu kannte ich bisher noch nicht, aber die Stimme ist einfach Wahnsinn. Und ich wĂĽrde mal behaupten, dass Michael Kiwanuka sich intensiv Letta Mbulu angehört hat.

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Eine typische Wiederentdeckung ist “Just Dropped In” von Kenny Rogers, an sich das genaue Gegenteil eines Soul-KĂĽnstlers. Ich kannte den Track, dann wieder vergessen, dann wiedergefunden. Und gerade beim Video gesehen, dass er wohl im grandiosen Film The Big Lebowski vorkommt.

Sharon Jones und die Dap Kings haben auch eine Version davon gemacht, very funky, aight.

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urban_mashup

Kommen wir zu den Veranstaltungen: Am Donnerstag gastiert wie hier bereits angekündigt die Urban Mash Up Tour in Stuttgart. Die besteht aus ein paar der besten deutschen Soul-Sänger zur Zeit, dem Stuttgarter Soulboy Fetsum, Mateo Carioli, Cassandra Steen und Irma. Das Ganze steigt im LKA.

Und dann noch eine Vorschau auf einen ganz besonderen Event: Am 29. Juni steigt im Keller Klub die Soul Safari, bei der sich die wichtigsten Soul-DJs und Veranstalter der Stadt treffen, der Erlös wird fĂĽr einen guten Zweck gespendet. Bisher zugesagt haben die Get Down-Crew, Jens-O-Matic, DJ Nobody, DJ Emilio, DJ Friction, Steve Unique und meine Wenigkeit, weitere kommen sicher noch dazu – so save the date!

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