Wir hätten sitzen können

So. Jetzta. Überschrift ist mir keine eingefallen. Hab ich die genommen, die mir seit dem Wochenende im Kopp rumgeistert, weil ich den sehenswerten arty-farty Kunstfilm “Rubber” geschaut hab, in dem ein Autoreifen Menschen durch… ja durch was eigentlich? … umbringt. Tod durch vulkanisieren.

Film fängt gleich richtig gut an, in dem ein Streifenwagen in der Wüste in Spielstraßen-Geschwindigkeit Stühle über den Haufen fährt. Worauf sich ein Wüstenbesucher mit meinem Lieblingssatz des Wochenendes beschwert: “Warum haben Sie die Stühle kaputt gefahren? Wir hätten sitzen können!” Ja hätten wir.

Wo fangen wir an? Auf dem Rücksitz am besten. Da hab ich neulich im Auto neben mir ne Riesen-Entdeckung gemacht. Ich schau gerne in die Autos fremder Menschen und stell mir dann die Fahrzeughalter dazu vor. Im Gegenzug lebe ich allerdings auch ständig in dem Bammel, dass mir mal einer durch das Fenster glotzt und sich denkt: “Was ist’n das für ne Type?” Dann zum Beispiel, wenn da Lateinwörterbuch, die neue Stereophonics und Berndkreiswein nebeneinander fläzen. Da muss man mich ja komisch finden.

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Komisch fand ich weniger die Musikrichtung und vielmehr die Mischung aus Superlativ und Nachklapper: die besten neuesten Anbetungslieder aller Zeiten? Hab das mal gegoogelt. So wie ich vieles google, was ich sehe, aber nicht verstehe.

Als man klein war, konnte man zu sowas den jeweiligen Erziehungsberechtigten fragen, der sich am Ende des führenden Armes befand. Heute haben wir Internet. Und das Internet zeigt auf Nachfrage nach Best New Worship ein Paar Gummistiefel und den Satz “Good, homegrown organic goodness from the soul survivor vegetable patch.”  Woraufhin ich das Internet zugemacht habe.

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Momentaufnahmen aus einer Zeit, in der Musik noch einfach war. Und nicht die beste neueste seit Menschengedenken. Jetzt einen Übergang zur nächsten Bilder-Schar zu finden, ist nicht ganz unkomplex. Ich will mich aber bitteschön weigern, die Bilder mit den Worten “Und jetzt zum Sport” anzukündigen. Monthy Python hat an solchen Stellen immer “And now for something completely different” verwendet.

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Das Emblem der Stuttgarter Kickers. Kunst auf der Karlshöhe. Die Qualität der Street Art entspricht leider dem aktuellen Tabellenplatz. Meine Lieblingsmannschaft in Liga 3 hat das Siegen verlernt. Pech am Stiefel kleben. Die Seuche. Das Abstiegsgespenst zu Besuch in Degerloch.

Bin so eine Mischung aus resigniert, verzweifelt und zweckoptimistisch. Wir haben ja noch etliche Nachholspiele, weil die letzten Wochen auf der Kunsteisbahn Waldau nicht gekickt werden konnte. Ich hoffe nur, dass da jetzt nicht irgendein Rohrfux kommt, den Boden aufreißt, eine Rasenheizung verbuddelt – und die macht’s dann mollig für Gegner wie SC 07 Idar-Oberstein oder FC Eschborn. Für das kommende Heimspiel gegen die Speichelschwestern und Namensvettern der Offenbacher Kickers deshalb hier nochmal die Taktik:

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In der Loseblattsammlung des Lebens hab ich in letzter Zeit aber noch mehr Dinge zum Drüberwundern gefunden. Neulich zum Beispiel Marktforschung an einem Zigarettenautomaten. Ich qualm ja nun auch schon 10 Jahre nicht mehr und bin aus dem Thema ein bisschen raus.

War deshalb sehr überrascht als ich mich der R2D2 unter den Kippenautomaten neulich anblinzelte und auf dem Display fragte, wie ich diese oder jene Produkteigenschaft persönlich so einschätze.

Ich stell mir vor, die sitzen dann da im Gauloises Headquarter, irgendwo in der Peripherie zwischen Metz und Nancy, schloten im Besprechungszimmer und glotzen repräsentativ auf ein Flip-Chart, auf dem zu lesen ist: 9 von 10 Rauchern, die wir direkt am Zigarettenautomaten, also am Point of Purchase, befragt haben, finden unsere Marke “Geldrückgabe hier drücken.”

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