Risiko spielen

De-Eskalation à la Degerloch.

Keine Ahnung, wann ich mich das zuletzt hab sagen hören – oder schreiben sehen – aber zur Zeit macht Stuttgarter Kickers Fan sein richtig Spaß. Die Blauen sind in Liga 3 auf Platz 9. Sowas nennt Waldi Hartmann (Rente in Peace) “in der Liga angekommen sein”. Die Kickers spielen schön, kämpfen tapfer und gewinnen gegen die VfB Amateure, den VFL Osnabrück oder die Zweiligadurchreiche Alemannia Aachen.

Alles ohne Zittersiege, sondern hochverdient und teilweise bildhübsch. Die Spiele, die sie verloren haben – Rostock – Bielefeld – Heidenheim – “die kann man verlieren” (R.Beckmann) und da haben sie auch nicht “auf die Mütze gekriegt” (M.Reiff).

Liegt glaube ich auch daran, dass Guidodiego Buchwald in der Schleuse zwischen vierter und dritter Liga ganz gut eingekauft hat. Der Mann war nicht auf der Resterampe, sondern im Bio-Supermarkt shoppen. Und hat ein paar schöne frische Zutaten für den Nichtabstieg in den Einkaufskorb gelegt: Alvarez, Braun, Evers, Rühle – alles echte Verstärkungen.

Parallel zu Liga 3 spielt der SVK auch noch erfolgreich im ungeliebten WFV-Pokal. Die Klassenfahrt unter den Fußball-Wettbewerben: Du kickst in Spaichingen, Maichingen und Laichingen – und gewinnst 9:0 und höher. Am Ende winkt die Teilnahme am DFB-Pokal. Die große Fußball-Tombola – und wir sind mit im Topf.

Jetzt aber droht der blauen Idylle Ärger. Trouble in paradise. Hooligans in Degerloch. Der KSC kommt. Und was besonders erfreulich ist: es ist NICHT der Karlsruher Sportclub römisch zwei. Es ist die erste Mannschaft. In der dritten Liga. (Gell, Aussi?) Denn während die Kickers sich in den letzten Jahren tapfer hochgearbeitet haben, hat sich der KSC dumm heruntergeigt.

Am 24. September kommt es jetzt also zu einem Duell, das die Behörden als “Risikospiel” einstufen. Welche Behörde macht sowas eigentlich? TÜV am Pragsattel? Amt für Öffentliche Ordnung? Turners Wahlbüro? Das Amt für Abfallwirtschaft?

Komisch: die letzten Jahre haben die alle ihre Füße still und den Ball flach gehalten. Da hätten sie mal einigen Spielen ihren offiziellen Stempel aufdrücken sollen. Denn die wahren Risikospiele waren Dorfkicks gegen FC Bayern Alzenau, SV Wehen Wiesbaden II oder beim SC Pfullendorf.

Da bestand immer das Risiko, dass ein Ali Pala stolpert, dass man in der letzten Minute ein Ding kassiert oder doch noch auf der Zielgeraden vom SC Andrea Berg Großaspach in ihrem rollenden Tourbus überholt wird. Daumengedrückt, Augen geschlossen und durch, alles gut gegangen. Trotz Riesen-Risiko.

Wenn der Karlsruher SC jetzt kommt, soll das Spiel ins Neckarstadion/ins Gottlieb-Daimler-Stüble/in die Erwin-Staud-Arena verlegt werden. Dort unten in Cannstatt habe ich die Kickers glaube ich das letzte Mal 1995 im besagten DFB-Pokal gesehen, wo sie sich gegen den FC Bayern mit Händen und Füßen gewehrt haben, bis ausgerechnet Babbel in der 39. das 0:1 schoss, gleichzeitig der Endstand. Aus Sicht von Kahn, Helmer, Strunz, Sforza, Jeanpierrepapin und Co. kein Ruhmgekleckere.

Bestimmt kommen auch VfB-Fans. Wobei die Polizei hofft, dass die an diesem Tag nach Nürnberg fahren. Aber was werden die wohl lieber tun? Badener watschen oder Dieter Hecking besuchen? Dann singen sie wieder fäkales Liedgut wie  “Uno, Due, Tre – Scheiss KSC” oder “Karlsruh’, Karlsruh’, wir scheißen euch zu.”

Der gesamte schwarze Block der Kickers,  auswärts in Frankfurt – und in Ultraletten. 

Die Kickers gehören nach Degerloch und der KSC in die vierte Liga, dann wäre alles gut. Und friedlich. Bei einem Heimspiel letztes Jahr haben die gegnerischen Fans gerufen “Wir haben Hooligans. Und Ihr nicht!” – das beschreibt die mangelnde Gewaltbereitschaft unterm Fernsehturm ganz gut.

Normalerweise hat es dort nämlich schon etwas Goldiges, wenn die Polizei beritten kommt. Wirkt, als hätte ein kleines Mädchen ihre beiden Playmobil Polizeipferde vor das Gazi-Stadion gestellt. Und meistens wissen die gar nicht, was sie dort oben sollen. Außer grasen.

Liebe Verantwortliche, um im Vorfeld schon ein wenig Dampf aus dem anstehenden Risikospiel zu nehmen und präventiv zu deeskalieren – hier deshalb unsere Forderungen:

1.) Wir werden dort unten im Stadion nicht mit der öddeligen Fancard bezahlen. Wir wollen Wurst und bringen Bargeld.

2. Wir werden uns auch nicht mit einer lauwarmen Stadionlyoner vom Caterer Amarak begnügen. Wir wollen eine Rote vom Paule.

3. Wir werden nicht Mercedes-Benz-Arena sagen. Sondern das Ding einen Samstagnachmittag lang auf den Namen Subaru-Stadion taufen. Powered by Blumen Fischer, Bubble Tea, Sparda Bank und kessel.tv

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