Berlin Festival Recap

Ich bin ja absoluter Anf├Ąnger was Festivals angeht. Ich war n├Ąmlich noch nie auf einem, abgesehen von den HipHop Open und Bizarre Festival und Rock im Park vor vielen Jahren, das allerdings zum arbeiten und mehr “hinter den Kulissen”. Deshalb hab ich mir mit Bernd, Tobi und Manu drei ├╝beraus erfahrene Festival-G├Ąnger als Mitreisende ausgesucht und in einen Benz gepackt.

Das Berlin Festival habe ich mir eigentlich wegen Michael Kiwanuka ausgesucht, weil ich den in M├╝nchen verpasst hatte, aber auch der Rest des Line-Ups hat sich doch ganz schick angeh├Ârt. Ein weiteres Pro-Argument f├╝r mich: Das Berlin Festival findet am Flughafen Tempelhof statt, d.h. kein Matsch, kein Zeltplatz und notfalls ein Dach ├╝ber dem Kopf.

Zur Sicherheit sind wir schon Donnerstagabend losgefahren, und obwohl oder weil meine Mitfahrer die Hinfahrt f├╝r die Beseitigung einer Palette 0,5-Liter-Dosebier genutzt haben, haben wir die Gelegenheit gleich f├╝r einen Besuch bei der Miau Miau-Party im Freudenzimmer genutzt, einer Off-Location, bei der man dem T├╝rsteher ein Kennwort sagen musste und wo – ganz Stuttgart-Connection – Schowi, Palina und der ehemalige Produzent von Bushido aufgelegt haben.

Hier haben wir zum ersten Mal die Musik geh├Ârt, die wohl gerade so bisschen Trend in Berlin (und anderswo) ist: Trap. Eine Mischung aus Crunk, HipHop und Dubstep. 70 bzw. 140 BPM, wem das was sagt. Sehr gut und sehr tanzbar.

Am n├Ąchsten Tag fing dann das Berlin Festival an, und zwar eigentlich mit einem kleinen Drama: Denn aus diversen privaten und sonstigen Gr├╝nden haben sowohl meine Mitreisenden als auch ich Michael Kiwanunka verpasst, der um 16.15 Uhr aber auch zu einer eher unfreundlichen Zeit gespielt hat. Meine Mitstreiter waren zu Kate Nash vor Ort, die laut einhelliger Meinung unglaublich schlecht gewesen sein muss, ich traf dann p├╝nktlich zu Tocotronic auf der Main Stage ein.

Und was soll ich sagen: Gro├čer Tocotronic-Fan war ich nie, und aufgrund schwachen B├╝hnensounds und der ersten Eindr├╝cke des Festivals, die erst mal verarbeitet werden wollten, kann ich gar nicht viel dazu sagen. Nur dass S├Ąnger Dirk von Lowtzow eine wei├če Hose und ein rosafarbenes Hemd trug, was auf einem ausgewiesenen, ├Ąh, Hipster-Festival zumindest fragw├╝rdig ist.

Im Anschluss wurde ich von den anderen zu Frittenbude auf einer kleineren Stage gen├Âtigt, und ich kann mich nicht zur├╝ckhalten, das ist f├╝r mich einfach mit Deichkind und ja, Atzen, auf einer Stufe. Kirmestechno mit Kinderrap, das brauch ich nicht.

Auf der Main Stage dann ein f├╝r die Fast-Main-Time doch mutiges Booking, n├Ąmlich Sigur R├│s. Die Leute kamen anfangs nicht wirklich zurecht mit dem sehr entspannten Klicker-Klacker-Fl├Ąchensound der Isl├Ąnder, aber nach ein paar Liedern hat man sich dann doch kollektiv eingegroovt, und ohne zu viel vorwegzunehmen war das eines der Highlights des Festivals.

Vor dem gro├čen Finale dann noch mal kurzer Wechsel r├╝ber zur kleinen B├╝hne, wo Miike Snow spielten – die Band sagte mir ehrlich gesagt nicht so viel, hat mich live aber durchaus ├╝berzeugt.

Und dann nat├╝rlich nichts wie wieder r├╝ber zur Main Stage, wo das Highlight des Abends, wenn nicht des Festivals, erwartet wurde: The Killers. Eigentlich die perfekte Festival-Band, wie ich gedacht hatte. Wall of Sound, Feuerwerk und Konfetti, damit hatten ich – und viele andere wahrscheinlich auch – gerechnet. Und was war es dann? Ein absolut hervorsehbarer Auftritt mit wieder viel zu leisem Sound, auch in B├╝hnenn├Ąhe kam die Musik nicht richtig an… die Lasershow war nett, aber der Funke ist leider nicht ├╝bergesprungen.

Darum war es f├╝r mich auch nicht besonders schwer, einen Abstecher zur kleinen B├╝hne zu machen, wo zur selben Zeit Major Lazer spielten, die Combo um DJ und Produzent Diplo. Und was soll ich sagen: So geht Rave. Eine wilde B├╝hnenshow mit MCs und T├Ąnzerinnen, dicke B├Ąsse, Outfitwechsel und Stagediving mit Gummitieren. Gro├čes Kino, wie man so sch├Ân sagt, und ich w├╝rde das Ganze sehr gern mal in einem Club erleben.

Dann war Zeit f├╝r einen Zwischenstopp bei Mustafas Gem├╝sekebap in Kreuzberg, trotz Hype und Tourmagnet einfach der beste D├Âner der Welt, true story. Und dann ab zum Club Xberg, dem zugeh├Ârigen Clubfestival in der Arena in – ach was – Kreuzberg. Aufgrund missverst├Ąndlicher Zeitangaben haben wir von Metronomy leider nur das letzte Lied geh├Ârt, der Rest war aber bestimmt auch super.

Super war aber auch der anschlie├čende Gig von DJane Maral Salmassi zusammen mit einer Dame vom M├╝nchner Kollektiv Chicks on Speed. Und die haben wieder ein Trap-Set aufgelegt, das den gut gef├╝llten gro├čen Saal der Arena gut zum Schwitzen gebracht hat. Wobei man sagen muss, dass Frau Salmassi wahrscheinlich der schlechteste DJ der Welt ist, technisch gesehen, aber ihre Tanzeinlagen im Catsuite waren spektakul├Ąr und die Musik atemberaubend.

Und dann war auch schon Samstag, und es reichte absolut, abends p├╝nktlich zu WhoMadeWho einzutreffen, die auf einer der kleinen B├╝hne spielten. Und ihr Auftritt passte zum Eindruck des ganzen Festivals: Die Elektro/Elektropop-Bands und -Acts konnten zumindest mich mehr ├╝berzeugen als die anderen. Vielleicht auch, weil sie den – ich wiederhole mich – zu schwachen Sound am besten kompensieren konnten.

Dann freuten sich die anderen sehr auf Kraftklub, und ich wurde mitgeschleppt mitten in die Menge vor der Mainstage – und ich muss ja zugeben, die Show war besser als ich erwartet hatte, das Ausleben von Rock-Klisch├ęes auf der B├╝hne und Spielchen mit dem Publikum waren vielleicht etwas albern, aber zumindest hatten die Leute Spa├č.

Da sich langsam die ersten Erm├╝dungserscheinungen einstellten blieben wir einfach bis zum n├Ąchsten Act sitzen, hat sich f├╝r Franz Ferdinand auch durchaus gelohnt. Wieder zu leise, aber nicht ├╝berkandidelt und mit Spa├č bei der Sache.

Und dann der “Main Act”, Highlight und Abschluss des Festivals, der Mann mit den nachweislich meisten Fan-T-Shirts auf dem Gel├Ąnde: Paul Kalkbrenner. Eine Unversch├Ąmtheit und Verarsche am Publikum. Der Mann stand tats├Ąchlich 1,5 Stunden alleine auf der B├╝hne und hat seine eigene Musik aufgelegt. Aufgelegt. Nix live, keine Show, keine Effekte, keine T├Ąnzer. Ein Typ mit Glatze steht auf der B├╝hne, legt seine unfassbar langweilige Musik auf und unten warten alle auf “Sky and Sand”.

Wir haben das genau eine halbe Stunde ausgehalten und lieber direkt unseren traditionellen Zwischenstopp bei Mustafa eingelegt. Beim Club Xberg waren wir dann p├╝nktlich zu Modeselektor, und das war ein sehr sch├Ânes Beispiel, wie man einen Live-Act mit elektronischer Musik auch ohne pomp├Âse Show w├╝rdig ├╝ber die B├╝hne bringen kann. Zwei coole Typen, eine Flasche Champagner, ein Mikro und eine Videoleinwand reichen v├Âllig.

Da h├Ątten sich der meiner Meinung nach ├╝berbewertete Totally Enormous Extinct Dinosaurs im Anschluss und sp├Ąter Simian Mobile Disco gern eine Scheibe abschneiden d├╝rfen – langweiliges Technogebollere ohne Inspiration, da kann man zu tanzen, man kann es aber auch genauso gut lassen.

Die Nacht oder besser den Morgen beschlossen wir mit einem Besuch bei der Wilden Renate, einem sehr sch├Ânen Club in einem ehemaligen Wohnhaus mit vielen R├Ąumen und Floors und einem Garten, wo ein Boot an einem Baum h├Ąngt.

Doch zwei Festivals sind f├╝r ein Wochenende in Berlin noch nicht genug, und so nahmen wir am Sonntagnachmittag noch das Auf den D├Ąchern Festival von Tape.TV und Spiegel Online mit. Das fand als Highlight der Auf den D├Ąchern-Konzertreihe statt, wo tats├Ąchlich Bands auf dem Dach des Tape.TV-B├╝ros an der Spree spielen.

Wir hatten leider keine der sehr wenigen Tickets f├╝rs Dach, durften die Konzerte aber mit vielen anderen Leuten unten in der “Public Viewing”-Area auf Leinwand mitverfolgen. Das war spannender als es sich anh├Ârt ÔÇô Stuttgart war dick vertreten, die Orsons hatten wir verpasst, aber Cro und Max Herre legten bei wunderbarsten Wetter sehr solide Kurzauftritte hin, genauso wie die Citizens, Amanda Mair und MIA. mit einem wunderbar kitschigen Auftritt mit Federkleid und Seifenblasen.

Zeit f├╝r die Heimfahrt und ein kleines Fazit: Das Berlin Festival ist ja wie gesagt als Hipster-Festival verschrien, das Publikum war tats├Ąchlich sehr hip aber durchaus angenehm, mit den Side-Events wie Autoscooter, Art Camp und anderem hat man sich wirklich M├╝he gegeben. Allerdings kann ich auch den allgemeinen Eindruck best├Ątigen, dass die Leute im Publikum nicht gerade vor Begeisterung ausgeflippt sind, da ist die Stimmung bei anderen Festivals bestimmt besser. Aber welchem anderen Festival kann man schon bei Regen unter dem Dach und trotzdem fast direkt vor der Main Stage stehen? Also!

Hier ein kurzer Recap-Clip zum Berlin Festival:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=nmME7rHz96I[/youtube]

Und hier das komplette Auf Den D├Ąchern Festival zum Angucken:

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