Party- und Kunstblog: Roadtrip zur Art Basel.
Tag 1: Eva, Adele, Brigitte und wir.

Anfang letzter Woche meldet sich meine gute Freundin Anja: Am Wochenende ist Art Basel, lass uns hinfahren. Hm, was steht sonst an? Umzug, K├╝che aufbauen, Wohnung streichen, OhHi-Blockparty, Flohmarkt im Transit… Ok, top, wir fahren hin.

Es ist ja jetzt nicht so, dass ich ├╝berm├Ą├čig kunstinteressiert w├Ąre. Hat sich nur etwas geh├Ąuft in letzter Zeit, Ende letzten Jahres in der Tate Modern in London, neulich in der Albertina in Wien und jetzt eben Art Basel. Ich bin ja offen, und was macht man nicht alles f├╝r seinen Ruf, sich f├╝r mehr als Fahrr├Ąder und Partys zu interessieren. Ein Roadtrip in drei Teilen.

Tag 1: Eva, Adele, Brigitte und wir.

Also Freitag halben Tag freigenommen, im Rewe ein ordentliches Fresspaket f├╝r die Fahrt eingekauft und in Anjas schwarzem Sportwagen franz├Âsischer Bauart losgeheizt. Die Hinfahrt war dann auch erschreckend unspektakul├Ąr. Am spektakul├Ąrsten waren da noch der expressionistisch-wolkenverhangene Himmel und die Pringles Xtreme Take Away Smoking Ribs. Da geht was, geschmacklich.

Wie jede andere Stadt auf dieser Welt ist auch Basel bei der Einfahrt ziemlich h├Ąsslich, auch wenn uns eine Br├╝cke an die Brooklyn Bridge und das Messeparkhaus an das Guggenheim in old NYC erinnert haben. Dann nach Bezahlen des stolzen Eintritts erst mal orientieren: Eine riesige Messehalle ├╝ber zwei Stockwerke, vollgepackt mit Kunst.

Kurz zur Erkl├Ąrung: Die Art Basel geht so, dass Galerien aus der ganzen Welt ihre Kunstwerke ausstellen und daf├╝r Messest├Ąnde aufbauen, die wie kleine Galerien aussehen. Wei├če Stellw├Ąnde au├čenrum, und auf jedem Stand steht ein Tisch mit vier St├╝hlen, darauf ein MacBook ohne Netzkabel und davor eine Frau und ein Mann.

War wirklich so, der einzige Unterschied lag darin, dass sich die Galeristen ├╝ber die Wahl von Tisch und St├╝hlen (nat├╝rlich nur Designerm├Âbel) versuchten abzuheben bzw. zu positionieren. Ansonsten ├╝berall das gleiche Bild, und die MacBooks hatten alle auch kein Netzger├Ąt dran, ist mir gleich aufgefallen. Entweder gab es am Stand keinen Strom oder das hatte ├Ąsthetische Gr├╝nde.

Da fliegen die Galeristen also von New York, Peking oder Timbuktu nach Basel und nehmen extra einen Tisch und vier St├╝hle mit. Die M├Ąnner und Frauen an ihren MacBooks waren auch immer sehr besch├Ąftigt, womit hat sich uns leider nicht erschlossen.

Auf jeden Fall herrschte bei der Art Basel eine sehr, ├Ąh, k├╝nstlerische Atmosph├Ąre, und da wir schnell merkten, dass wir mit dem Budget von 200 Euro, f├╝r das ein Bekannter von Anja uns mit dem Ankauf eines Gem├Ąldes beauftragt hatte, keinen gr├Â├čeren Coup landen w├╝rden, suchten wir uns erg├Ąnzend zum interessieren Betrachten der Kunstwerke weitere kreative Besch├Ąftigungen.

Die Aufgabenteilung war schnell gefunden: Anja sollte Leute fotografieren, ich hielt die Augen offen nach Spiegeln bzw. Kunstwerken mit Spiegelfl├Ąche, in der wir uns fotografieren konnten. Unser ganz pers├Ânlicher k├╝nstlerischer Ansatz, damit werden wir es noch in die Kunstgeschichtsb├╝cher schaffen.

Au├čerdem waren wir jedes Mal ganz aufgeregt, wenn wir ein schwarzes Bild sahen, weil Anja zu Hause selber ein schwarze Bild hat und noch kreativen Input daf├╝r brauchte. Und um die Spannung dann ins Unendliche zu steigern wetteten wir zus├Ątzlich, wie viele Bekannte wir treffen w├╝rden. Anja tippte auf mind. 3, ich auf max. 1. Ich kenn doch meine Stuttgarter.

Wenig ├╝berraschend waren dann auch die Besucher gemeinhin spannender anzuschauen als die Kunstwerke. Die Fachbesuchertage waren zwar schon rum und jeder konnte rein – darum ja auch wir – aber Wochenende war halt auch noch nicht, deshalb hielt sich die Touristenzahl f├╝r unseren Geschmack noch in Grenzen.

Deshalb waren wir auch mit die j├╝ngsten Besucher, ansonsten fiel uns auf, dass die Kunstszene im Gegensatz zu B├Ąnkern, Politikern und Modebloggerinnen aus Tuttlingen die Phase der eckigen schwarzen Brillen ├╝berwunden hat und man bei hornfarbenen rundlichen Gestellen angelangt ist.

Ansonsten ist es in der Kunstszene wohl ├╝beraus wichtig, in irgendeiner Form aufzufallen. Dabei gibt es verschiedene Kombinationsm├Âglichkeiten: Langweiliges Outfit mit verr├╝ckter Frisur, verr├╝cktes Outfit mit langweiliger Frisur, langweiliges Outfit mit langweiliger Frisur aber verr├╝ckter Begleiterin, langweiliges Outfit mit langweiliger Frisur aber verr├╝ckter Brille.

Auch hier gab es nat├╝rlich Highlights: Die Japanerin im rosa Teddy-Jogginganzug, die Italienerin mit dunkler Sonnenbrille, die junge Russin mit Spitzenkleid und Spitzenstr├╝mpfen, die hektisch mit einer billigen Digitalkamera alles fotografierte, was rumhing.

Und dann sahen wir – endlich – die ersten Promis: Eva und Adele. Ja, ich geb zu, die Namen musste ich auch googeln, aber aus dem Fernsehen kannte ich das K├╝nstlerpaar, dessen Kunstwerk es selber ist, gut zu erkennen am leicht exzentrischen Partnerlook und der Glatze. Nat├╝rlich gleich ein Foto gemacht – ohne zu wissen, dass Fanfotos von Eva und Adele zu deren Kunstperformance geh├Âren. Wieder was gelernt.

Leicht ersch├Âpft nach ein paar Stunden Kunst gucken und Spiegel fotografieren setzten wir uns nach Schlie├čung der Messe drau├čen auf eine Treppe bekamen gleich das n├Ąchste Highlight geboten: Die Schlange am VIP-Shuttleservice. Da standen die Dollars und Rubel in Reihe, unglaubliche Outfits und unser n├Ąchstes Promi-Spotting: Das Ehepaar Borer-Fielding. Aus der Regenbogenpresse bekanntes Ex-Botschafter-Promiehepaar, angeblich getrennt, hier aber im perfekten Outfit h├Ąndchenhaltend am Start. Aufregend.

Nach so viel Input steuerten wir dann unsere Herberge an – auf hei├čen Tipp von Kollege Geiger hin, der nur noch so Urlaub macht, hatte ich bei airbnb ein privates Zimmer bei Brigitte gebucht. Und das ├╝bertraf alle Erwartungen: Ein Traum-Altbau-Reihenhaus, 10 Minuten zu Fu├č von der Altstadt entfernt, mit einer herzlichen Bilderbuchfamilie, einem gro├čen Zimmer und einem sehr leckeren Fr├╝hst├╝ck. Ich glaube ich sollte ├Âfter auf Geiger h├Âren.

Auf der Suche nach Nahrung sind wir dann einfach mal in die Stadt gelatscht, und da hat uns Basel endg├╝ltig gepackt: Eine idyllische Altstadt, der Rhein mitten durch die City, ├╝ber die ganze L├Ąnge mit Treppen, auf denen sich junge Leute zum Kiffen und Knutschen treffen, und in unserem Fall noch hervorragendes Wetter. Und als Kr├Ânung noch ein leckerer Burger zu einem f├╝r Schweizer Verh├Ąltnisse bezahlbaren Preis an einer dem Stadtstrand nicht un├Ąhnlichen Au├čenbar.

Ach ja: Bekannte hatten wir an Tag 1 nur eine getroffen. Win!

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