Lauter Flashmobs

Mein absolutes EM Highlight bisher: beim Jubel der Spanier nach ihrem Sieg gegen‚ĶPortugal‚ĶTschechien‚ĶGhana‚Ķsiehste mal – schon wieder vergessen, weil diese EM mich irgendwie nicht so richtig packt und reinzieht. Jedenfalls feierte inmitten der Spanier ein Mann im Kickers Klassik-Trikot den Aufstieg in Liga 3. Die Sonne scheint bei Tag und Nacht, el Viva Degerloch. Wer ihn im Wimmelbild entdeckt, darf mal ab 21.7. mit zu einem Heimspiel gegen Saarbr√ľcken oder so.

Bin im blauen Taumel also gleich mal in Degerloch rumgeschlendert. Nee, stimmt gar nicht. Männer schlendern nicht. Frauen schlendern, bummeln, shoppen. Männer wetzen, glotzen und latschen. Ich latsch also so durch my hood und glotz ins Schaufenster und entdecke IHN. Kann gar nicht weggucken, wie bei einem Auffahrunfall. There goes the neighbourhood. Frank Federsel. Frankieboy. Dieser Blick, dieses Haar, dieses Foto. Dachte erst, die haben den im Liegen aufgenommen, stabile Seitenlage und so, und dann Apfel R um 90 Grad gedreht.

Ganz fasziniert von soviel Frank und soviel Frise google ich den Mann. Frank Federsel ist schließlich nicht der einzige, der virtuos mit 10 Fingern spielen kann.

Bin jetzt ein großer Fan und werde ihn in eine Reihe mit Blumen Fischer, Bubble Tea Store Stuttgart und Subaru in meine persönlichen Sponsorenleiste integrieren und in jedem kessel.tv Artikel namentlich nennen.

Self-made-Musiker Frank Federsel sagt Dinge wie “Romantik ist nicht nur zum Schmusen gut.” Und weiter im Pressetext:¬†Der blonde Wuschelkopf aus Stuttgart/Berlin macht f√ľr die Verwirklichung seiner ‚ÄěTr√§ume‚Äú alles selbst. “Das ist super, ich bin ja der einzige, der mir etwas verbieten kann”, sagt er.

Seinen Gig (?) verpass ich allerdings, weil ich am 10.7. schon vom Oberb√ľrgermeister Turner Schuster aufs Rathausdach eingeladen bin, rauflatschen, runterglotzen und ein paar Kompetenztypen zum Thema “Design, Communication, Media” zuh√∂ren. Lieber w√ľrde ich allerdings neuromantische Klaviermusik h√∂ren.

Weiter ging’s mit Promo, Viral, Guerilla, Flashmob, Dingenskirchen. Nach dem gro√üen Erfolg der Skateboard-Rampe auf dem Schlossplatz hat Stuttgart jetzt endlich seine von K√ľnstlerhand gestaltete H√ľpfburg auf dem Karlsplatz. Nur Spa√ü. Schon wieder eine Promo. Diesmal f√ľr: wei√ünicht. Markenverj√ľngung durch junge Menschen in Sitzs√§cken.

Bin Stunden zuvor erst in eine Peugeot-Promotion auf dem Wilhelmsplatz reingedappt: alle neuen Modelle waren da ausgestellt und es hat mir ein bisschen meine sch√∂ne Tofu-Pfanne im Noodle 1 verdorben, als pl√∂tzlich gegen√ľber was aus den Lautsprechern kam, das unsere Eltern fr√ľher als Bumsmusik bezeichnet h√§tten. Glaube HipHop war’s, weil junge Menschen (ich tippe auf K√ľnstlerdienst) dazu getanzt haben. HipHop Flash Mob.

Auch die Nachz√ľgler vom Good News Stuttgart Lauf, the Veranstaltung formerly known as Stuttgarter Zeitung Lauf, wurden noch frenetisch von den wartenden Fans begr√ľ√üt. Rechts mit der Startnummer 1422, Gertrude Adler aus Filderstadt-Sielmingen mit einer Zeit von 6 Tagen : 13 Stunden : 44 Minuten und 09 Sekunden (war allerdings auch noch beim Toom, neue Kartoffeln kaufen.)

Dann gleich in die n√§chste Promo gerannt: Flashmob der Generation Silver Surfer auf dem Schlossplatz vor der BW Bank. Aktion√§rsversammlung der Pfitzer AG? Summer Sale beim Winnie? Nicht doch. Hab mich getraut, einen der Herrschaften zu fragen…

‚Ķden da (links im Bild) – worum geht’s hier? Antwort: ein Vortrag zum Thema Immobilienverkauf (Sch√§tze mal, f√ľr BW extend Konteninhaber gratis, for free, umsonst, featuring Butterbrezel und Schorle s√ľ√ü). Er hatte auch gleich seine Unterlagen dabei. H√§tte man ihm eigentlich die Butze sofort vor Ort abkaufen k√∂nnen. Aber er machte den Eindruck, als wolle er erst mal h√∂ren, was die BW Bank sagt, was man alles beim Immobilienver√§u√üern verinnerlichen muss.

Da sieht man mal, wer in Stuttgart eine Immobilie zuviel hat. Modische Faustformel: Grundfarbe Beige schadet nicht beim Immobilienbesitzen.

Schön war, dass einer der ersten ein Sanitäter vom Roten Kreuz war, der rein durfte. Man rechnete wohl mit Ohnmacht.

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