Landpartie nach Lemberg:
Zweite Haltestelle – Dresden

Roadtrip ins Ungewisse, Ausflug in die Ukraine, Spazierfahrt zur EM 2012: Um Schweinis Wade vor Ort mental zu massieren, um Jogis Frisur persönlich zu richten und um einmal in der Ukraine gewesen zu sein, starte ich am Dienstag Richtung Lemberg/Lwiw/Lviv, westliche Ukraine. Mit im Gepäck: Zwei Karten für das Spiel Deutschland gegen Portugal, ca. zehn Reiseführer, ein Laptop-Schloss, das ich mir samt Laptop um den Hals ketten werde und ein knallroter Corsa, den ich bei Stadtmobil stibitzt habe. Mal sehen, wann die das merken. Zweite Station: Dresden

„An Sie habe ich heute morgen schon gedacht“, begrüßte mich Frau Lachmann* auf dem Landgericht in Stuttgart. „Oh, doch so schlimm?“, entgegnete ich verschüchtert. „Nein, nein“, sagte die Amtsinspektorin lachend, „ich hab nur heute morgen auf SWR1 gehört, dass man zur Überführung eines Autos in die Ukraine unbedingt eine Übersetzung in der Landessprache benötigt. Wieso haben Sie die nicht?“

Ja, wieso hab ich die bloß nicht. Vielleicht, weil ich bis zum Wochenende gedacht habe, dass ich in einer Welt ohne Grenzen lebe, in der sich jedes Land über ein Besüchle vom Aussi freut. Weil es in meiner Welt bis zum Wochenende keine Apostille gegeben hat. Weil ich gedacht habe, dass man mit einem roten Carsharing-Flitzer überall willkommen ist.

Dabei war ich für meine Verhältnisse doch so gut vorbereitet. Immerhin zwei Tage vor Abreise hatte ich auf der Website des Auswärtigen Amtes gesehen, dass man für die Überführung eines PKWs in die Ukraine eine notarielle Beglaubigung braucht, dass man den Karch fahren darf, wenn er einem nicht selber gehört. Inklusive Apostille!

Beim heiligen Christopherus, bisher wusste ich vom Konfi-Unterricht, was Apostel sind – die waren Teil des 1. Fanclub von Jesus, die Original Cheerleader des Herrn, die sich kurz nach der Himmelfahrt von Gott um das Merchandising der Firma kümmern mussten.

Eine Apostille musste also auch etwas Göttliches sein. Und siehe da, sie ist es: Eine Apostille ist die Beglaubigung einer Beglaubigung, also mindestens göttliche Komödie oder halt Kafka. Kriegt man nur auf dem Landgericht, Bearbeitungszeit zwei Werktage.

Ein Aussenreporter lässt sich aber weder von einer Apostille noch von so etwas Weltlichem wie Werktagen aus der Ruhe bringen, also flugs bei meinem Homie-Notar angerufen, ein Date klargemacht, sämtliche Stadtmobil-Dokumente, die nicht bei drei auf dem Baum waren, beglaubigen lassen und bei Frau Lachmann auf dem Landgericht angerufen.

„Das ist ein Notfall, wirklich, Frau XYZ vom Notar sagt auch, dass es dieses Mal schneller gehen muss, die Interessen der Bundesrepublik Deutschland stehen auf dem Spiel, ich muss Jogi in Lemberg die Haare schön machen.“

Grummle, brummle, motz: „Dann kommen Sie halt heute nachmittag geschwind, ich muss dem Präsident die Apostille heute noch zur Unterschrift vorlegen, sonst wird das nichts!“

Willkommen in der Apostillen-Welt: die Beglaubigung der Beglaubigung wohnt noch über dem Präsidenten

Das war Montag. Da sah noch alles gut aus. Dienstag dann der freundliche Hinweis auf die fehlende Übersetzung. Mittwoch Panik in Frankfurt. Wo krieg ich die Übersetzung her? Donnerstag Aufatmen in Dresden. Dank Freund Google eine ukrainische Übersetzerin gefunden, die zwar nicht mehr in Dresden übersetzt, dort aber eine Enkelin hat, bei der ich den Wisch abholen kann, in dem steht, dass man uns einen herzlichen Empfang bereiten soll.

In der WG der Enkelin riecht es nach Soziologie und Katze, der Wisch von ihrer Oma sieht amtlich aus, logischerweise verstehe ich kein Wort, ist ja Ukrainisch. Könnte also auch drinstehen, dass man uns an der Grenze sofort erschießen soll wegen Bloggens. Wir werden sehen.

Ach so, Dresden. Soll schön sein. Eine Stadt, aus der Claudia Biro, Till Wonka und Ulf Kirsten stammen, muss gut sein. Hatten tolle Tipps und einen Tisch reserviert in den „Alten Meistern“. Hab mich auf Beelitzer Spargel gefreut und auf Abhängen an der Elbe. Leider kamen 25 KM Stau zwischen Frankfurt und Kassel und sonst wo dazwischen. Dann also doch das oben fotografierte romantische Dinner beim Restaurant zur Goldenen Möwe an der Autobahn. Konnte ich gleich mal den EM-Burger checken. Köstlich.

Und am nächsten Tag Nahkampf am Frühstücksbüfett, Blog-Stress und Übersetzungs-Übergabe. Und von Dresden gar nichts gesehen. Beim nächsten Mal. Bis bald in Polen.

Deutscher Stau: Wenigstens ein Carsharing-Kumpel aus einer anderen Stadt vor der Nase

Deutsches Essen: Heb ich mir für die Heimfahrt auf. Lecker.

*Name von der Redaktion geändert.

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