Foto-Lovestory Wien

Die Gelegenheit muss man doch nutzen. Mittwoch ein Workshop in Wien bzw. in der Nähe, Donnerstag Feiertag, der Flug ist gezahlt – da schlag ich dazu. Ein Tag in Wien, fast umsonst. Da bin ich Schwabe. Außerdem ist Wien wunderschön, ich war schon mal da. Allerdings nicht allein.

Ich hab kein Problem mit allein sein, und es gibt bestimmt größere Abenteuer als einen Tag allein in einer Stadt rumzulaufen. Aber allein an einem Feiertag in Wien, mental sowieso etwas neben der Kappe zu der Zeit? Kann auch schiefgehen, aber wird schon schief gehen, dachte ich mir.

Der Plan war im Großen und Ganzen, möglichst viel in Kaffeehäusern rumzuhängen und dazwischen bissle Kultur anschauen. Das habe ich mit ein paar Fotos dokumentiert und mich dabei an Geigers Rat gehalten, dass mit Hipstamatic oder Instagram selbst der letzte Bloggerseggel annehmbare Bilder hinkriegt.

Über das Hotel möchte ich nicht viel sagen – ich hätte doch das Motel One buchen oder vorher Majde fragen sollen, vorausgesetzt ich hätte gewusst, dass er sich in Wien auskennt.

Praktisch gelegen war das Hotel wenigstens, und zwar direkt am Prater, einer Mischung aus Europa Park und permanentem Wasen mit obigem markanten Riesenrad. Einen Fotospot ist das allemal wert, viel mehr leider nicht.

In Laufweite befinden sich ebenfalls das Hundertwasser-Museum und das Hundertwasser-Haus. In ersteres hab ich nur kurz reingeguckt, zweites kann man eh nur von außen angucken weil bewohnt.

Üble Touri-Falle, die in grauer Einheitstracht (Klischées sind am besten wenn sie stimmen) gewandete Rentnertruppe hat das Haus tatsächlich erst gesehen, als sie davor stand und der Guide draufgezeigt hat.

Aber Humor haben sie, die Wiener, das muss man ihnen lassen.

Und Geschmack.

Auf dem Weg zum ersten Kaffeehaus bin ich am Ausstellungshaus der Wiener Secession vorbeigekommen, einfach nur schön.

Dann mein erstes Highlight: Das Kaffeehaus Sperl. Gegründet 1880 und seitdem nicht renoviert, zumindest nicht maßgeblich. Und genannte Secession wurde da auch gegründet. Wiener Kaffeehäuser, ein Kapitel für sich – ich liebe sie, es gibt nix Besseres, man versinkt in plüschige Sessel, liest stundenlang und bestellt ab und zu was bei Bedienungen, die noch diese schwarzen Bedienungssandale mit Riemen anhaben.

Ich hab mir erst mal ein Mittagessen in Form eines Wiener Schnitzels mit Salat gegönnt. Die Umsitzenden haben alle ziemlich gegafft, kein Plan warum, wahrscheinlich (im Gegensatz zu mir) alles Touristen. Hat Hammer geschmeckt, da geht einiges!

Danach zum Weiterlesen noch eine Wiener Melange, nach den Italienern machen die Österreicher den besten Kaffee, würd ich jetzt mal behaupten. Klein, stark und mit Milch, ein Genuss!

Nach 2 Stunden Rumslacken sollte dann der Kulturteil kommen, und auf Empfehlung hab ich mir mal das MuseumsQuartier angeguckt. Ein riesiges Areal mit Galerien und Museen und im Innenhof moderne Möbelstücke zum drauf rumslacken. Sah gemütlich aus, aber von den Ausstellungen fand ich keine so richtig interessant, also weiter.

Dann halt doch die Albertina, wollte ich bei meinem letzten Wien-Besuch schon rein, ist damals aber an meiner Begleitung gescheitert. Monet bis Picasso, mit der Ausstellung konnte ich als absoluter Nixblicker sogar was anfangen, und es war schon beeindruckend, einen Haufen Originale von solch berühmten Künstlern in Echt zu sehen. Hab mir auch brav wirklich jedes Bild angeguckt, dazu noch die Prunkräume und Zeichnungen von Gustav Klimt.

Genug Kultur, Zeit fürs nächste Kaffeehaus, und zwar das Hawelka. Enger, lauter, noch gemütlicher als das Sperl, mitten in der Stadt neben der Fußgängerzone und doch vom großen Touristenstrom verschont. Zum Glück war ich allein und hab gleich nen Platz gefunden. Auch hier saßen schon berühmte Künstler, eh klar.

Ich – als Kenner – hab mir diesmal nen großen Braunen bestellt. Allerdings glaube ich, dass der Ober mich missverstanden hat, weil das, was er mir gebracht hat, sah aus und schmeckte genau gleich wie die Melange. Aber egal. Auf meine Frage nach Kuchen hab ich Buchteln bekommen, und die haben mich endgültig fertig gemacht. Lauwarme Hefebollen mit Pflaumenzeug drin, ich weiß nicht ob ich in meinem Leben schon mal was leckereres gegessen habe.

Danach ging’s auch schon auf die Heimreise, und ich muss ohne falsche Romantik gestehen, dass ich mich ein zweites Mal in Wien verliebt habe. Für Interessierte kann ich von meiner ersten Reise noch empfehlen, im Hotel Sacher eine Original Sachertorte zu probieren, alleine wegen der blasierten Ober. Und Schloss Schönbrunn sollte man auch unbedingt besuchen.

Habe die Ehre!

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