“Wir sind schon da – wann kommen Sie?”

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Falls ihr einen Job braucht und nicht beim Angermaier auf 400 Euro Basis arbeiten wollt  – die Stadt sucht Personal, gesteht aber auch gleich ein, dass sie “in harter Konkurrenz zur regionalen freien Wirtschaft” steht, “die im Gegensatz zum öffentlichen Dienst zumindest finanziell oft größere Spielräume bei der Vertragsgestaltung hat.”

Um das Ganze bisschen schmackhafter zu machen hat man eine neue Werbekampagne ausbaldowert unter dem nicht ganz so schlagkräftig Slogan “Wir sind schon da – wann kommen Sie?”. Dazu hat man 50 freiwillige Mitarbeiter aus der Verwaltung gecastet. Alles weitere nach dem Sprung.

Stadt geht neue Wege im Personalmarketing und plant Maßnahmen zur Personalentwicklung und zum Personalerhalt

Im Wettbewerb um qualifiziertes Personal will sich die Stadtverwaltung verstärkt als attraktive Arbeitgeberin positionieren. Die Stadt geht deshalb neue Wege in der Personalwerbung. Außerdem sind Maßnahmen zur Personalerhaltung und Personalentwicklung geplant.

Die Stadtverwaltung Stuttgart steht in harter Konkurrenz zur regionalen freien Wirtschaft, die im Gegensatz zum öffentlichen Dienst zumindest finanziell oft größere Spielräume bei der Vertragsgestaltung hat. In der Verwaltung sind die Stellen fest dotiert. Besoldungsgruppen und ein kleinteiliger Tarifvertrag legen die Löhne und Gehälter fest. Gewinnbeteiligungen, wie es vor wenigen Wochen bei den Automobilkonzernen gab, sind im öffentlichen Dienst nicht möglich.

„Als eindeutiges Plus gegenüber vielen anderen Arbeitgebern sind im Rathaus allerdings flexible Arbeitszeiten, variable Teilzeitbeschäftigungsmodelle und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie ein gutes Fortbildungsangebot selbstverständlich“, so Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. „Die Stadt Stuttgart möchte ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig an sich binden, diese fördern und weiterqualifizieren. Darüber hinaus bietet sie ihnen attraktive Aufstiegschancen.“

Schuster wies zugleich darauf hin, dass diejenigen, die den Dienst am Menschen schätzen und sich für ihre Stadt einsetzen wollen, in der öffentlichen Verwaltung ideale Entfaltungsmöglichkeiten haben, so beispielsweise in der Stadtentwicklung, im sozialen Umfeld, in der Bildung oder im Gesundheitsbereich.

Neue Werbekampagne

Vor diesem Hintergrund beschreitet die Stadt neue Wege beim Personalmarketing: Unter dem Motto „Wir sind schon da – wann kommen Sie?“ werben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Gesichtern in Stellenanzeigen, auf Plakaten und auf stuttgart.de für die Stadtverwaltung als Arbeitgeberin.

Die hauseigene Abteilung Kommunikation hat die neue Werbelinie gemeinsam mit dem für den Personalservice und die Personalentwicklung zuständigen Haupt- und Personalamt entwickelt. Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle, verantwortlich für alle städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hat dafür bei der Belegschaft angefragt, wer sich an einer Fotoaktion beteiligen und sein Porträt für städtische Plakate und Anzeigen sowie weitere Werbemaßnahmen zur Verfügung stellen will. Gesucht wurden keine Fotomodelle, sondern Männer und Frauen in ihrer ganzen Vielfalt und Individualität, quer durch alle Altersstufen und Ethnien.

„Ich war ebenso überrascht wie erfreut, dass sich so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeldet haben und Teil der Kampagne werden wollten“, so Wölfle, „Das spricht für ein hohes Maß an Identifikation unserer Beschäftigten mit ihrer Arbeitsstelle. Das spricht aber auch für die Stadt als Arbeitgeberin.“

140 Interessenten haben sich spontan gemeldet. Eine fünfköpfige Jury wählte 50 Kandidatinnen und Kandidaten aus und lud sie zu einem professionellen Foto-Shooting ein. Ab April werben sie als authentische Botschafterinnen und Botschafter für ihre Arbeitgeberin.

Für ein offensiveres Personalmarketing hat sich die Stadt unter anderem auch deshalb entschieden, weil die öffentliche Verwaltung den einsetzenden Fachkräftemangel bereits zu spüren bekommt. Angesichts des hohen Durchschnittsalters der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von knapp 45 Jahren will die Stadt dem Fachkräftemangel vorbeugen und qualifizierten Nachwuchs rechzeitig aufzubauen.

Zudem wandeln sich Berufsbilder. Die Stadtverwaltung will sich durch eine gezielte Personalwerbung den neuen Anforderungen stellen und sich mit hervorragend ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut aufstellen.

Die Kommunen brauchen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keineswegs nur in den klassischen Verwaltungsberufen. Sehr gesucht sind Fachleute für Bereiche, die man nicht unbedingt in einem Rathaus vermuten würde, wie zum Beispiel klassisches Handwerk, Architektur, Medizin, Technik und IT. „Das scheint vielen potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern nicht bewusst zu sein. Sie nehmen bei ihrer Stellensuche kommunale Arbeitgeber häufig gar nicht erst in den Fokus“, so Werner Wölfle.

Der Stadtverwaltung ist es ein wichtiges Anliegen, Mitarbeiter zu haben, deren Wurzeln in vielen unterschiedlichen Nationen liegen. Die Vielfalt in der Bevölkerung soll sich im eigenen Haus widerspiegeln. Dieses Ziel verfolgt die Stadt auch bei der Ausbildung. Mit ihrem, auf Jugendliche abgestimmten Werbeslogan „Deine Stadt – Deine Zukunft“, will sie vor allem auch Schulabgänger aus Familien mit Migrationshintergrund ansprechen. Mit ihrem Bündnis für Integration hat die Stadt Stuttgart schon in den 90er-Jahren bundesweit von sich reden gemacht und wurde für ihr konsequentes Engagement auf diesem Gebiet mehrfach ausgezeichnet.

OB Schuster: „Mir persönlich liegt sehr daran, dass wir uns als internationale und interkulturelle Stadtverwaltung verstehen, in der jeder willkommen ist, unabhängig vom nationalen und sozialen Hintergrund. Stuttgart hat sich in den vergangenen Jahren zu einer gefragten Großstadt entwickelt, in der es ein breites Miteinander der Nationen, der Generationen und der sozialen Schichten gibt. Als Stadtverwaltung möchten wir dazu beitragen, dass sich dieses Miteinander weiterentwickelt. Wir arbeiten darauf hin, dass sich die nationale Vielfalt der Bürger auch in der Zusammensetzung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter widerspiegelt.“

Der geografische Schwerpunkt der Werbekampagne liegt auf der Region und auf Baden-Württemberg. Doch auch deutschlandweit und gegebenenfalls auch international will sich die baden-württembergische Landeshauptstadt als Arbeitgeberin präsentieren und Bewerberinnen und Bewerber auch aus anderen Regionen für sich gewinnen.

Mit einem Argument schlägt sie dabei manch großstädtischen Konkurrenten: Die hiesige Lebensqualität ist sehr hoch, wie die aktuelle Bürgerumfrage beweist. 86 Prozent der Befragten wohnen gerne in Stuttgart. Die Landeshauptstadt bietet die Vorzüge einer Großstadt mit einer hohen Zahl an Arbeitsplätzen, guten Verdienstmöglichkeiten, einem vielfältigen Kultur- und Freizeitangebot und das alles umgeben von viel Wald und Grün.

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