Kein Streetmag in Stuttgart

Hab mich letzten Freitag bisschen gewundert, warum man in Stuttgart eine Charity Party f├╝r ein Berliner Stra├čenmagazin organisiert (die Fete im KimTimJim soll ├╝brigens trotz des Saharasommers (Schwester von der Russenk├Ąlte) sch├Ân gewesen sein, so als kleine Nebeninfo), das von obdach- und mittellosen Menschen vertrieben wird, die den kompletten Verkaufserl├Âs erhalten – falls jemand daf├╝r zahlt. Das Heft ist zun├Ąchst gratis.

Der K├Ąufer kann den Preis selbst bestimmen (empfohlen werden, wie man oben sieht, 1,50 Euro). So zumindest l├Ąuft das in Berlin. Ich meinte dann, sch├Âne Sache das alles, kapier es trotzdem nicht wirklich, da k├Ânnte man doch eher eine Benefit-Party f├╝r den lokalen Trottwar schmei├čen, bis┬áFoffie in den Comments aufkl├Ąrte, dass man das Streetmag ab sofort auch in ┬áStuttgart an Start bringen m├Âchte. Verstehe!

Kenn jetzt nur Beispielseiten im Netz und das hat mit dem Trottwar nicht viel gemeinsam. Das Streetmag will “keine weitere typische Obdachlosenzeitung sein”, wie es unter About steht.┬áMan versteht sich als “Kunst-Kultur-Szene-Magazin” und “dient als Plattform f├╝r K├╝nstler aller Genres sowie als ├Âffentliches und freies “Sprachrohr der Stra├če”. Jeder talentierte oder bereits etablierte K├╝nstler, Autor, Fotograf, Illustrator etc. kann seinen Beitrag per Email einreichen und damit den Magazininhalt mitgestalten.”

Babamm. Wahrscheinlich zu viel des Guten. Und dann gibt es noch Regeln. Die Stuttgarter Ordnungsamt hat den f├╝r diese Woche geplanten Start im Kessel nun unterbunden, wie die StZ heute berichtet. F├╝r das Stra├čenvertriebsmodell ben├Âtigt man n├Ąmlich eine Genehmigung, wei├č auch der Trottwar-Chef. Sogar wenn man Zeitungen auf der Stra├če verschenkt, kann man ├ärger kriegen, sagt Bernd Eichenauer vom Ordnungsamt der StZ. Da haben wir damals beim Heftles verteilen richtig Gl├╝ck gehabt, wenn wir das eine oder andere Mag interessierten Passanten in die Hand dr├╝ckten. “Stuttgart ist eben nicht Berlin”, so der Ordnungsh├╝ter in dem Artikel. Jawohl. Der Erscheinungstermin wurde erst mal verschoben.

Ob das Streetmag ├╝berhaupt jemals in Stuttgart auf den Markt kommt bleibt fraglich. Trottwar hat eine Ausnahmegenehmigung, die Verk├Ąufer tragen entsprechende Unterlagen mit sich. “In ihnen ist punktgenau festgeschrieben, wo verkauft werden darf.” ┬áKlingt dann doch alles sehr ├╝berb├╝rokratisch und sehr kompliziert, gerade wenn einigen Leuten auf die Art etwas geholfen werden k├Ânnte.

Die Streetmag Chefin hat dem Trottwar Boss auch schon eine Vertriebskoop vorgeschlagen, bloss der fand das “Konzept nicht schl├╝ssig”, au├čerdem ist eben das Vertriebsmodell ein anderes und Hempel f├╝rchten wohl, dass ihm die Verk├Ąufer abspringen. Beim Trottwar m├╝ssen die n├Ąmlich die H├Ąlfte abgeben, beim Streetmag d├╝rfen sie wie erw├Ąhnt die Einnahmen behalten.

Zum StZ-Artikel  

www.street-mag.de

14 Comments

  • marius sagt:

    Was f├╝r ein Armutszeugnis … Unfassbar, dass man sich als Stadt so verhalten kann und auch noch Stolz auf seine Paragraphenh├Ârigkeit ist.

  • TG sagt:

    naja, das Streetmag w├Ąre das Ende des Trottwars, das nicht nur aus schlechtem Material gemacht ist, sondern auch nicht einen wirklich guten Artikel enthielt, seit wir ein Abo im B├╝ro haben. Schon klar, dass die ihr Revier verteidigen.

  • Thorsten W. sagt:

    Naja, ich wei├č nicht, gut gemeint ist halt auch nur das Gegenteil von gut.

    Und was bringt es, wenn das Streetmag den Trottwar verdr├Ąngen w├╝rde? Dort arbeiten immerhin (ehemalige) Obdachlose nicht nur als Verk├Ąufer, sondern auch in der Redaktion und in anderen Funktionen.

  • martin sagt:

    ich wei├č nicht ob ein weiteres stra├česmagazin den trottwar verdr├Ąngen w├╝rde. glaubs ehrlich gesagt nicht. sondern das streetmag m├╝sste sich erst mal beweisen. warum sollen die leute auf einmal nicht mehr trottwar lesen und zum streetmag mit einem komplett anderen inhalt ├╝bergehen? eher erschlie├čt letzteres doch eine andere, neue zielgruppe. die frage ist f├╝r mich eher ob gen├╝gend leute bereit w├Ąren die empfohlenen 1,50 zu zahlen oder sich halt schnell das “gratis-heftle” einstecken.

  • Thorsten W. sagt:

    Wieso Gratis-Heftle, kosten doch beide Geld, Streetmag 1,50, Trott-War 1,70?!

  • martin sagt:

    oh alter geliebter bloggerfreund, les doch mal oben ­čśë

    empfohlen werden 1,50. das heft ist zun├Ąchst gratis. der k├Ąufer kann aber auch 10 euro daf├╝r hinlegen wenn er mag.

  • Thorsten W. sagt:

    Ach so, ich hab verstanden der Verk├Ąufer kann den Preis selber bestimmen. Dann ist das System ja noch fragw├╝rdiger, weil es wirklich viele Leute gibt, die das Heft so mitnehmen, und der Vek├Ąufer hat dann gar nix davon…

  • martin sagt:

    das mag wiederum schon sein – nur denke ich nicht, dass das dem trottwar schaden w├╝rde.

  • majde sagt:

    ein berliner magazin f├╝r stuttgart, endlich!

  • Mox sagt:

    !
    besser feuerseeeislaufen…
    mein erstes wort mit drei e

  • marija sagt:

    Lieber Martin,
    wir finden es super, dass du ├╝ber streetmag geschrieben hast. Noch besser h├Ątten wir es gefunden, wenn du uns vorher kurz mal ne Mail geschrieben h├Ąttest, dann h├Ątten wir deine Fragen gleich im Vorfeld beantworten k├Ânnen, aber nich schlimm, dann machen wir es eben ├╝ber den (versp├Ąteten) Umweg ,-)

    streetmag ist kein Gratisheft f├╝r die Leser, sondern gratis f├╝r die Verk├Ąufer. Das bedeutet, dass die obdach- und mittellosen Verk├Ąufer den kompletten Verkaufserl├Âs behalten d├╝rfen und uns nichts davon abgeben m├╝ssen. Die Leser erhalten streetmag ausschlie├člich ├╝ber die Stra├čenverk├Ąufer, von daher h├Ątten sie gar nicht die M├Âglichkeit das Heft irgendwoher gratis zu bekommen.

    Trottwar ist eine super Einrichtung und bietet den Menschen viel mehr als nur eine Zeitung, die sie verkaufen k├Ânnen. Es w├Ąre nat├╝rlich absolut kontraproduktiv und bescheuert mit streetmag eine seit so vielen Jahren etablierte Institution wie Trottwar zu verdr├Ąngen, was aber, wie du vollkommen richtig gesagt hast, ohnehin niemals der Fall w├Ąre, weil die beiden Zeitungen zwei vollkommen verschiedene Zielgruppen ansprechen und komplett unterschiedlich aufgebaut sind.

    Das Ziel von streetmag ist nicht die x-te Obdachlosenzeitung herauszugeben, sondern eine im Stra├čenzeitungssegment vorhandene L├╝cke zu schlie├čen. Es geht zum einen darum junge Menschen, die sonst nie Stra├čenzeitungen kaufen, zu erreichen und f├╝r die Themen Obdachlosigkeit und Armut zu sensibilisieren und zum anderen, den Menschen die noch nie Stra├čenzeitungen verkauft haben, die M├Âglichkeit zu geben einfach und unkompliziert an Stra├čenzeitungen zu gelangen. Die meisten Stra├čenzeitungen sind f├╝r Menschen ausgerichtet, die bereits einen Resozialisierungswillen mitbringen und wieder Teil der Gesellschaft werden wollen. Das ist super. Aber es gibt leider auch sehr viele Menschen, die nicht die Kraft haben, diesen Schritt zu gehen aber eben auch ein paar Euro zum ├ťberleben brauchen. F├╝r diese Menschen bietet streetmag eine gute Alternative zum Betteln. So zumindest in Berlin.

    Was den Inhalt von streetmag betrifft: Neben den redaktionellen Themen, liegt unser Fokus vor allem darauf, jedem talentierten Autoren, Maler, Fotografen, Illustratoren oder K├╝nstler jeglichen Genres eine Plattform zu bieten. Wir unterscheiden dabei nicht zwischen gesellschaftlicher Situierung, Bekanntheitsgrad oder sonstiger Klassifizierungen. Ob obdachlos oder nicht ÔÇô bei uns wird jeder gleichberechtigt und erh├Ąlt gleicherma├čen die M├Âglichkeit, seine k├╝nstlerische Arbeit einem gro├čen Publikum zeigen zu k├Ânnen oder auf soziale, politische oder gesellschaftskritische Themen aufmerksam machen zu k├Ânnen. Wir versuchen damit zur Gleichheit und Toleranz aufzurufen und keine Trennung zwischen obdachlosen und nichtobdachlosen Menschen zu machen.

    In Berlin existieren 3 Stra├čenzeitungen parallel neben einander. Jede Zeitung hat seine eigenen K├Ąufer und Verk├Ąufer, somit wird letztlich dreimal so viel erreicht.

    Wir h├Ątten uns sehr gefreut, wenn das auch in Stuttgart der Fall gewesen w├Ąre aber das funktioniert leider nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt haben;-) Die Beh├Ârden sind allerdings sehr nett und kooperativ und letztlich muss man sich dem b├╝rokratischen und langwierigen Weg f├╝gen und hoffen, dass irgendwann mal die bisherigen Regelungen neu ├╝berdacht werden und an das aktuelle Zeitgeschehen angepasst werden.
    Wir konzentrieren uns einfach weiter auf unsere Arbeit und zeigen, dass eine Vielfalt im Stra├čenzeitungsmarkt durchaus sinnvoll sein kann und hoffen, dass das Berliner Beispiel vielleicht irgendwann mal auch in anderen St├Ądten Akzeptanz findet.

    Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben ,-)

    Viele Gr├╝├če von der streetmag-Redaktion
    Marija

  • martin sagt:

    hello marija und danke f├╝r dein ausf├╝hrliches statement. und vielleicht klappt es ja doch noch irgendwann in stgt mit dem streetmag.

  • marija sagt:

    danke, ja wir schauen einfach.. ,-)

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