Alptraum 98

Boah, gestern Nacht hatte ich einen echt üblen Traum. Es war einer von der realistischen Sorte, wo man wirklich denkt alles ist echt, und der sich über einen wirklich langen Zeitraum zieht.

Auf jeden Fall steh ich im Oz, oder nö, alles so chic hier, es muss schon der P-Club sein. Und Phil Fuldner legt auf. Es muss so um 1998 rum sein, weil die Musik ist eindeutig aus der Zeit: Too long vom zweiten Daft Punk-Album, Tiga, Flat Beat, From Disco to Disco, Discohits im Filter-Remix und auch ansonsten ganz viele schlimme Trommelwirbel, üble Filtereffekte und ohrenzermalmende Bässe. Ich denk mir noch, verdammt, war die Musik damals wirklich so grottenschlecht? Und warum bin ich bei ner Party wo Phil Fuldner auflegt?

Aber auch sonst passt alles in die Zeit, ein Mädel mit Hemd um die Hüfte gebunden und ein Typ mit Leuchtstäben tanzen auf der Box, auf der anderen Seite tänzeln eher weniger als mehr attraktive weibliche Go-Go-Dancer (gibt’s heute zum Glück nicht mehr, denk ich mir), auf der proppenvollen Tanzfläche drücken sich Poser mit weißem Hemd und schwarzem Jackett oder Diesel-T-Shirt rum, daneben Reutlinger Blondinen, die mit Duckface im Kreis tanzen.

Und die üblichen Verdächtigen von damals laufen rum, Carlos von der Radio-Bar, Yusuf vom Dilayla, Maike… und Schowi und Passion. “Wir legen gleich auf” meint Schowi mit einem leichten Anflug von Panik in den Augen, was mir dann aber doch bissle spanisch vorkommt, weil der legt doch HipHop auf, was macht der im P-Club bei Phil Fuldner?

Plötzlich kommen mir dann noch mehr Sachen spanisch vor. Wenn 1998 ist, warum hab ich dann nen Kessel und ein iPhone in der Tasche? Damals hab ich doch T-Shirts in S getragen und Nokia war der heiße Scheiß? Und warum verdammt noch mal steht Tobsen neben mir? Der war damals doch noch in der Grundschule? Und warum legt Phil Fuldner mit zwei iPads auf? Und seit wann gibt es Red Bull auch in Limette oder Cranberry? Hä?

Das ist dann die Phase, in der man merkt, dass das alles doch nicht real ist, sondern ein Traum, und wenn es soweit ist, dann kann man das oft sogar selber steuern und zu sich selbst im Traum sagen, Mensch, ey, das ist ein Traum, wach doch mal auf.

Es hat funktioniert, ich hab die Augen aufgemacht und bin zu Tode erschrocken: Ich lag nicht in meinem Bett, sondern ich stand im aer Club. Das alles war real! Herrgottsackzement, das gibt’s doch nicht! Und auf einen Schlag war alles wieder da: Tobsen hatte mich mit in den aer Club zur Red Bull-Party anlässlich der Intergastra genommen.

Und – was keiner der Umstehenden auch nur ansatzweise verstanden hat – da oben stand wirklich Phil Fuldner, und er hat wirklich die schlimmste Musik aufgelegt, die ich seit langem gehört habe. Dafür hat er beim Auflegen Champagner getrunken und sich ordentlich im Pate-Style feiern lassen.

Wir haben es dann verhältnismäßig lange ausgehalten, vor allem in der Hoffnung, dass Schowi und Passion endlich übernehmen, aber gegen halb 1 haben wir das Handtuch geworfen. Beim nächsten Alptraum: könnte mich bitte jemand früher kneifen? Danke.

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