Schreie an der Uni

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=unKmTKE15GE[/youtube]

Wie nennt man dieses Genre? Mystery-Thriller? Mystery-Krimi? Zugegeben, nicht ganz mein Gebiet, bin mir nicht ganz sicher ob ich mir “Schreie der Vergessenen” heute Abend, 20:15 Uhr auf ProSieben antue, obwohl der Film an der Uni Stuttgart gedreht wurde, worauf uns Leserin Daniela hinwies. So ein Filmaka-Lubu-Ding, unter anderem mit Stunts von Ferdinand Fischer – wenn ich jetzt noch wĂŒsste wo ich das gelesen habe – berĂŒhmt geworden dank seinem Riesensatz von so einem kleinen HĂŒgel in Bayern. 

Klappentext und mehr Infos auf der nĂ€chsten Seite, Quelle Tittelbach.tv, “der Fernsehfilm-Beobachter”. Never heard before, keine Ahnung wie renommiert oder nicht die sind. Finden den Streifen scheinbar ganz gut.

“Schreie der Vergessenen”, ProSieben, 20:15 Uhr

Seltene Vorkommnisse an der Stuttgarter Uni. Massive Glasfronten bekommen tausende von Rissen, ein Hakenkreuz zeichnet sich im Zentrum ab. Dann zerspringen sĂ€mtliche Fenster, sie zersplittern in einem gigantischen Glasregen. Eine Augenzeugin steht unter Schock. Kommissar Bernau wird zurĂŒckgepfiffen. „Es gibt keinen Fall. Ansage von oben“, teilt ihm sein Chef mit und schickt den Jungbullen in den Urlaub.

Der ermittelt auf eigene Faust weiter und gerĂ€t dabei an das Forschungsprojekt einer Gruppe von Parapsychologen. Anfangs belĂ€chelt er die Untersuchung so genannter „IdentitĂ€ten“ – bis er mittendrin steckt in seinem „Erstkontakt“ mit einer ĂŒbernatĂŒrlichen Erscheinung. Ein kleines MĂ€dchen gibt sich ihm zu erkennen. Es zeigt mit dem Finger auf Bernau, greift in ihn hinein und holt VerdrĂ€ngtes aus seinem Unterbewussten, eine tragische Geschichte aus seiner Kindheit.

Auch Marion hat sich dem Parapsychologie-Professor Angerer angeschlossen, weil sie in Kontakt mit ihrer Mutter treten möchte, die einst Selbstmord begangen hat. Zu dritt entrĂ€tseln sie das Geheimnis um den „Anschlag“. Sie stoßen auf einen Ă€hnlichen Fall von 1998, an derselben Medizinischen FakultĂ€t. Der SchlĂŒssel zu den seltsamen Ereignissen scheint eine ehemalige Ärztin zu sein, die offenbar beteiligt war an grausamen Zwillingsexperimenten im Dritten Reich.

Die Story ist krude, der Genre-Mix gewagt. Man muss sich einlassen wollen auf diesen bizarren Versuch, Mystery und Krimi mit Mengeles Zwillingsstudien thematisch aufzuladen. Das fĂ€llt umso leichter, je deutlicher sich drei positive Leitfiguren abzeichnen. Diese Reduktion der Charaktere, gepaart mit einer perfekten Besetzung, die Konzentration der Handlung auf EINE Frage macht aus der „verrĂŒckten“ Geschichte ein parapsychologisches Kammerspiel, das als deutsche TV-Produktion seines Gleichen sucht. Welcher Sender außer Pro Sieben wĂŒrde so etwas zur Prime-Time wagen?!

Auch wenn Vinzenz Kiefer gelegentlich sehr auf „Twilight“ geschminkt ist – diesen „kleinen“ Film von Lars Henning Jung („Höhere Gewalt“) darf man nicht an dem messen, was man fĂŒr das 50- bis 100fache Budget aus Hollywood kennt. „Schreie der Vergessenen“ ist ein TV-Experiment. Das Gute an diesem Film ist zunĂ€chst, dass nicht vornehmlich ein kommerzielles KalkĂŒl dieses Projekt geboren hat, sondern das Konzept, „junge Leute“ der Filmakademie Ludwigsburg einfach mal machen zu lassen.

Das Ergebnis kann sich tricktechnisch sehen lassen. Da wurde mit viel Phantasie und filmsprachlichem Geschick gearbeitet. Und wĂ€hrend einen die Figuren emotional mitnehmen auf die Reise in die Vergangenheit, gehen einen die mysteriösen „Action“-Szenen geradezu physisch an. Vorausgesetzt: man ist kein Mystery-Hardcore-Fan. (Text-Stand: 30.9.2011)

13 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.