Ohne Klingonen: der neue i-Punkt

Letzten Donnerstag einen recht bekannten Stuttgarter DJ und Produzenten, seit vielen Jahren in Berlin sesshaft, im Transit getroffen. Wollige WĂ€rme umhĂŒllte mich, als er mit mir das GesprĂ€ch suchte. Gut, wir waren, etwas stark abstrakt gedacht, zumindest eine Zeitlang fast eine Familie. War trotzdem voll stolz.

Der werte Herr mit Hut meinte, ach du, eigentlich ja, ge, also, Ă€hm, ja, seufz, hmmm… also es ist ja doch echt schön hier! Wem sagste das, nickte ich mit dem Kopf?! Ja weisste, immer wenn ich herkomme, da ist dieses GefĂŒhl, Stuttgart und so, schon toll. Tja, was soll ich jetzt sagen oder singen? Schön, dass du wieder da bist? Wir haben uns lange nicht gesehen? Weiß ich doch alles. Es wĂ€re halt schon sehr hektisch dort, resĂŒmierte er. Ich glaube, er kehrt bald zurĂŒck.

Ob er dann den i-Punkt besuchen muss, um sich wieder zu orientieren, glaube ich allerdings nicht. Gibt fĂŒr uns hier sowieso nicht allzu viele GrĂŒnde den i-Punkt zu besuchen. Außer man will vielleicht bisschen Heimatglumbatsch aka Souvenirs kaufen, meinetwegen fĂŒr die Verwandtschaft in den USA, auf Korcula oder die alten WeggefĂ€hrten in Frankfurt, Berlin oder Garmisch-Patenkirchen.

Oder natĂŒrlich Tickets und eine Kuckucksuhr.

Ich brauch keine Tickets und keine Kuckucksuhren und ich glaube ich war zuletzt vor ĂŒber 10 Jahren im i-Punkt. Ne Quatsch, fĂŒnf bis sechs Jahre vielleicht, als ich mit Vlado notfalls Sub Culture Hefte verteilen musste, weil die Verteiler alle krank oder kein Bock hatten. Arbeit an der Front kann auch Spass machen. Da war der i-Punkt ne dankbare Stelle, konnte man einfach kurz drei, vier Kartons hinklatschen. Ob die weggingen oder doch nur in der Papiertonne landeten, keine Ahnung. Ich weiß noch, dass sich die Leute dort immer total gefreut haben, wenn wir mit dem neuen Heft ankamen.

Der i-Punkt, sprich iiiii und nicht ei, wurde den Sommer ĂŒber umgebaut und Bernd meinte neulich, soll ich mir mal anschauen, wĂ€re “total geil, futuristisch, kommst dir vor wie auf der Enterprise …fehlen nur noch die Klingonen.” Bin kein Enterprise-Fan, Klingonen mag ich bis auf den Krupa auch nicht, aber ich dachte mir in Wochenblatt-Manier: Lass uns darĂŒber mal was bringen! (Hommage an einen Email-Verkehr mit dem Geiger).

Der renovierte Kasten hat soweit ich weiß 3 Milliarden Dollar gekostet, allein 2,5 Milliarden gingen fĂŒr Touchscreen-Informationstafeln drauf. Ansonsten haben Bernd und ich wahrscheinlich eine unterschiedliche Definition von “futuristisch”. Fand es okay, modern schick eben, bin jetzt nicht ausgerastet, aber passt.

Auf den Screens kann man sich allumfassend und auf mehreren Levels ĂŒber die Region informieren und fĂŒhlt sich dabei ein bisschen wie ein Wahlmoderator im Fernsehen. Aber nur so ein bisschen, man klickt mehr als man die Elemente zur Seite wischt, wie schon Tom Cruise seinerzeit in “Minority Report”. Hat mich ehrlich gesagt alles etwas ĂŒberfordert und auch nicht ganz gekickt, liegt aber sicherlich eher an der ErkĂ€ltung plus matschiger Birne, die mir DJ Cin, DJ Emilio, DJ Igor und D*Jan Neiro freundlicherweise in den letzten Tagen ĂŒberlassen haben.

Hab vor den Screens kurzerhand ziemlich das ErklÀltungsschwitzen angefangen vor, auf einmal war meine Stirn klatschnass, was mir recht peinlich war und bin dann schnell wieder raus. Die Mitarbeiter haben auch schon komisch geschaut. Zuvor noch diesen Almanach gekrallt, for free.

Bis auf das mittelmĂ€ssige Cover kein schlechtes Ding. Alles drin was man gerade so wissen muss oder wissen sollte, bisschen Abseits, bisschen TĂŒrmle, bisschen Museen, bisschen Schlösser und bisschen was ĂŒber schwĂ€bische TĂŒftler. Wusste erstens nicht, dass der BH in Stuttgart erfunden wurde, nĂ€mlich von einem Herren namens Sigmund Lindauer und zweitens, dass die Stadtmitte-Haltestelle eine der grĂ¶ĂŸten Schutzanlagen der Stadt ist (bietet Platz fĂŒr 4.500 Menschen). Falls mal doch die Klingonen kommen sollten.

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