KTV-Ausflugtipps: Abenteuerurlaub in Stuttgart

Die Urlaubszeit ist zwar offiziell vorbei, aber folgendes kann man auch mal zwischendurch unternehmen. Der Text ist bereits im aktuellen LIFT erschienen. 

Die Kalifornien Rundreise haben sie schon fünfmal mit Sternchen und Hoover-Damm absolviert, für die große Asien-Tour reichen die zwei Wochen Urlaub nicht, die man ihnen gnädig gewährt (Stichwort Aufschwung), und die Domrep ist weit unterhalb ihrer Kniekehlen? Dann probieren sie etwas ganz Neues: Die 24 Stunden Survival-Tour durch Stuttgart.

Großer Vorteil: Sie müssen kaum Vorbereitungen treffen. Ihr Outfit sollte ein Tag durchhalten und Geschmack mit Funktion verbinden. Empfehlenswert ist ein Brustbeutel für etwas Taschengeld und Kreditkarte, falls sie sich spontan bei Louis Vuitton in der Stiftstraße einen größeren Brustbeutel kaufen wollen. Aber bitte unter dem Shirt tragen! Um richtig abschalten zu können, lassen sie am besten ihre Handy-Gürteltasche inklusive Smartphone daheim.

Ausschlafen mit den Parkschützern

Für die Übernachtung benötigen sie keinen Cent. Legen sie sich einfach zu den Parkschützern in den Park, wählen sie eine Abdeckplane oder Zelt nach ihrem Geschmack und Einkommensklasse aus und ratzen in dem bunten Biotop endlich richtig ordentlich bis um 6:00 Uhr durch, bis sie von den ratternden U-Bahnen unter und dem hupendem Berufsverkehr neben ihnen geweckt werden. Den ersten Kaffee bekommen sie von ihren neuen Freunden. Geht immerhin um die Sache und nicht um Kaffee.

Erkunden sie Europa

Um gemütlich in Paris zu frühstücken, müssen sie Stuttgart überhaupt nicht verlassen, sondern nur das gerade entstehende Europaviertel hinter der BW-Bank besuchen. Wandern sie vom Park durch das Paralleluniversum Arnulf-Klett-Passage, das ist Disney Land und Tripsdrill in einem. Gönnen sie sich bei einer Schnellback-Kultur drei Brezel für 99 Cent, schnorren in dem besagten Geldinstitut etwas Butter bei einer attraktiven Bankerin und laden sie diese zum gemeinsamen Butterbrezel-Essen auf dem romantischen Pariser Platz ein.

Mit viel Phantasie sehen sie hinter dem Bauzaun nicht nur die neue Bibliothek, sondern auch Budapest und Mailand. Savoir Vivre! Knutschen sie die Bankerin ab und sagen ihr danach, dass ihr Herz doch nicht für sie schlägt. Immerhin haben sie Urlaub. Es geht nur nach ihnen.

Heißester Touri-Hotspot 2011: Die Gerber-Baustelle

Vergessen sie das Daimler-, Porsche- oder Kunstmuseum: Die Gerber-Baustelle ist der Touri-Magnet schlechthin in dieser Saison. Fahren sie vom Hauptbahnhof zum Österreichischen Platz (U5, 6, 7, 15 bis Charlottenplatz, umsteigen in die U1) und laufen vor bis zur Tübingerstraße.

Schauen betont fassungslos auf die Central Park große Baugrube zwischen Paulinenbrücke, Tübinger-, Sophien und Marienstraße. Setzen sie den Audioguide auf, der am Bauzaun hängt und Fragen beantwortet wie: Was kommt da hin? Ein Nutzungsmix aus Shopping, Büro und Wohnung. Ach so. Braucht man das? Sieht man dann, wenn es fertig ist. Ach so. Vorher war´s nicht schöner. Stimmt. Na ja.

Unterhaltung, Spiel und Spass in der Marienstraße

Nach dem Grubencheck und Staubsnack müssen sie die Tour auflockern. Die Marienstraße ist dafür bestens geeignet. Eine Bong im Udopea? Spielzeug im Beate Uhse? Trendige Turnschuhe in einem Fachgeschäft oder einen Kebab-, Pizza, Asia oder Burger-Snack? Notfalls können sie in einem der 20 Internetcafés endlich ihre Emails checken. Posten sie auf Facebook ein Bild von den Malediven: „Geile Großwetterlage hier, ihr Büroseggl!“

Rolltreppenfahren im Königsbau

Jetzt Action! Laufen sie die Königstraße hinunter bis zum Stilwerk, auch bekannt als Königsbaupassagen. Fahren sie dort solange die Rolltreppen rauf und runter bis sie die Verantwortlichen der schwachsinnigsten Rolltreppen-Planung der Welt mit der neuen CD von Andrea Berg foltern möchten oder sie einem der oberen Designermöbelläden aufgrund des penetranten Hotalo-Gestanks vor den Eingang speien.

Gratulieren sie den Hotalo-Mitarbeitern, dass sie Menschenschlangen wie zu Zeiten des Real Existierenden Sozialismus generieren. Nachdem sie selbst einen Pappbecher verhaftet haben, wissen sie immer noch nicht warum.

Cocktail-Time im El Chico

Speien sie gleich nochmals oder spülen das hochwertige Asia-Food mit einem Jumbo Tequila Sunrise im El Chico in der Bolzstraße herunter. Nahtloser Übergang ins Frühabendprogramm, die Fiesta kann beginnen. Lassen sie sich noch einen Jumbo Pina Colada in ihren Hotalo-Pappbecher abfüllen und springen in der Haltestelle Kepler-Straße in die U-Bahn und steigen am Berliner Platz schon wieder aus.

Abenteuer Vorglühen am Berliner Platz

Entweder sie bekommen sofort die Fresse poliert oder schließen jede Menge neue Urlaubsbekanntschaften. Seit M1-Zeiten ist der Berliner Platz eine rechtsfreie Vorglüh-Zone und Ausgehtreff für Kids aus verschiedenen Szenen (Emos, Indies, Kleingangster). Der Stärkere überlebt und manchmal schaut sogar die Polizei vorbei.

Abendessen und austreten im Brunnenwirt

Nach so viel Nervenkitzel brauchen sie eine fettige Currywurst, ein Herrengedeck und pinkeln müssten sie ebenfalls längst, also auf zum Brunnenwirt. Nehmen sie die U4 oder U9 bis zum Rathaus und gehen durch Unterführung in die Altstadt. Achtung: Für den Urlaubsfick ist in diesem Ressort ein Unkostenbeitrag zu entrichten! Checken sie bei Interesse die Reserven in ihrem Brustbeutel oder genießen gleich die angeblich beste Currywurst im Kessel. Anschließen ausschütteln an einer der letzten Pissrinnen der Stadt. Stuttgarter Legende: Da lag vor langer Zeit eine Leiche drin.

Saunieren im Transit

Was wäre ein Urlaubstag ohne Wellness? Der Spa Transit bietet die patentierte Ellenbogenmassage an. Aufgegossen wird mit dem seltenen schwarzen Sambucca. Wenn sie Glück haben, wedelt ein DJ mit dem Handtuch. Stellen sie sich vor ihm hin, nehmen die Arme nach oben und lassen abschlagen. Im Hans im Glück Brunnen können sie anschließend baden und sich frisch machen.

Das große Finale: Sex

Was wäre ein gelungener Urlaubstag ohne Geschlechtsverkehr? Den bekommt man mit großer Wahrscheinlichkeit frühmorgens im frisch renovierten Dilayla, eine der Abschlepprampen der Stadt. Erzählen sie ihrem Zielobjekt von ihrem aufregenden Trip und dass sie schon morgens in Paris wussten, dass abends noch die Richtige kommen wird. Und wenn sie danach immer noch fit sind und ihnen der Tag höllisch Spass gemacht hat: Die Parkschützer sind bestimmt noch oder schon wieder wach.

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