Gehirnwaschstraße

Mein Freund Uli ist verrückt. Ein Künstler. Mag ihn trotzdem. Er hat an der Merz Akademie studiert. Dort kann man nicht nur ultrafette Partys feiern, nein, einige meiner liebsten Gestaltungschecker haben an der Merz studiert, zum Beispiel Discoghost Manu Bürger oder das rattenstarke Dimak-Duo, das unter anderem den letzten Lift-Relaunch verantwortet und erst kürzlich ein wunderschönes Kind in die Welt gesetzt hat, Glückwunsch auch an dieser Stelle noch einmal nachträglich.

Sorry fürs Abschweifen: Uli mag ich wie gesagt trotzdem, obwohl er Künstler ist. Für sein Diplom an der Merz ist er in die Rolle des Top-Pop-Stars Lars Vegas geschlüpft, hat bei mehreren Banken um einen Kredit für seine Welttournee gebeten, die Kreditgespräche mitgeschnitten, die halbe Stadt mit seinen Tourplakaten zugekleistert, und die Diplompräsentation war schließlich das Abschlusskonzert der Welttournee, allerdings nicht in der Schleyerhalle, sondern in der Galerie Oberwelt.

Dort ließ er erstmal seinen Prüfer, den sympathischen Poptheoretiker Friedrich Friedrichsen, sorry Diedrich Diederichsen, eine halbe Stunde warten. Rockstars müssen halt zu spät kommen. Diederichsen war schon auf 180, als Lars Uli Vegas schließlich in der weißen Stretch-Limo eintraf. Hatte seinen halben Freundeskreis dazu verpflichtet, als Groupies anzutanzen.

Als Star hat er dann auch nicht selbst mit seinem Prüfer gesprochen, das hat er seinen Pressesprecher machen lassen. Diederichsen wollte das Diplom draufhin platzen lassen, irgendwie hat es dann aber noch noch hingehauen, der spaßbefreite Superintellektuelle aus Berlin, der von Stuttgart nur das Dozenten-Zimmer der Merz AK kennt, hat Uli dann gerade so bestehen lassen.

Die weitere Karriere von Uli ist gespickt von Highlights. Er hat das Austruckstanzteam Stuttgart gegründet (war auch Mitglied, hab aber leider meinen Ausweis verschlampt), im Rocker die wunderbare Veranstaltung „180 bei Nässe“ (ultra Titel, hätte ich selber gerne erfunden) gehostet, die Deadly Moshämmers gegründet, ein One-Hit-Punk-Wonder („Daisy“) und verlegt mittlerweile im von ihm gewuppten Verlag Edition Randgruppe Bücher, zum Beispiel das hübsche Bahnhofsbüchle vom Schelhorn Lutz, das hier im Blog auch schon Thema war.

Seit kurzem hat er sein Atelier in der alten Waschstraße von Daimler in der Türlenstraße 2, in der wir beim Kessel-Jubiläum die Maik-Franz-Lounge verbrochen haben. Am Wochenende macht Uli in seinem Atelier nun eine Werkschau aller Projekte, Bücher, Ausstellungen und Hirnfürze, die er jemals hatte. Ich verstehe den Flyer zwar nicht, lustig wird es aber auf jeden Fall.

Wenn ich es richtig kapiert habe, gibt es unter anderem einen Schießstand, an dem man sich ein Gemälde ballern kann. Mit einem Gewehr, das mit Farbe gefüllt ist. Oder so. Und mein Vorbild Aurele Mechler grillt als Protestpenis verkleidet Würstchen und Bauch. Wer sich nicht alleine oder nicht nüchtern hintraut: Ich bin auch da, halte Händchen, spiele Zivi und schenke Schnaps aus.

Wer den kompletten Text der Flyer-Rückseite liest, bekommt einen Schnaps von mir spendiert.

20 Comments

  • martin sagt:

    haha, das ist witzig mit dem lars vegas. hab das für ihn auch damals ins sub culture reingemacht und er hat mir sogar ein glitzer shirt geschickt. wusste aber nicht mehr dass das uli ist.

  • Hans Wurst sagt:

    “Die Merz Akademie ist eine Einrichtung für Rich Kids, die erfolgreich ihren Waldorf-Abschluss gefeiert haben, und mit dem Alter Amphetamin spannender als Eurythmie finden. Glaub ich zumindest. Sagt man zumindest. Scheiß Vorurteile.”

    geschmacklos. irgendwie nicht lustig. aber irgendwas muss man ja schreiben.

  • TG sagt:

    ich glaube, für den Ruf sind eher die unfähigen, unkreativen GrafikerInnen verantwortlich, die die MerzAk ab und zu mit durchschleußt – die bilden nicht die Mehrzahl, kommen aber irgendwie in Agenturen unter – zumindest zeitweise.

  • Achtung, nicht unbedingt ernst gemeint (muss man hier inzwischen wohl vorab klarstellen):
    Ist der Veranstaltungsort absichtlich so nahe am Bürgerhospital gewählt? 😉

    Klingt ja schon interessant, hab’ auch die Rückseite geschafft. Könnte mit einem gewissen Promille-Level abgefahren bis lustig werden.

  • neongrau sagt:

    Sauber http://www.hool-tours.de/ ist auch mit dabei =)

  • se sagt:

    @Hans Wurst: ganz im gegenteil, ich fand die von dir zitierte zusammenfassung sehr witzig und null geschmacklos! 😀

  • Thorsten W. sagt:

    Ich glaube manchmal wird auch die Merzschule mit der Merzakademie verwechselt. Die meisten Absolventen der Aka, die ich kenne – und das sind einige – können definitiv was. Von der Merzschule kann ich weder das eine noch das andere behaupten 🙂

  • vanDamme sagt:

    Aussie, hinter vorgehaltener Hand wurde die Merz-Akademie zwar auch oft Scherz-Akademie genannt, weil das Studium definitiv nicht zu den härtesten der Republik zählt! Aber Nulpen waren da sicher nicht drauf – jedenfalls nicht ausschließlich und nicht mehr, als in anderen Studiengängen auch!
    Und sorry, zumindest die Parties waren legendär – sagten sogar die Kunstakademie-Absolventen 😉 !

  • martin sagt:

    die partys waren wirklich legendär. ohjemine.

  • Thorsten W. sagt:

    Die Merzaka-Partys sind aus eigener Erfahrung die einzigen Studipartys, bei denen man auch als DJ problemlos zusagen kann 🙂

  • vanDamme sagt:

    … auch wenn gegen Ende oftmals der Ghettoblaster herhalten musste, weil die Polizei mal wieder Anlage samt Boxen und Verstärker konfisziert hatte.
    Haha, ich erinnere mich an Feten, als keiner auf die Toilette konnte, weil sich in den Kabinen recht frivole Szenen abgespielt hatten, wenn sie nicht sowieso mal wieder knöcheltief übergelaufen waren. Das Aufräumen danach war jedenfalls definitiv das Härteste am Studium!

    Hach, früher halt …

  • martin sagt:

    ich erinnere mich an partys, wo meine kumpels mit einer suppenkelle durch den ganzen laden gerannt sind und wir fast eine toilettentüre aufbrechen mussten um einen anderen zu retten, dass ich drei besoffene freunde heimgefahren hab und an der benachbarten tanke den müll ausgeleert habe um eine kotztüte im auto zu haben…

  • Aussenreporter sagt:

    Van Damme, du hast völlig recht, ich kenne außer Uli noch ganz viele andere Merz-Absolventen, die unfassbar viel können, Manu Bürger, Dennis Knopf etc. Das war ganz billige Provokation in der Hoffnung, dass mir Aurele, der auch Merz-Absolvent ist, morgen als Protestpenis ein paar Schellen reinhaut.

  • Aussenreporter sagt:

    Ach so, Van Damme, wenn du und Julie auch auf der Merz waren, streich ich den Diss noch offiziell aus dem Artikel raus!

  • vanDamme sagt:

    Nee, lieber Aussie > 2 L8, den Fehdehandschuh hab ich bereits aufgehoben 😉

    @martin: gute Geschichte, die Merz-Toiletten waren echt immer Dreh- und Angelpunkt jeder Fete!

  • Van Damme, wieso too late, welcher Fehdehandschuh, ich versteh die ganze Diskussion hier mittlerweile gar nicht mehr. Bis bald!

  • Hans Wurst sagt:

    @Aussenreporter: danke.

  • martin sagt:

    er meint damit, jetzt hast du den streit schon angefangen, kann man nicht mehr rückgängig machen und ihr trefft euch heute abend zum pistolenduell auf dem aldi parkplatz am westbahnhof bei einbruch der dunkelheit, codewort “die suppenkellen sind an der merz aka am schönsten.”

    danach hat jeder hat einen schuss. der verlierer muss am samstag bei der rollerausfahrt nebenher joggen bis nach reutlingen und danach verschwitzt in der färberei tanzen. soweit es die noch geben sollte.

  • vanDamme sagt:

    Aussie > Spässle, ist doch klar, war doch nur wegen dem (berechtigten) Merz-Diss, das war ne Steilvorlage! Alles gut, alles easy! Mach mer aus dem Handschuh ein bis fünf Schnäppsle? Bis bald!

    @martin: ich könnt 2-Takt-Gemisch heulen. Bin am Samstag auf dem Weg zu ner Messe nach Hannover und kann net mitrollern!! SHAME und das auch noch bei sonniger XXL-Ausfahrt in der gemütlichen 50er Truppe! Müssen wir also anderweitig klären.

  • @ Wohni, hab das mit Van Damme schon geklärt, wir machen das ohne Knarren und verdreschen uns stattdessen mit Suppenkellen, die mit Schnäpsen gefüllt sind.

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