Cliff ’em All

Cliff Burton

Einmal Metaller, immer Metaller. Das ist wie der Junge, den man aus dem Dorf rausbekommt, aber das Dorf nicht aus dem Jungen. Alte Lebensweisheit, wenn’s mal wieder hart auf zart kommt.  Gestern habe ich in die neue Metallica Platte reingehört: “Lulu”. Der Titel alleine klingt schon nach Toilette. Ist aber im Studio entstanden zusammen mit Lou Reed. So eine Art Rockoper – nur halt  ohne die dicke Frau, die erst zu singen aufhören muss, bevor das Ding zu Ende ist. Das erledigen James Hetfield und eben Lou Reed.

Im Facebook um die Ecke wird dem Oevre schon investigativ auf den Grund gegangen: “?” tippt einer. Viel weiter bin ich auch noch nicht. Eventuell noch: “?!?!?!”. Gerade als ich lospoltern wollte, dass Früher halt alles früher war, fiel’s mir wieder ein: “Na und?”.

Ich trage jede Menge Wertschätzung und auch etwas Liebe für Metallica in mir. Denn sie haben mir Dorftrottel das Leben als Teenager erleichtert. Bedankt habe ich mich oft genug dafür. Getrennt haben wir uns schon vor langer Zeit, ab und an sehen wir uns und ich frage Metallica “Und? Wie läuft’s? Ist das Leben gut zu euch?”. Vor ein paar Jahren haben wir uns das letzte Mal zum Schorle getroffen. Fummeln war aber nicht mehr. Auseinandergelebt. Hab’ sie trotzdem verträumt angeschaut und ab und an “Yeah! Fuckin’ Seek and Destroyahh” gebrüllt.

Ich musste vielmehr daran denken, dass ich heute vor 25 Jahren ein ganz anderes Problem hatte. Der Schulweg war gepflastert mit der Meldung, “Cliff Burton von Metallica ist tot”. Keine Ahnung wie die Leute das so schnell wissen konnten ohne Tobsen, Twitter und Myspacebook. Boris Becker war damals auch noch nicht auf Twitter und MTV hatten noch nicht so gerne über Bands wie Metallica berichtet. Lärm, Krach, Assi.

Damals kam alles mit Zeitverschiebung von mindestens einem Tag an. Deswegen wussten wir erst am 28.9.86, was am 27.9. die miese Meldung war. Aber Cliff Burton, der kauzige Metallica Bassist war tatsächlich tot.

Der Tourbus ist in Schweden ins Schleudern gekommen und umgefallen. Er fiel auf Cliff Burton, der zuvor durchs Fenster gekracht war. DAS war für uns der Rock’n’Roll-Tod.

Das Konzert in der Böblinger Sporthalle musste natürlich abgesagt werden. Hätte aber eh nicht hingedurft. Was aber viel schlimmer war: Der Mann, der Bass spielte wie einer, der eigentlich Gitarrist sein möchte, war nicht mehr. Der Mann, der uns durch das ständige Tragen cooler Shirts ebensolche Bands und Horrorfilme schmackhaft machte, war tot. Der Mann, der Schlaghosen tragen konnte wie kein anderer, war gestorben. Der Kerl, der Metallica den Punk gab, war  tot. Äh, um’s abzukürzen: Der Sack, der die Peinlichkeiten dieser Band absorbierte war nicht mehr da. Cliff Burton war eine Ikone schon bevor er starb. Er war 24 Jahre alt und deswegen gebe ich eine Runde Klopapier auf den “Club 27” aus.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=7KpxOmksHrY[/youtube]

Als wir mit unserer kleinen Popgruppe end of green das erste Mal in einem richtigen Tourbus unterwegs waren hatte ich eine Angst: Schleudern und dabei durchs Fenster zu krachen. Ich war nicht alleine, glaube ich. Wir haben den Gedanken weggetrunken. “Anesthesia”, so zu sagen. Wenn ich zum Zahnarzt muss, denke ich noch heute an “Anesthesia (Pulling Teeth)” sein Basssolo von der Kill ’em All-Platte.

Bleib cool, Cliff. Wir versuchen’s auch.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=B_HmN4cHkvk[/youtube]

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