Bürgerumfrage 2011

Kleiner Nachtrag zur letzten Woche: Schon am vergangenen Freitag verschickte die Stadt die Ergebnisse der Bürgerumfrage 2011 und keine große Überraschung, 85 Prozent leben gerne in Stuttgart.

Nach dem Zufallsprinzip sind 8600 Einwohner (ab 18, Hauptwohnsitz Stuttgart) ausgewählt worden, circa 4300 Befragte beteiligten sich, die beste Teilnahmenquote bislang in der Geschichte der Bürgerumfrage.

Wie schon 2009 empfinden die Befragten als größtes Problem die zu hohen Mieten.

Auf Platz 2 und 3 zu wenig Parkplätze und zu viel Straßenverkehr. Hmm. Wir wollen alle einen Parkplatz für unser Auto aber weniger Verkehr. Jut.

Alle Tabellen zum Download gibt es hier: LHS-PK Tabellen Bürgerumfrage-1609

Auf der nächsten Seite die Pressemitteilung der Stadt.

Ergebnisse der Bürgerumfrage 2011 zur Lebensqualität:

85 Prozent der Stuttgarter leben gerne in ihrer Stadt

„Auch bei der diesjährigen Bürgerumfrage bestätigte sich, dass die Stuttgarter ausgesprochen gerne in dieser Stadt leben und ihre Lebensqualität in hohem Maße schätzen“, so Bürgermeister Dr. Martin Schairer. Zusammen mit dem Leiter des Statistischen Amts, Thomas Schwarz, hat er die Ergebnisse der neunten Stuttgarter Bürgerumfrage zum Thema Lebensqualität am Freitag, 16. September, vorgestellt.

Bisher beste Beteiligung

Das Statistische Amt führt seit 1995 im Zwei-Jahres-Rhythmus Bürgerumfragen — jeweils im Zeitraum von April bis Juni – durch. 8600 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Einwohner, die mindestens 18 Jahre alt und mit Hauptwohnung in Stuttgart gemeldet sind, wurden in diesem Jahr ausgewählt. Rund 4300 Befragte beteiligten sich, was einer Teilnahmequote von 50 Prozent entspricht. Das ist die bislang beste Beteiligung an einer Bürgerumfrage in Stuttgart (Tabelle 1).

Schairer bedankte sich bei den Bürgern für ihre rege Teilnahme: „Es ist sehr erfreulich, in welchem Maße sich die Stuttgarterinnen und Stuttgarter an dieser Bürgerumfrage beteiligten. Die Umfrage des Statistischen Amts liefert der Politik und Verwaltung ein fundiertes repräsentatives Meinungsbild zur Lebensqualität in der Stadt. Für den Bürger selbst ist die Befragung aber auch eine ganz hervorragende Möglichkeit der Beteiligung am kommunalpolitischen Geschehen.“

Verbesserungen bei Sicherheit, Integration und Umwelt

„Die Beurteilung der Lebensqualität in Stuttgart durch die repräsentativ ausgewählten Bürgerinnen und Bürger lässt alles in allem eine gleichbleibend hohe Zufriedenheit mit dem Leben in Stuttgart erkennen“, sagte Schairer.

Dabei haben die Befragten die einzelnen Themen in sehr differenzierter Weise bewertet. „Besonders erfreulich ist, dass die Bürger in einigen Bereichen der Daseinsvorsorge, denen die Verwaltungsspitze und der Gemeinderat eine hohe Priorität beimessen, tatsächlich zum Teil deutliche Verbesserungen wahrgenommen haben.“ Dazu gehören die „öffentliche Sicherheit“, die „Integration ausländischer Mitbürger“ und Umweltthemen. Auf der anderen Seite sind Themen wie das Wohnungsangebot, die Sauberkeit von Straßen und Grünanlagen oder die Versorgung mit Kindertagesstätten als wichtiger eingestuft geworden.

Auch die Frage nach den Haushaltsprioritäten der Befragten hat für den Bürgermeister – vor allem mit Blick auf die anstehenden Beratungen des Doppelhaushalts 2012/13 – wichtige, repräsentativ abgesicherte Hinweise ergeben. Weiterhin höchste Ausgabepriorität bei den Bürgern haben die Bereiche Kinder und Bildung, die Bekämpfung der Jugendkriminalität, der Wohnungsbau und die Daseinsvorsorge für das Leben im Alter. Auf der Agenda deutlich nach oben gerückt sind die Themen „Straßenunterhaltung“ und die „Videoüberwachung in den Stadtbahnen“.

Zu den einzelnen Ergebnissen der Bürgerumfrage

Über 80 Prozent der Befragten geben bei den Bürgerumfragen in Stuttgart regelmäßig an, dass sie gerne in Stuttgart leben. Bei der Bürgerumfrage 2011 waren es exakt 85 Prozent. Gegenüber den letzten beiden Bürgerumfragen ging dieser Prozentwert etwas zurück (2009: 86 Prozent; 2007: 88 Prozent), die aktuelle Zustimmungsquote ist aber die dritthöchste von allen neun Bürgerumfragen (Tabelle 2).

Dieser sehr hohe „Wohlfühlfaktor“ drückt sich auch in der Beurteilung der Lebensqualität in Stuttgart aus. Auf die Frage „Wie beurteilen Sie – alles in allem genommen – die Lebensqualität in Stuttgart?“ antworteten 20 Prozent mit „sehr gut“ und 65 Prozent mit „gut“; gerade einmal 1 Prozent der Befragten beurteilten die hiesige Lebensqualität als „schlecht“ (Tabelle 3). Der entsprechende Kommunalbarometerwert – einem Mittelwert aus den Wertungen von „sehr gut“
(100 Punkte) bis „sehr schlecht“ (0 Punkte) – ist mit 76 Punkten nach 2009 und 2007 (jeweils 77 Punkte) der zweithöchste Wert seit Einführung dieser Frage 1997.

Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen

Die Lebensqualität in Stuttgart wird nach 25 konkreten Lebensbereichen abgefragt. Von allen infrastrukturellen Einrichtungen und Angeboten in Stuttgart stehen traditionell die „Einkaufsmöglichkeiten“ an vorderster Stelle (Tabelle 4). Sie führen die Rangliste mit 80 Punkten (+ 1 Punkt gegenüber 2009) an – die höchste Punktzahl seit 2001. Es folgen auf Rang 2 der Bereich „öffentliche Verkehrsmittel“ mit 76 Punkten (- 1) und mit jeweils 75 Punkten gemeinsam auf Platz 3 die Bereiche „Ärztliche Versorgung/Krankenhäuser“ (+ 1), „Kulturelle Einrichtungen/Veranstaltungen“ (- 1) und „Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten“ (+ 2). Sehr hohe Zustimmung haben auch die „Abfallbeseitigung/Müllabfuhr“ (73 Punkte), das „Angebot an Parks/Grünanlagen“ (73 Punkte) und die „Wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten“ (72 Punkte) erhalten.

Nur bei den Bereichen „Wohnungsangebot/Wohnungsmarkt“ mit 45 Punkten (- 2), „Situation für Fahrradfahrer“ mit 48 Punkten (+ 2) und „Parkmöglichkeiten in der Innenstadt“ mit 37 Punkten (-2) überwog die Unzufriedenheit.

Im längerfristigen Vergleich seit der Bürgerumfrage 2001 hat sich das Thema „Öffentliche Sicherheit/Schutz vor Kriminalität“ am positivsten verändert (+ 12 Punkte gegenüber 2001), gefolgt von „Integrationsangebote für ausländische Mitbürger“ (+ 9 Punkte gegenüber 2003).

Probleme in Stuttgart

Im Rahmen der Bürgerumfrage können die Befragten ankreuzen, welches für sie die größten Probleme in der Stadt sind. Zur Auswahl stehen 27 Problemfelder (Tabelle 5). Im Durchschnitt nannten die Befragten 6,5 Probleme (wie schon 2009).

Auch in der Rangfolge hat sich gegenüber den letzten Bürgerumfragen nichts geändert – weiterhin als größtes Problem werden mit 61 Prozent „zu hohe Mieten“ (+ 1 Prozentpunkt gegenüber 2009) genannt, gefolgt von „zu wenig Parkmöglichkeiten“ (57 Prozent) und „zu viel Straßenverkehr“ (55 Prozent). Während „zu wenig Parkmöglichkeiten“ (+ 3 Prozentpunkte) an Bedeutung zugenommen hat, ist für die Stuttgarter „zu viel Straßenverkehr“ (- 5 Prozentpunkte) offenbar ein etwas geringeres Problem geworden.

Sowohl in der Rangfolge als auch im Prozentwert sind die Themen „zu hohe kommunale Steuern/Abgaben/Gebühren“ (Rang 4, 2009: 5) mit 39 Prozent (+ 4 Prozentpunkte), „mangelhaftes Wohnungsangebot“ (Rang 5, 2009: 7) mit
35 Prozent (+ 3) und „mangelnde Sauberkeit von Straßen und Grünanlagen“
(Rang 8, 2009: 11) mit 31 Prozent (+ 4) nach oben geklettert.

Eine geringere Problemrelevanz haben die Umweltthemen „schlechte Luftqualität“ (Rang 7, 2009: 4) mit 33 Prozent (- 6) und „zu hohe Lärmbelästigung“
(Rang 9, 2009: 6) mit 30 Prozent (- 3) erhalten.

Die Sicherheitsthemen sind gegenüber 2009 noch einmal in der Priorität gesunken beziehungsweise blieben unverändert: „Unsicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln“ (Rang 10, 2009: 9) mit 29 Prozent (- 1), „Unsicherheit auf den Straßen“ (Rang 11, 2009: 9) mit 28 Prozent (± 0) und „Sicherheit und Ordnung“ (Rang 15, 2009: 14) mit 20 Prozent (± 0).

Zukunftserwartungen der Stuttgarter

Gegenüber der Bürgerumfrage 2009, deren Erhebungszeitraum ganz im Zeichen der Wirtschafts- und Finanzkrise stand, haben sich die Zukunftserwartungen der Stuttgarterinnen und Stuttgarter verbessert und lassen insgesamt eine leicht optimistische Grundstimmung erkennen. Auf die Frage „Werden die Verhältnisse in folgenden Bereichen nach Ihrer Meinung innerhalb der nächsten vier Jahre in Stuttgart eher besser oder eher schlechter?“ erhielten bei den Wirtschaftsthemen „wirtschaftliche Lage“ 53 Punkte (+ 17 Punkte gegenüber 2009) und „Arbeitslosigkeit“ 54 Punkte (+ 20 Punkte).

Positivere Zukunftserwartungen haben die Befragten auch bei der „Öffentlichen Sicherheit/Schutz vor Kriminalität“ sowie bei den Themen “Gemeinschaftssinn/bürgerschaftliches Engagement“, „Verhältnis zwischen den Generationen“ und „Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern“. Dagegen gehen die Befragten beim Thema „Wohnungsangebot/Wohnungsmarkt“ mittelfristig von einer gleichbleibenden beziehungsweise einer „eher schlechter werdenden Entwicklung aus.

Image der Stadt Stuttgart

Mit großem Abstand sehen die Stuttgarter als wichtigste Eigenschaft ihrer Stadt das Attribut „wirtschaftskräftig“ an (86 Punkte, 2009: 80); für 93 Prozent der Befragten trifft diese Eigenschaft völlig oder überwiegend zu (Tabelle 7). Auf den weiteren Plätzen folgen die Eigenschaften „lebenswert“ (77 Punkte), „lebendig“ (70), „sicher“ (69), „gastlich“ (68), „modern“ (67) und „international“ (67). Die Kommunalbarometer-Punktzahl ist bei diesen Eigenschaften dieselbe wie 2009, nur das Attribut „sicher“ wurde besser bewertet (+ 2 Punkte), ebenso die Eigenschaften „altenfreundlich“ (58 Punkte), „familienfreundlich“ (60), „ausländerfreundlich“ (62), „behindertenfreundlich“ (54) und „kinderfreundlich“ (58).

Etwas differenzierter beurteilten im Vergleich zur Bürgerumfrage 2009 die Befragten die Einordnung der Stadt anhand von vorgegebenen plakativen Titeln. Während „Automobilstadt“ als Nummer 1 unter den vorgegebenen Titeln von 86 auf 88 Punkte und „Wissenschaftsstadt“ von 64 auf 66 Punkte stiegen, gingen die Bewertungen für „Sportstadt“ (64 Punkte) und „Kulturstadt“ (71 Punkte) jeweils um zwei Punkte geringfügig zurück.

Ansehen der Stadtverwaltung

Die Stadtverwaltung genießt ein unverändert hohes Ansehen bei den Befragten
(62 Punkte wie 2009). Bei 55 Prozent hat die Stadtverwaltung ein gutes oder sehr gutes Image; nur 10 Prozent gaben an, eine schlechte oder sehr schlechte Meinung von ihr zu haben (Tabelle 8).

Ausgabeprioritäten für den städtischen Haushalt

Bei der Frage, wo die Bürger im Haushalt der Stadt Stuttgart ihre Prioritäten setzen und bei welchen konkreten Aufgaben sie Einsparungen oder Mehrausgaben vornehmen würden, ergibt die Bilanzierung der Bürgervorschläge keine eindeutige Tendenz. Über alle 29 aufgeführten, mit früheren Erhebungen vergleichbaren Einzelaufgaben gemittelt, votierten 33 Prozent (wie 2009) der Befragten für Mehrausgaben, 56 Prozent (wie 2009) für unveränderte Ausgabeprioritäten und
11 Prozent (wie 2009) für Einsparungen (Tabelle 9).

Bei der Gegenüberstellung der Prozentwerte für die Kategorien „Geld einsparen“ und „mehr Geld ausgeben“ wird deutlich, dass nur bei vier von 36 aktuell abgefragten Aufgabenfeldern die Befragten „Geld einsparen“ gegenüber „mehr Geld ausgeben“ präferierten (Tabelle 9a): „Begegnungsstätten in den Stadtbezirken für alle“, „Stadtbibliothek“, „Theater, Museen, kulturelle Veranstaltungen“ und „Ortskernsanierung“. Beim ,„Ausbau des Straßennetzes (Straßenneubau)“ waren die Prozentanteile bei beiden Kategorien gleich hoch.

Bei den weitaus meisten Ausgaben der öffentlichen Hand indessen sehen die Befragten keinen Änderungsbedarf. „Ausgaben unverändert lassen“ wurde bei 26 von 36 Aufgabennennungen, also bei drei von vier Aufgabenbereichen, von 50 Prozent und mehr der Befragten, angekreuzt (Tabelle 9b).

Die Bereiche, in denen die Bürger mehr ausgeben möchten, lassen sich zum einen mit den Politikfeldern “Kinder und Bildung“ überschreiben. Hinzu kommt die „Bekämpfung der Jugendkriminalität“ (Tabelle 9c). Hohe Priorität für Mehrausgaben haben auch der „Wohnungsbau“ und die Bereiche „Wohnen und Pflege im Alter“. Deutlich höhere Voten für Mehrausgaben bekamen ferner die Themen „Zustand der Straßen (Straßenunterhaltung)“ und „Videoüberwachung in der Stadtbahn“.

10 Comments

  • Jochen sagt:

    Ähm. „Unsicherheit auf den Straßen“… das sind wahrscheinlich diejenigen knappen 30% menschen, die sonst noch in keiner andren großstadt gewohnt haben.
    also stuttgart war bisher der behütetste fleck großstadt, in dem ich je rumgelaufen bin 😉

  • Phil Grooves sagt:

    Sicherheit und Sauberkeit sind in Stuttgart imo wirklich vergleichsweise top, das liegt eben daran dass viele Umfrageteilnehmer wohl noch in keiner anderen Großstadt gelebt haben. :p

    Offensichtlich geht die Zufriedenheit mit dem Wohnsitz aber ja langsam aber beständig zurück seit 2007, ebenso steigt der Wunsch in eine andere deutsche Stadt zu ziehen. Die Auswahl der Städte mit Kopfbahnhof ist nur leider nicht so groß. 😉

  • kutmaster sagt:

    Kulturstadt? Ernsthaft jetzt?

  • TG sagt:

    @Phil

    och da gibts einige Beispiele: München, Wiesbaden, Frankfurt, Hamburg (Altona)…

    Ich denke eher, dass der Grund für die Unzufriedenheit dort zu finden ist, wo ihn viele vermuten: D’r Schwob kenn halt koi andere Großstadt 🙂

  • Phil Grooves sagt:

    @TG

    Wenn man Kopfbahnhöfe aufzählt, muss man zuerst Leipzig erwähnen, da steht immerhin der größte Kopfbahnhof Europas. 😉

  • Martin Sp. sagt:

    @Phil: also zuerst muss man da Frankfurt (Main) Hbf erwähnen, immerhin der wichtigste Bahnhof Deutschlands. Erst dann Leipzig Hbf 😉

  • TG sagt:

    ich hab nur die aufgezählt, in denen ich schon war…ok, außer Kiel, aber da muss man nicht gewesen sein 🙂

  • Martin Sp. sagt:

    Doch, Kiel ist schön! Besser als Hamburg, IMO. Und bei besuchten Kopfbahnhöfen kann ich um Dresden erhöhen 😀 Und, außerhalb Deutschland, St. Pancras in London (und Waterloo, einige Jahre früher).

  • Phil Grooves sagt:

    Kiel ist bestimmt noch sichererer (sic) und sauberer als Stuttgart. Da gibts keine Gangster und die Flut spült alle paar Wochen mal durch.

  • JMO2 sagt:

    Keine Gangster in Kiel? Wohl noch nix von den “Kneipenterroristen” und den “Blue Brothers” gehört? 😀

    http://www.youtube.com/watch?v=jKE6ZJOLtug

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