52 Videos/51: Autoren-Special

Wow, das hört sich wichtig an, Autoren-Special, irgendwie nach Feuilleton. Dabei hat es sich nur bei einer Umfrage ergeben, dass jeder unserer Mitautoren eine heimliche Video-Liebe im Keller hat, und diese gesammelte Leidenschaft gibt’s jetzt hier als Höhepunkt der Serie kurz vor ihrem fulminanten Finale.

AUSSENREPORTER: A-Ha “Take On Me”

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=-zOzMR6J08w[/youtube]

Mein Lieblingsvideo ist also mindestens bis heute Take on me von A-ha (als besonderer Service für unsere spanische Leserschaft mit spanischen Untertiteln). War glaub das erste Musik-Video, das mich als Kind geflasht hat, weil ich bis zu diesem Meisterwerk auf TKKG und Die drei ??? war und nicht wusste, dass man durch ein fetziges Video der Realität entfliehen kann. Animation war bis zu diesem Zeitpunkt in Pforzheim nicht bekannt, hab danach beim Tim und Struppi lesen immer gehofft, dass ich auch mal so geil in einen Comic eingeladen werde, hat leider nie geklappt.

Das Video hat aber auf jeden Fall meine Karriere als A-ha-Fan begründet, auf Hunting high and low habe ich als 12-Jähriger unglaublich abgefeiert, dieser sensationelle Drum-Einstieg nach den ersten Zwei-Kuschel-Rock-Minuten, die abgefahrener Weise durch einen Möwen-Schrei (!) eingeläutet werden (ist der Möwen-Schrei eigentlich die Panflöte des 80s-Pop?), fand ich damals schwer Heavy Metal, hab mich diesbezüglich sogar begeistert an meinen Dad gewandt, als der Song im Radio kam, der fand’s aber eher lame. Hat mich damals in eine schwere Krise gestürzt, dass mir selbst mein alter Herr schonungslos beibringen musste, dass ich auf Schmusepop stehe.

Ich hab mir A-ha übrigens ernsthaft vor ein paar Jahren auf dem Schloßplatz angeschaut. Damals haben sie mich musikalisch zwar nicht mehr so gecatcht, dafür fand ich Morten Harkets festgetackertes Grinsen um so eindrucksvoller. Muss eine schief gelaufene Schönheits-Op sein, so viel Botox kann man gar nicht spritzen. Bei Crying in the rain stelle ich in einem unbeobachteten Moment aber bis heute das Radio laut und singe mit, bis ich selbst weinen muss.

So, das musste endlich mal raus. Cooles Gefühl, dass man sich auch für den eigenen Musikgeschmack fremdschämen kann. Oder ist das dann Nahschämen?

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JANA: Depeche Mode “Just Can’t Get Enough”

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Depeche Mode liebte ich an sich schon. Früher – ’93 oder so – hatte ich ein Brettspiel (ziemlich lässig), so ne Art Monopoly der Musik-Branche. Das hieß Pop-Stars – seiner Zeit sowas von voraus. Da ging’s auch nur um One-Hit-Wonders und Kohle. Auf jeden Fall war Depeche Mode sowas wie die Parkstraße in diesem Spiel. Nicht ganz top, aber ziemlich hot.

Ich mir also den Namen gemerkt und seither ziemlich fixiert auf Depeche Mode und dementsprechend seelig, als mir 1995 die (erwachsene) Tochter unserer Nachbarin eine Depeche Mode Musikkassette vererbte. Was soll ich sagen, so entstehen Band-Lieben bei Leuten ohne Musikgeschmack. “Just can’t get enough” wurde prompt mein Lieblingssong. Bis ich das erste mal das Video sah. Ich war ein wenig enttäuscht. Ziemlich sogar. Fand vorallem die Haare ziemlich schlimm.
Aber mit der Zeit hat sich das geändert. Man muss sich eben gewöhnen. Heute gerate ich bei der Sonnenbrille, dem Micro-Mikro, den Partyschirmchen im Panthers Planch und selbstverständlich den Haaren total in Verzückung.

Keine Adaption – auch nicht die vom großen Schweden 2006 – konnte mich je in Versuchung bringen. Dieser Song braucht Fönwelle und Leder und nicht den Central Park. Ende.

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LE MISCHI: Notorious B.I.B. “Big Poppa”

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Für meinen Beitrag zu 52 Videos will ich zuerst ein paar Worte an meine Mama richten {auch wenn sie das hier nie lesen wird}. Also, Mama, wenn du mich früher {Mitte der 90er}, als ich noch ein junger Seicher im Teenie-Alter war, mitten in der Nacht vor der Glotze erwischt hast, hab ich dich wirklich nie angelogen. Ich habe wirklich nicht heimlich die miesen 70ies-Softpörnchen mit bajuwarischen Lustmolchen auf Sat1 begutachtet, sondern immer nur eines im Sinn gehabt: MTV, genauer gesagt “Yo! MTV Raps”.

Ich war ein Rapvernarrter Bursche und es gab für mich nichts Größeres als die Videos der Golden Era {die damals noch keiner als solche bezeichnet hat}. Und eines hat mich immer ganz besonders fasziniert: Die komplett over-the-top inszenierten Kurzfilm-Epen aus dem Hause Bad Boy. Exemplarisch möchte ich deshalb für 52 Videos ein Werk aus dem Oeuvre des unvergessenen Notorious B.I.G. nehmen.

“Between The Sheets” von den Isley-Brüdern, einer der am meisten gesampleten Songs im Rapgeschehen, war die Grundlage für Biggies Ode an die Perlen auf der Party. Der Track aus seinem grandiosen Debütalbum “Ready to Die” brachte ihm nicht nur eine Grammy-Nominierung und einen Billboard-Award ein, sondern entwickelte sich auch zu einem unfickbaren Evergreen auf Ghetto-Blockpartys und College-Feten, in Stripschuppen und Edelclubs.

Im Video bahnt sich Herr Wallace den Weg durch die Menge wie der Koloss von Oggersheim, spannt Busta Rhymes die Trulla aus {1:53} und macht auch sonst Moves mit all den Mamis. Für die Chance zum bumbern lässt Biggie sogar T-Bone-Steak, Eier und Käse sausen {obwohl das mächtig Tinte auf den Füller gibt}. Und wie bei allen großen Videos aus der Bad Boy-Ära gibt es auch hier eine große, dampfende Badewanne, in der Puffy mit einer Pulle Schampus und Gespielinnen auf dick macht und dir sagt, dass du deinen Freunden sagen sollst, dass sie mit seinen Freunden Freunde werden sollen und so alle Freunde sein können, gell. Classic.

{Die BRKLN-Houseparty-Kiste erinnert natürlich frappant an die ähnliche Szenerie bei “One More Chance”, einer weiteren Single aus “Ready To Die”, wo Heavy D der Bouncer bei einer weiteren Biggie-Sause ist. Mit dem Unterschied, dass neben Püffy und Bussa auch u.a. Queen Latifa, Total, Graig Mack, Zhane, Da Brat, Patra, Miss Jones, Jermain Dupri und Aaliyah sowie die beiden Exen von Biggie und Diddy, Mary J Blige und Faith Evans, am Stizzy sind. Ebenfalls ein Classic, keine Frage.}

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SETZER: Van Halen “Hot For Teacher”

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=g0XLKcMoXRE[/youtube]

Neulich hab’ ich mit Gott telefoniert. Über Skype, ist billiger. Hat erzählt, dass die geilsten Videos in den 80er Jahren gedreht wurden. Die Rock-Rebellen-Streifen. Den Plot hat er jeder Rockband – damals noch per Post – geschickt. Besonders das Frankieren der Postkarten war eine “Höllenarbeit”. Ulkiger Typ, dieser Gott.

“Hey Jungs,

so machen wir das: Langweileridylle in der Vorstadt mit Kindern. Gerne irgendwie geile Tochter oder wahlweise verpickelter Sohn in einem Metal-T-Shirt werden zu Hause nicht glücklich. Vater, Mutter, Bullen, Lehrer, Chef, Nachbar – ach, scheiß drauf: alle anderen sind Idioten. Ihr tretet entweder die Tür ein, springt aus dem Fernsehgerät oder wenn ihr
Motörhead seid, dann fahrt ihr gleich mit einem Motorrad durch die Hauswand.

Wenn ihr drin seid: singt euer Lied über die Rebellion oder irgendwas mit “Rock”. Alles klar? Am Schluß tanzt oder headbangt die komplette Familie, euer Sänger fummelt mit der Tochter, Mutter oder macht die Omma wuschig.

Zwischendrin: einfach geil in die Kamera schauen, irgendwas kaputtmachen oder rebellieren. Alles klar? Rote Autos sind nur erlaubt wenn ihr ZZ Top seid. Ach, egal eigentlich: macht irgendwas. Ihr braucht Chicks, Aufstand und ihr müsst Leuten aus der Vorstadt einreden, dass ihr die Stadtmitte seid. The Place to Be, ihr wisst schon. Jetzt alles klar?

Tschö mit Ö & Viel Spaß,
euer Gott”

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KOLLEGE GEIGER: David Lee Roth “Yankee Rose”

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=NsC7oEjCHAM&playnext=1&list=PL6530714E1C58D97D[/youtube]

Ein Video aus der Abteilung Attacke: 1985 trennen sich Van Halen und ihr Sänger David Lee Roth. Die Van Halen Brüder suchen sich einen Neuen und nennen das Album dazu „5150“ – der amerikanische Polizeicode für „einen entlaufenen Geisteskranken.“ Pitsch.

David Lee Roth rächt sich mit einem Soloalbum namens „Eat ‚em and smile“. Patsch. Van Halen kontern mit einer Platte namens „OU812“ (sprich: Oh, you ate one too). PitschPatschAutsch.

Nachdem Van Halen mit Roth durch Clipklassiker wie „Panama“ oder „Hot for Teacher“ ganz großes Videokino produziert hatten, musste Dave auf Solopfaden natürlich ne Schippe drauflegen.

Und da David Lee Roth mit Eddie Van Halen schon den vielleicht besten Rockgitarristen seiner Generation zur Seite hatte, musste er auch in diesem Punkt klotzen. Das ist bissle wie Lothar Matthäus. Der kann nach der Blitzehe mit einer 22-jährigen Ektarina auch nicht einfach mit der 48-jährigen Hildegard aufkreuzen. Da muss es schon die gerade 18 gewordene Ruby sein.

Roth fand seine Ruby bei Frank Zappa: Den „Stuntgitarristen“ Steve Vai. Sein Klampfe-um-den-Hals-schleudern hat bei einer ganzen Schar von jungen Nachahmern tiefe Schürfwunden auf Rücken und Seele hinterlassen. An Vai’s Seite stellte David Lee Roth den Bassgott Billy Sheehan.

Heute ist Diamond Dave wieder bei Van Halen und alle zusammen sind sie gerade im Studio. Witzig: am Bass ist da jetzt Eddies Sohn Wolfgang Van Halen. Macht drei Van Halens gegen einen Roth. Aber mutig war der Mann ja schon immer:

Hat sich bei Lloyds in London gegen Vaterschaftsklagen versichern lassen – und Van Halen Songs im Blue Grass Style aufgenommen. Hat ein Album von Chic-Legende Nile Rodgers produzieren lassen – und der Welt im Yankee Rose Video seinen Arsch in Chaps gezeigt.

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