Top Of The Bobs

Action-TV: Vergangenes Wochenende hab ich auf meinem Lieblingssender Phoenix eine Sendung gesehen, die ausnahmsweise nix mit Hitler oder der DDR zu tun hatte: Da gratulierten Iris Berben, Wolfgang Niedecken, Rolf Zacher und noch viele mehr Bob Dylan zum 50. Geburtstag.

“Ganz schön runtergeritten, für Fuffzich”, dachte ich. Dylan, nicht die Berben. Ich sagte es auch, obwohl außer mir eigentlich keiner da war. Dann machte ich meinen Mathelehrer Herrn Allmendinger nachträglich stolz:

“Siebzig! Mann, der ist Siebzig, die Sendung ist 20 Jahre alt. HEY, BOB DYLAN WIRD 70!”, hab ich gebrüllt und bin dann auch gleich in einer fatalen Mischung aus Erregung und Freude von der Couch geplumpst. Dann die Frisur gerichtet und mich am Riemen gerissen: “ist ja bloß der Dylan, komm runter.”

Man kann mir nicht vorwerfen, ich würde es nicht ständig versuchen.  Doch auch nach 70 Jahren Bob Dylan habe ich es nicht geschafft, dem Kerl und seiner Musik näher gekommen. Ich befürchte allerdings, dass es tatsächlich am Alter liegen könnte, schließlich hat Bob Dylan sehr viele seiner 70 Jahre ohne mich verbracht. Vielleicht ist es das – der Typ hat einen Vorsprung. Ich bin noch nicht so weit.

Und gestern beschlich mich zudem der Gedanke, dass es Dylan wahrscheinlich auch saumäßig piepegal ist, was ich denn von ihm halte. Oder ob mir sein Gesang manchmal Unbehagen bereitet.

Mein Freund Andreas meinte, ich sei selbst Schuld, wenn ich so doof sei, mir von “Blonde On Blonde” zuerst Seite Eins anzuhören. Gut, er sagte nicht “so doof”, aber irgendwie klang es so. Ich bräuchte mich nicht zu wundern, sagte er, jeder wüsste doch, dass man da mit Seite Zwei anfangen müsse. Sonst würde das doch keinerlei Sinn machen.

Blitzdingsen und nochmal? Rewind Selector? Nee, der Zug ist abgefahren, als hätte ich eine Frau gefragt, “Na, wann isses denn soweit?” – und die wäre halt nicht ansatzweise schwanger gewesen. Aus, vorbei. Ball beim Elfmeter in den Nachthimmel gedroschen, wie der Uli Hoeneß damals.

Mist, jetzt bin ich mir nichtmal mehr sicher, ob Andreas vielleicht doch “Blood On The Tracks” meinte und ich auch noch die falsche Platte nicht richtig herum gehört habe. Dylan ist wirklich schwierig.

Hab ihn eben trotzdem kurz angeskypt:

Hallo Herr Robert Zimmerman,
wirklich alles, alles Gute zum runden Geburtstag. Ich konnte ihnen leider keinen Kuchen backen. Ich denke, aber dass ich ihnen spätestens zu ihrem 80. Geburtstag einen Kuchen rausbacken werde, bei dem sie mit den Ohren schlackern werden. Bis dann.
P.S.: Warum soll ich mir diese eine Platte eigentlich andersrum anhören? Haben sie das verkackt damals? Ah, egal. Nix für ungut.
P.P.S.: Die Sache mit der E-Gitarre bei diesem Newport-Festival damals fand ich echt gut.

Folk on und Tschö mit Ö,
Ihr Michael

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