Realisierung des Quartiers am Mailänder Platz

Einen Namen hat man wohl noch keinen Namen gefunden, gab es neulich mal einen Wettbewerb, Einsendeschluss war der 15. Mai, aber das Quartier am Mailänder Platz im Europaviertel (zwischen Heilbronner Straße und Gleisvorfeld), das auch hier schon etwas diskutiert wurde, rückt immer näher. OB Schuster hat heute einen öffentlich-rechtlichen Vertrag unterzeichnet. Nochmals die Eckdaten:

“In dem Quartier gegenüber der neuen Bibliothek sind rund 450 Wohnungen, etwa 200 Geschäfte, mehrere Restaurants und Cafés sowie ein „Food-Court“ mit zehn bis 15 Gastronomiebetrieben geplant. Dabei entstehen rund 1500 bis 2000 neue Arbeitsplätze und 80 bis 100 Ausbildungsplätze.” Mein Lieblingswort ist hier ganz klar “Food-Court”.

Man einigte sich unter anderem auf eine “hochwertige Fassadengestaltung”, eine großzügige Gestaltung des eigentliche Platzes, Beschränkung der Verkaufsfläche auf 43.000 Quadratmeter (zum Vergleich: Das gerade enstehende Gerber bietet für Lokale und Shops insgesamt circa 22.500 Quadratmeter), Kinderbetreuung und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept. War nachhaltig eigentlich schon mal Wort des Jahres?

Pressemitteilung auf der nächsten Seite.

Realisierung des Quartiers am Mailänder Platz: OB Schuster unterzeichnet öffentlich-rechtlichen Vertrag

Mit der Unterzeichnung des öffentlich-rechtlichen Vertrages durch Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster und die Investorengruppe ist jetzt ein weiterer Meilenstein bei der Umsetzung des Quartiers am Mailänder Platz erreicht.

Nachdem der Bauvorbescheid hinsichtlich Gebäudehöhen und Balkone bereits in der vergangenen Woche beschieden wurde, hat der OB auf Grundlage der am vergangenen Dienstag im Unterausschuss Europaviertel von Seiten der Gemeinderäte eingebrachten Anregungen den Vertrag endverhandelt.

In dem Quartier gegenüber der neuen Bibliothek sind rund 450 Wohnungen, etwa 200 Geschäfte, mehrere Restaurants und Cafés sowie ein „Food-Court“ mit zehn bis 15 Gastronomiebetrieben geplant. Dabei entstehen rund 1500 bis 2000 neue Arbeitsplätze und 80 bis 100 Ausbildungsplätze.

Einigung auf Eckpunkte

In intensiven Gesprächen und Vorberatungen des Gemeinderats-Unterausschusses Europaviertel einigte sich die Stadt mit den Bauherren auf eine Reihe von Eckpunkten, die in der bisherigen Diskussion über das Projekt eine große Rolle gespielt haben:

Hochwertige Fassadengestaltung: Jeder Baublock weist einen eigenen, im Stadtbild ablesbaren Charakter auf, zum Beispiel durch die bauliche Ausformulierung von „gestapelten Würfeln“, „eingeschnittenen Räumen“ und „geschichteten Platten“. Die Zugänge zu den Wohnbereichen präsentieren jeweils eine eigene Identität. Auch die Dächer werden mit hohem gestalterischem Anspruch ausgebildet.

Mailänder Platz: Bei der Realisierung des Quartiers wird die geplante stadtgestalterische Großzügigkeit des Mailänder Platzes berücksichtigt. Dazu ist ein gemeinsames „Gestaltungskonzept öffentlicher Raum“ der Stadt unter Berücksichtigung der Ergebnisse des noch laufenden Gestaltungswettbewerbs geplant. Bei Mehrkosten der Stadt gibt es einen Zuschuss zur hochwertigen Gestaltung des Mailänder Platzes. Gemeinsam mit der Stadt wird ein Beleuchtungskonzept entwickelt.

Verkaufsbereiche: Die Nutzung der Verkaufsfläche ist auf 43.000 Quadratmeter beschränkt, das heißt um rund 17 Prozent weniger als nach Bebauungsplan zulässig. Keine Verkaufsflächen auf den transparenten Verbindungsbrücken zwischen zwei Baublöcken. Auch die Fassaden der Verkaufsflächen in den Erdgeschossbereichen werden ansprechend gestaltet.

Kinderbetreuung: Die soziale Infrastruktur für den Bedarf von Kinderbetreuung durch die Anzahl der Wohnungseinheiten wird rechtzeitig mit der Stadt abgestimmt.

Ein nachhaltiges Mobilitätskonzept wird erarbeitet, unter besonderer Berücksichtigung von Carsharing-Stellplätzen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Insgesamt wird es 880 Fahrradabstellmöglichkeiten für Wohnungen und öffentliche Nutzungen im und um das Projekt geben.

Umwelt: Die energetischen Richtlinien der Stadt müssen eingehalten werden, eine DGNB-Vorzertifizierung in Gold liegt bereits vor. Außerdem ist ein Lärmgutachten und Gutachten über Luftschadstoffe zu erarbeiten.

Abstimmung: Das Projekt wird an bereits ausgeführte Höhen beim Tunnelmund der U12, der Bibliothek und dem Verlauf der Wolframstraße angepasst. Abstimmungen des Bauablaufs mit den Nachbarplanungen sowie mit SSB und DB werden rechtzeitig vorgenommen. Die städtische Oberleitung liegt beim Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Eine Vertragsstrafe in nicht unerheblichem Umfang ist festgesetzt worden.

Vorbereitung durch Lenkungsgruppe

Anfang des Jahres haben Oberbürgermeister Dr. Schuster und Städtebaubürgermeister Matthias Hahn für die Vorbereitung des Baugenehmigungsverfahrens eine zentrale Lenkungsgruppe eingerichtet. Die Federführung dieser Lenkungsgruppe wurde der städtischen Wirtschaftsförderung unter Leitung von Ines Aufrecht als Institution, die selbst keine Verwaltungsakte erlässt, übertragen. Unter Einbeziehung der in Baugenehmigungsverfahren beteiligten Referate Städtebau und Umwelt, Technisches Referat, sowie Recht, Sicherheit und Ordnung wurden Mitarbeiter in die Lenkungsgruppe benannt.

Erfahrungen mit Bauvorhaben ähnlicher Größenordnung zeigen, dass ein Verfahren durch rechtzeitige Abstimmungen strukturiert und vereinfacht werden kann. Darüber hinaus wurde dargestellt, dass auf diesem Weg vor Abgabe eines Bauantrages Gestaltungs- und Detailfragen schon früh gemeinsam besprochen werden konnten.

Der arbeitsintensive und konstruktive Einsatz sowohl der städtischen Mitarbeiter aus den einzelnen Fachbereichen, wie auch der Architekten und Ingenieure seitens des Bauherren-Konsortiums hat dazu geführt, dass in einem frühen Planungsstadium viele Punkte durchgesprochen und gemeinsam abgestimmt werden konnten.

Der Unterausschuss „Quartier Mailänder Platz“ wird die Umsetzung des Vorhabens weiter begleiten, immer wieder auch Anregungen in den Prozess einbringen.

 

30 Comments

  • PhilGrooves sagt:

    Wer ist eigentlich mal auf die Idee gekommen Spielplätze in die Mitte eines Wohngebiets zu bauen und dachte dabei noch, es sei ne gute Idee ..

  • martin sagt:

    gut, weiß jetzt nicht wie verbindlich die animation ist, vielleicht soll das nur etwa harmonie erzeugen 😉

  • Frau Doktor sagt:

    Die Frequenz, mit der die Formulierung “hochwertige Gestaltung” in diesem Text vorkommt, lässt mich schlimmstes befürchten. Und wieso eigene Kinderbetreuung? Die Bratzen sollen in den Food Court gehen oder sich beim Unterhaltungselektronikmarkt A/B/C, der sich dort sicher ansiedeln wird, am Nachmittag die Finger blutug daddeln.

  • Schon allein die Sprache in der Pressemeldung zeigt, dass die Stadt nichts, aber auch gar nichts dazu lernt: “Nachdem der Bauvorbescheid … beschieden wurde” “bauliche Ausformulierung” “Bei Mehrkosten der Stadt gibt es einen Zuschuss”. Ist das denn so schwer, wie normale Menschen zu schreiben? Aber die “DGNB-Vorzertifizierung in Gold ” und vorallem der Food-Court (feat. Vapiano, McDonalds, Enchilada, Burger King, Subway, Pizza Hut und KFC) werden es schon richten. In diesem Sinne: Ich freu mich auf Recht, Sicherheit und Ordnung im Mailänder Beliebigkeitsquartier. Sonst “Vertragsstrafe in nicht unerheblichem Umfang”, klar?

  • martin sagt:

    frag mich gerade wie man 43.000 quadratmeter ladenfläche vermietet bekommt… aber läuft wahrscheinlich.

  • Vit sagt:

    @PhilGrooves
    Wo würdest du Spielplätze hinbauen? In die Mitte von Industriegebieten?

  • PhilGrooves sagt:

    In Parks. 🙂

  • Jochen sagt:

    Ja Phil, wollt ich jetzt auch grad fragen… Sagt Dir Luisenplatz was (in Ostheim)? (falls nicht gibt’s ja Google Maps)… Ist auch richtig umzingelt von Häusern. Und die sind sogar noch näher dran als die auf der Abbildung oben. Trotzdem konnte ich da ne glückliche Kindheit verbringen! Versteh den Einwand daher wirklich nicht…
    (Kleine Anmerkung: Die grundsätzliche Zustimmung zu nem Spielplatz zwischen Häusern spiegelt nicht meine Meinung zu dem ganzen “Quartier” bzw. seiner Machart wider!)

    EDIT: Phil, unsere Antworten haben sich wohl zeitlich überschnitten. Spielplätz in Parks sind natürlich auch cool! Bei uns hier is der nächste halt im Klingenbach, da durfte ich gaaaanz früher noch nicht alleine hin. 😀

  • Food Court?! Super. Kenne ich nur aus Asien und da sind Food Courts großartig. Kann natürlich auch am Essen dort liegen. Aber auch in Deutschland soll es ja gutes Essen und gute Gastrobetriebe geben. Ich bin da guter Dinge. (Für die, die es nicht kennen und vorausgesetzt es wird tatsächlich so wie in Asien: Alle Betriebe teilen sich Stühle und Tische).

  • martin sagt:

    ich bin guter dinge, dass sich im stuttgarter food court niemand tische und stühle teilt. hab irgendwie gerade hotalo-geruch in der nase. kein plan warum.

  • Hehe, kann auch sein. Lassen wir uns überraschen. Hotalo wäre aber wirklich der schlimmste anzunehmende Fall :-).

  • Vit sagt:

    Nochmal Thema Spielplatz – klar in Parks schön und gut, bei mir im Westen habe ich echt mitleid mit den Kids, kein Park, kein Spielplatz – nur Hinterhof. Deswegen sind Spielplätze in Wohngebieten ne gute Sache, und den Lärm muss man ertragen können …

  • martin sagt:

    ist glaub erst kürzlich ein gesetz (?) erlassen worden, dass man gegen “kinderlärm” und so nicht mehr klagen kann. weiß nicht genau. musste dabei aber spontan an das bittersweet drama denken.

  • Thorsten W. sagt:

    Ich frag mich auch wo Spielplätze sein sollen wenn nicht im Wohngebiet?! Im Park (oder im Wald) braucht man ja (eigentlich) keinen Spielplatz.

    Und ja, es gibt ein neues Gesetzt, dass man nicht mehr gegen Kinderlärm klagen darf. Richtig so!

  • Tsu sagt:

    ich glaub, in stuttgart gibts mehr als genug spielflächen/-plätze, sieht zumindest gut aus:
    http://service.stuttgart.de/lh.....#038;map=1

    und alle im wohngebiet 😉

  • Thorsten W. sagt:

    Mehr als genug? Naja…

    Aber wenn ein neues Wohngebiet gebaut wird, dann macht ja auch ein neuer Spielplatz Sinn, ne?

  • Martin Sp. sagt:

    Bei Food Court gruselt es mich. Ich kenn den Food Court in Heilbronn. Mal abgesehen vom Publikum, gehört der größtenteils Thomas Aurich, nebenbei Heilbronner Gemeinderat (war er mal oder ist er noch). Natürlich CDU. Dem seiner Firma Akrogast gehört ziemlich viel “Szene”-gastro in Heilbronn. Und jetzt läßt unser OBle, auch CDU, was von Food Court schreiben? Nachdem kurz zuvor sowohl Vapiano also auch Todis in Heilbronn aufgemacht haben? Hmmm….

  • Tsu sagt:

    ja klar, hab ja auch nicht gesagt, dass nix mehr gebaut werden darf. war mehr so auf vit’s aussage bezogen

  • Martin S. sagt:

    Kurz kluggeschissen: Spielplätze sind mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben, zumindest bei Neubauten (mit bestimmter Zahl an Wohnungen). Grundsätzlich müssten die sogar auf dem Privatgrundstück angelegt werden. Aber man man lässt lieber die Grundstücke mit Gebäuden ausmosten, baut zentral einen öffentlichen Spielplatz und erteilt den Privaten eine Befreiung von der Spielplatz-Pflicht. (Wobei das manchmal schon auch Sinn macht, statt 1 Alibi-Wipptier auf irgendner Grundstücksecke…)

  • katjuscha sagt:

    Kaltes Grausen. Und bestimmt nicht wegen des Spielplatzes. Das wird sicherlich der einzig ehrlich belebte Platz sein am neuen Plätzle.
    Den passenden Song gab’s schon bei How I met your mother: http://youtu.be/GF1b1pf9DRY

  • martin sagt:

    hehe, das video hat auch schon neulich einer beim gerber gepostet. kann man universell einsetzen. 🙂

  • Anna (aka Sunshine...) sagt:

    @Vit: Wie, im Westen gibts keine Spielplätze? Wie kommst Du darauf? Mir fallen jetzt spontan allein um die Ecke Schwab-/Bebelstrasse 6 Spielplätze im Umkreis von nicht mal 5 Minuten Fußweg ein…

  • Chrissi sagt:

    43.000 im MailänderQuartier, mehr als 20.000 fürs GerberQuartier, 10.000 im CenturyQuartier (Bolz/Lautenschlager), KarlsQuartier (wobei der Abriss vom Hotel Silber ja nun gar nicht mehr sicher ist)… In meinen Augen am tatsächlichen Bedarf völlig vorbei geplant oder besser gar nicht koordiniert seitens der Stadt. Quartier, meine Liebe zur französischen Sprache mal außen vor gelassen, ist bei mir inzwischen ganz weit oben in Sachen Unwort des Jahres…
    Und wenn die Quartiers dann noch Courts bekommen… da bleib ich doch lieber in meinem guten alten Barrio im Süden.

  • Naddi sagt:

    Kann man eigentlich gegen die Fassade der Bibliothek klagen? Ich schaeme mich eigentlich fast nie fremd, aber wenn wir da vorbei fahren gehts mir immer ganz schlecht. Oder vielleicht bunt anmalen oder so? Irgendwas, bitte!!

  • Jana sagt:

    Ich bekenne mich als Fan der neuen Bibiothek. Im Ernst. Ich find die total gut.

  • Thorsten W. sagt:

    Ich bin auch Fan von der Bibliothek, absolut!

  • Jochen sagt:

    Ja gut, Fan sein hin oder her, aber bissle Farbe schadet ja nie! Warum muss alles immer grau, weiß, beige oder braun sein?

  • doge sagt:

    Tja, Martin S,
    beim klugscheißen wohl etwas daneben geschissen. Am ersten Teil deines Kommentats zum Thema Spielplätze lässt sich wirklich nicht rütteln. Den zweiten Teil (meine Einteilung) kann man aber doch getrost unter dem, dem Stuttgarter Hobby-Stadtplaner ans Herz gewachsenen, Kapitalismus-Filz-Schwachsinns-Gelaber verbuchen. Es geht letztendlich um § 9 (2) der Landesbauordnung und von “Grundsätzlich” usw. ist da keine Rede.
    Ein Gemeinschaftsspielplatz ist eigentlich immer und nicht nur manchmal besser als so ein Alibi-Wipptier.

    Um noch was zur neuen Bibliothek loszuwerden, ich bin auch ein Fan. Die Bibliothek ist besonders,. Das Gebäude kann vielleicht ein Knast sein, es kann aber niemals irgendein Vewaltungsgebäude, egal ob Stadt, Bamk oder Daimler, sein.

  • Jana sagt:

    @Jochen: Bei Nacht ist die bunt beleuchtet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.