kickerle.tv: Fußball römisch zwei

Für den VfB-Fan ist die Spielzeit 2010/2011 ja gelaufen. Und zwar gerade nochmal gut. Man darf dem L’Oreal Leadmodel Labbadia abschließend zu einem zwölften Platz gratulieren. Man darf dem Präsidium wünschen, dass mein Idol aus Kindertagen, Ex-Torhüter und Stadtanzeiger-Kolumnist Helmut Rohleder, der in Tiefenbronn eine Agentur für Persönlichkeitsentwicklung leitet, das auch weiterhin tut. Und eben nicht Präsi in Cannstatt wird.

Und man darf dem Verein für seine Mission “Freddies Resterampe” alles Gute wünschen. Vielleicht mag ja jemand das magische Zweieck kaufen (das wäre dann wohl geometrisch korrekt eine Gerade, richtig?): Die “Stürmer” Pogrebniak/Marica stehen zum Verkauf (Versand: Du, Ebay: der VfB).

Aktuell ist in Cannstatt also nur auslaufen, entmüden und entschlacken angesagt. Während es weiter oben noch um die Wurst geht: Die Stuttgarter Kickers drohen drei Ligen tiefer mit Aufstieg. Nach einer sensationellen Rückrunde ging es als Tabellenzweiter der Regionalliga Süd am Samstag darum, Frankfurt in Frankfurt zu schlagen. Und als Hybridfan, der beide Stuttgarer Vereine unterstützt, war ich live dabei bei diesem Auswärtsspiel.

Auswärtssieg!

Ahh, Frankfurt. Kennt man doch. Bundesliga.

Hmm, puhhh. Also, nein. Nicht DIE Frankfurter. Die ja im übrigen gerade vom zweiten Frankfurter Erfolgsduo nach Heinz Schenk & Lia Wöhr, – den Herren Skibbe & Daum –  direktemente dort hingeführt wurden, wo ihre Fans sich schon lange hinbenommen haben: in Liga zwei.

Also es ging für die Kickers nicht gegen die Eintracht, sondern gegen den FSV.

Ahh, ja, die kennt man ja auch.

Hmm, puhhh. Also, nein, nicht DER FSV sondern gegen FSV Frankfurt römisch zwei. Also gegen die zweite Mannschaft einer Zweitligamannschaft.

Und das ist vielleicht das Hauptproblem der Stuttgarter Kickers: die römische Zwei. Du spielst gegen Vereine, die du kennst. Bundesligisten, Ex-Erstligisten, Pokalschrecke, über die normalerweise der VfB stolpert. Aber du spielst nie wirklich gegen diese Vereine. Du spielst immer gegen ihre zweite.

Karlsruher SC II

1899 Hoffenheim II

SpVGG Greuther Fürth II

und so weiter.

Zweite Mannschaften sind so n bisschen wie zweite Teile von guten Filmen, die nicht mehr an das Original heranreichen. Snake Plissken kann mit Die Klapperschlange II  dem ersten Teil und der guten Story nicht mehr das Wasser reichen (Einäugiger Außenseiter muss in Kapsel abgestürzten Präsidenten von Gefängnisinsel retten).

Oder ähnlich krass: In Wild Things eins wurde man noch von Neve Campbell und Denise Richards bezirzt, die beide in Wild Things II gar nicht mehr mitspielen.

Bei den Kickers ist das ähnlich: du gehst ins GAZI-Stadion – the kickplatz formerly known as Waldaustadion – freust dich auf Neve Campbell und aus der Kabine kommt Thimo Langner vom SV Wehen Wiesbaden II (und du wusstest nicht mal, dass dieser Verein eine erste Mannschaft hat).

In Liga vier, wo sich die Kickers ungerechterweise tummeln, herrscht harter Fußball-Mittelstand. Stell dir vor, all deine Kumpels arbeiten bei Porsche, Apple und Nike. Du aber schaffsch beim Schrauben Gmähle. Im Lager.

Das Spiel ist im übrigen schnell erzählt: Die Kickers siegen verdient mit 2:0. Der 14-jährige Justin Bieber im Tor der Frankfurter verursacht und vereitelt einen Strafstoß. Und ein Kickersfan fällt vom Zaun und macht sich ziemlich Aua. An dieser Stelle gute Besserung. Anschliessend liess sich die Mannschaft von den rund 600 (!) mitgereisten Kickers-Fans unter den 660 (!!!) Zuschauern feiern.

Denn für kurze Zeit sind die Blauen Tabellenführer. Mit dem Aufstieg wird’s aber nur was, wenn Darmstadt patzt. Dann aber patzt deren Gegner Wormatia Worms. Entscheidung vertagt. Nächsten Samstag bitte alle zum Heimspiel um 14.00 Uhr kommen.

 

Emotional erträglich ist dieses Wimpernschlagfinale für mich nur, weil es A) in Degerloch die beste Wurst im bezahlten Fußball gibt. Und B) die Kickers schon mal bessere Zeiten erlebt haben. Wer wie ich lange genug dabei ist, darf sich daran erinnern, wie die Kickers den FC Bayern München römisch eins vor eigenem Publikum im Münchener Olympiastadion in der Bundesligasaison 91/92 mit 4:1 besiegt haben. Danke, lieber Fußballgott, dass ich auch da live dabei sein durfte (0:1 Karel Kula (8.), 0:2 Marcus Marin (24.), 0:3 Andreas Keim (64.), 1:3 Roland Wohlfahrt (73.), 1:4 Dimitrios Moutas (89.)).

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