Best of 2011: Allgemeine Verkehrskontrolle oder Pissen im Lehen

(Cops in Shorts verfolgen Moritz.)

Moritz Drung ist der Kessel.tv-Rookie of the year, sein Fortsetzungsroman ĂŒber den grĂ¶ĂŸten lebenden Popstar der Erde, Cosimo, lief auf unserem kleinen Familien-Blog in heavy rotation. Jetzt hat Moritz wieder einmal fĂŒr uns in die Tasten gegriffen, um von einer hĂŒbschen Begegnung mit der Stuttgarter Polizei zu berichten, die sich so vor seinem letzten Konzert im Kessel zugetragen hat. Ohne Cosimo, dafĂŒr mit Pipi.

Zu Beginn zwei Bilder von PolizeieinsĂ€tzen. Berlin: Ein adretter Mann im Anzug wird von zwei Beamten auf die RĂŒckbank eines Corsas gedrĂ€ngt, die Politesse trĂ€gt Iro, der Polizist Glatze. Die TĂŒr schlĂ€gt hinter dem Mann zu. Batsch. Wrrrum. Stuttgart: Die RolltĂŒre gleitet auf, es steigen drei Cops heraus. Alle haben Eis in den HĂ€nden: Cornetto, Caretta und BIG Sandwich. Die RolltĂŒre wird zugezogen. Klack. Schleck.

Ich habe beide oben beschriebene Szenen so vor mir gesehen. Die Stuttgarter Polizei verschwendet ihre Energie auf völlig falschen Gebieten.

Hallo, Stuttgart. Tempo 50 auf der HauptstĂ€dter Straße, Handy in der rechten Hand, vier KastenwĂ€gen tuckern entgegen. Ich verfalle in alte Genervtheit wegen der ĂŒbermĂ€ĂŸigen PolizeiprĂ€senz, bevor mir der viel wichtigere Gedanke kommt: Telefonieren beim Autofahren ist ja gar nicht erlaubt. Zudem habe ich gestern Nacht bisschen was geraucht. Kontrolle wĂ€re blöd.

Normalerweise verbiete ich mir beides in Kombination mit Auto. Wenn es doch passiert, dann aus einer ĂŒberschwĂ€nglichen Nachtlaune (Kiffen) und Hektik (Telefonieren) heraus. Heute: Ich muss dringend WG checken, Sachen ablegen, duschen und ein bisschen zur Ruhe kommen, und in knapp zwei Stunden schon wieder am Nordbahnhof sein fĂŒr den Gig. Also Handy runter, KastenwĂ€gen rauschen vorbei, Stop am Marienplatz, Wahlwiederholung, „bin in fĂŒnf Minuten da“, aufgelegt. SouverĂ€n gelöst.

Dann sehe ich in meinem RĂŒckspiegel ein Polizeiauto blinken.

„Stop! Bitte folgen!“, blinkt das Display am nunmehr fĂŒnften Kastenwagen. „Folgen!“, denke ich in aufsteigender Wut, ich fahre doch vor euch, und drĂŒcke aufs Gas, ab in die nĂ€chste Seitenstraße. Ich werde einfach so tun, als hĂ€tte ich euch nie gesehen, euch abschĂŒtteln, rechts, Lehenstraße, links, Liststraße. Irgendwie gefĂ€llt mir die Situation.

(Flucht ins Lehenviertel misslingt.)

Allerdings nur, bis eine Stimme aus irgendeinem VerstĂ€rker in die Straße hinein brĂŒllt: „Sofort anhalten!“

Ich bin empört wie schon lange nicht mehr. Diese unertrĂ€gliche Kontrollwut hier! Aus Protest lege ich eine Vollbremsung hin. Ich schlage die TĂŒre hinter mir zu und realisiere sogleich: Du hast keine Zeit und bist in einer schlechten Position: Lieber schnellstens zĂŒgeln. UnterdrĂŒckte GefĂŒhle, das kann ich, ich wurde nicht konformistisch erzogen. Ein Kind meiner Zeit bin ich aber trotzdem, ob ich’s nun will oder nicht. Ich lĂ€chele mein liebenswĂŒrdigstes LĂ€cheln. Zwei Polizisten laufen schnellen Schrittes auf mich zu.

„Haben Sie uns nicht gesehen?“, fragt der Clevere. Nein, versuche ich. Soso, machen beide.

„Kommetse aus BĂ€rlin?“, lautet die Einstiegsfrage. Ob das die Rache fĂŒr den Berliner Schwabenhass ist, wĂŒrde ich gerne fragen, aber das wĂ€re natĂŒrlich ein schlechter Start. Also sage ich: „Ja. Ich bin eigentlich von hier und wohne dort.“ Ich bin im Auto meiner Eltern unterwegs, es ist auf mich angemeldet. Daher das Berliner Kennzeichen, das mich meist eklig erhaben fĂŒhlen lĂ€sst. Das gebe ich auch zu Protokoll. NatĂŒrlich ohne meine GefĂŒhle. Es geht schließlich um Sachverhalte.

„Sie wisset scho, dass in BĂ€rlin viel ‘kifft wird?“ sagt der Clevere. Ach du Scheiße, denke ich, bloß kein Test. „Ja, das stimmt“, sage ich seelenruhig. Das punktet, nĂ€chstes Thema. „Sie haben gerade telefoniert.“ – „Oh ja!, das tut mir leid!“, bringe ich aufrichtig heraus, was die beiden auch bemerken, und gerate daraufhin idiotischerweise ins Plaudern.

„Ich mache das sonst nicht. Bin aber total in Eile, in einer Stunde habe ich einen Auftritt am Nordbahnhof.“ – „Sie sind Musiker?“, fragt mich der Clevere. „Ja“, sage ich. Die beiden blicken sich an.

„Was spielet se denn?“ – „Schlagzeug“, sage ich. – „Also, Schlagzeuger sin ja net ganz so schlimm. Aber Musiker ziehen ja scho’ gern mal einen durch. Sie bestimmt auch, oder?“ Ich bemerke den Impuls, offen heraus „Ja, schon“ sagen zu wollen. Gott sei Dank bleibt mir die Sprache aber im Hals stecken. Nordbahnhof. Musiker. BĂ€rlin. Ich bin erledigt.

„Nein, ich habe das vor fĂŒnf Jahren das letzte Mal gemacht“, sage ich und schiebe ein „Seitdem nie wieder“ hinterher, wobei ich dem Cleveren dann doch nicht in die Augen gucken kann, wie ich mir das eigentlich vorgenommen hatte. „Dann haben sie ja sicher nichts gegen einen Test?“, sagt der Clevere. „Kein Problem, wenn’s nicht ewig dauert“, sage ich. Interessiert die beiden natĂŒrlich nicht im Ansatz.

Sie wollen ins Lehen, Pisstest. In meinem Kopf ĂŒberschlagen sich die Gedanken. Die kriegen mich. Dabei kiffe ich nie… Ausgerechnet gestern und im Urin… Mein FĂŒhrerschein – ok, nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig tragisch – aber scheiße, danach bestimmt Bluttest im Revier – das braucht – in zwei Stunden ist der Gig! In all dieser Verwirrung laufe ich den Polizisten einfach so hinterher, wĂ€hrend meine FahrertĂŒre noch weit offensteht.

„Wollen Sie nicht abschließen?“, fragt mich der Clevere. Ich gehe zum Auto zurĂŒck. Wo ist mein SchlĂŒssel? In der Jeansjacke? In der Brusttasche vom Hemd? Auf dem Beifahrersitz? „Mh, check ich nicht“, ich denke schon laut. In den SeitentĂŒren? In meiner Jeans? Vorne? Hinten?

Die beiden Polizisten betrachten das fĂŒr ihre geraden Köpfe völlig unverstĂ€ndliche Spektakel. „Vielleicht im Schloss?“, sagt der DĂŒmmliche. Ich werde ĂŒber den hĂ€mischen Kommentar ein wenig hektisch, gehe erneut zur BeifahrertĂŒr. „Was ist denn mit Ihnen los?“, will der Clevere dann noch wissen. In dem Moment geht irgendetwas mit mir durch, was ich davor hinter meinen Pupillen verbergen konnte.

„Na, ich bin total durch den Wind. Ich hab gestern richtig viel gekifft!“, erklĂ€re ich feierlich. Der DĂŒmmliche dreht sich schlagartig um, blickt mir mit hochgezogenen Augenbrauen direkt ins Gesicht. „Spaß“, sage ich.

(Pisstest im Lehen.)

Endlich finde ich den SchlĂŒssel (er war unter den Fahrersitz gerutscht), wir schlendern ins Lehen. Ich betrete das schummrige Innere zwischen den beiden Polizisten. Komischer Tag: Da bin ich in einer soliden Kneipe, einer der wenigen PlĂ€tze, an die ich vollkommen glaube oder wenigstens daran teilnehme, und fĂŒhle mich beschissen.

Einer der StammgĂ€ste am Tresen zeigt auf mich, als wir auftreten, und sagt in den Raum hinein: „Ah, den kennen wir doch!“ Ich wĂŒrde ihm jetzt gern erklĂ€ren, dass er mich mit meinem Zwillingsbruder verwechselt, was aber nicht weiter schlimm ist und darauf drei, vier Kurze mit ihm verhaften, aber fĂŒr den Ernst des Lebens ist jetzt keine Zeit. Ich muss pissen.

„Sieben Tropfen genĂŒgen vollkommen“, belehrt mich der DĂŒmmliche sanftmĂŒtig auf mein Einwand, ich mĂŒsse gerade einfach mal ĂŒberhaupt nicht. „Ein Bier kann ich ihnen leider net bringen“, in einem Anflug von Lebensfreude.

Wie komme ich aus dieser verfluchten Situation nur hinaus? Freunden um die Ecke eine SMS schicken, schnell ins Lehen und fĂŒr mich pissen? Aber shit, clean sind die doch erst recht nicht. Was habe ich nochmal gehört? Ist ein Schweißtest nicht ungenauer? Vielleicht. Doch. Bestimmt.

„Es geht gerade nicht“, beteure ich in bedauerlichem Ton, „in dem ganzen Stress habe ich heute nur eine einzige Cola getrunken. Keine Alternative?“ – „Die Alternative ist der Bluttest.“ – „DafĂŒr habe ich wirklich keine Zeit!“, empöre ich mich. Dann fĂ€llt mir ein grandioser Satz ein. „Ich gebe wirklich mein Bestes. Können Sie nicht irgendwie auch auf mich zukommen?“ – „Sie könnten einfach zugeben, dass sie gekifft haben!“, meint der Clevere, der anscheinend hinter der TĂŒre gelauscht hat.

Zum zweiten Mal ziehen ihre psychologischen Tricks. Ich bin haarscharf davor zu fragen, ob ein GestĂ€ndnis irgendetwas an meiner Strafe lindert, streite dann zu meiner Überraschung erneut in todernstem Ton ab. Ich glaube mittlerweile, der Ton ist mir nur gelungen, weil ich im Inneren davon ĂŒberzeugt war, das Gras habe eh nichts getaugt. Ich war ja nicht mal richtig stoned gestern. DarĂŒber hatte ich mich noch beschwert.

Schließlich ĂŒberreiche ich dem DĂŒmmlichen seine gewĂŒnschte FlĂŒssigkeit. „Könnten acht sein“,  sage ich. Das nennt man wohl Galgenhumor.

Mit tiefschwarzen GefĂŒhlen stolpere ich aus der TĂŒre, wo mich der Clevere erwartet. „Was macht Ihr denn fĂŒr Musik?“, fragt der Scharlatan interessiert –„Rock“ – „Vergleichbar mit..?“ – „Vielleicht Velvet-“ Jetzt bloß nichts Psychedelisches! „Schnell und laut“, sage ich. „Wie AC/DC?“ – „Genau“, sage ich lĂ€chelnd.

Dann tritt der DĂŒmmliche heraus. Meine Stimmung ist auf einem all-time-low – so minutiös ich mich bis dahin an alles erinnere, diese Momente habe ich vor lauter Niedergeschlagenheit nicht wahrgenommen. Ich bin so tot wie ein Christbaum nach dem 26.12.. WorĂŒber wir sprechen, wie sie sich verhalten: nicht die geringste Ahnung. Wir stehen auf jeden Fall noch knapp zwei Minuten in lĂ€cherlichem Small-Talk vor der TĂŒre, wieder so ein Psychotrick, bevor der DĂŒmmliche sagt: „Wir können gehen. Alle vier negativ.“ Mir fĂ€llt so heftig ein Stein vom Herzen, mein erstes Wort lautet: „Danke.“

Im ZurĂŒcklaufen zu Auto sage ich dem Cleveren noch, einer meiner Wegzugs-GrĂŒnde nach Berlin seien die stĂ€ndigen Kontrollen hier aufgrund abgedroschener Klischees wie langer Haare oder Hautfarbe. „So lange alles in einem freundlichen Ton geschieht, ist das doch völlig in Ordnung“, erwidert er.

Ich will ĂŒber Freiheitsberaubung, Prinzipienreiterei und reaktionĂ€res Verhalten reden, aber: Fuck It. Um die Ecke, nur weg von denen. Noch bevor mir all der Ärger ĂŒber die Borniertheit der Stuttgarter Bullen irgendwie nachhĂ€ngen könnte, lache ich laut heraus. Die waren sich hundert Prozent sicher, mich dranzukriegen. Jetzt nichts wie weg aufs Festival am Nordbahnhof mit all meinen Freunden. Macht die Lichterketten an.

35 Comments

  • Art sagt:

    Sehr spannend erzĂ€hlt. Ich war gestern fast in der gleichen Situation bei einer Zollkontrolle, aber von einem Test wurde dann glĂŒcklicherweise abgesehen…

  • typ sagt:

    hahahahahaha.
    danke! musste beim lesen dauernd lachen! wasn start in den tag

  • sascha sagt:

    kann das sehr gut nachvollziehen… 2mal pro jahr 8 tropfen sinds mindestens. meistens an sehr belebeten straßen in der innenstadt abzudrĂŒcken. oft noch irgendein brett im auto und dann is fĂŒr die eh schon alles klar. cop land!

  • el_pibe sagt:

    good one!

  • andy sagt:

    jetzt sitz ich total verschwitzt im bĂŒro!

  • Philthy sagt:

    hab auch noch herzklopfen! super geschrieben!

  • Tobi Tobsen sagt:

    das grĂ¶ĂŸte bei mir war mal, als so ein scheiss behinderter piiiiiiiiiieeeppp polizist an meine scheibe klopfte (die in der tĂŒr versenkt war) und nur meinte, ob er mich gleich mitnehmen soll oder ob ich hier den test mache – ohne ĂŒberhaupt was anderes zu sagen. kein hallo oder sonst was..

    die typen sind zu 99% einfach nur behindert!

    am montag haben sie mich mitm roller angehalten, ne halbe std. aufgehalten, weil sie meinten, dass das nummerschild falsch sitzt und warum? weil sie sonst nichts zu kacken haben. bekomm echt nen hass, sobald die schnittlauchs im gesprÀch sind. spacken. acab. punkt.

  • Synapsenbrei sagt:

    kommt mir irgendwie Ă€usserst bekannt vor 😉

    sehr amĂŒssant zu lesen musste dauerschmunzeln…und spontan kommt mir ne text passage in den kopf: “Viele fragen, wieso haben die Typen so viel Style? Wir fragen uns im Moment, wieso hat Stuttgart soviel Polizei?”

  • Phil sagt:

    Ice-T hören hilft beim abreagieren…. und kĂŒnstliches Puller beim nĂ€chsten Rendevouz mit den grĂŒnen MĂ€nnchen!

  • skrinne sagt:

    Wunderbarer Text 🙂
    Ich habe mal gehört, dass es den Polizisten gefĂ€llt, wenn man ihnen wĂ€hrend der PipiĂŒbergabe ein kleines “Wohl bekomms!” zuraunt.

  • TG sagt:

    naja, das ist ja eher ne harmlose Kontrolle…und in das Zielraster von Drogenkonsumenten hast du auch gepasst. Warum also die Aufregung? Hab ich schon hĂ€ufiger gehabt (ok, ohne den Drogentest, sehe wohl zu brav aus) Kontrolliert geworden – GlĂŒck gehabt – Danke, tschĂŒss! In Berlin ist das wohl einen Artikel wert, aber hier?

  • vanDamme sagt:

    Haha, schöner Artikel – nur: was hast du denn dann am Vorabend geraucht, wenn der Test negativ war?!? Hasenfutter? 😉

    Das Teil solltest du ab jetzt jeden Tag tragen ;-)) >>>

    http://www.amazon.de/3-0-weltb.....B004R31TGK

  • withe_samurai sagt:

    KĂŒnstlicher Penis, alter Schalter was es nicht alles gibt heutzutage. Da kannst du dann auch sagen, wollen se ma kieken ob da alles mit rechten Dingen zugeht ?!

    🙂

  • Tobi Tobsen sagt:

    aaalter! screeny weeny is ja der brĂŒller!

  • westernbasti sagt:

    muhahaaa, ich wĂŒrd mal gern das gesicht von nen polizisten sehen, wenn da aufeinmal zwei weenies aus der hose rausschauen… wenn er das seinen kollegen erzĂ€hlt, machen die gleich bei ihm nen test 😀

  • neongrau sagt:

    Ich lach mich schlapp “screeny Weeny”

    Lustich wirds dann auch wenn man sich die Artikel unter “Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen” anschaut

    – iPhone Mini Mikroskop
    – Weltherrschaft fĂŒr AnfĂ€nger: Das Handbuch…
    – Prostata Massage – Der mĂ€nnliche G-Punkt

    Die Vorlesung ist gerettet =D

  • schmudos sagt:

    @neongrau: killer!!
    und: das Flachmann-Set “Sekunde – gleich bist Du hĂŒbsch…” is auch nicht schlecht… hehee

  • moritz sagt:

    war dope. hab direkt danach mit freunden geredet, die auch schon beim pisstest am tag danach davon gekommen sind. vielleicht braucht das ne weile, um in urin zu gelangen?

    ohne drogentest rausziehen ist schon komisch genug. das zeugt so oder so einfach von seltsamen vorurteilen der polizei, die das lebensgefĂŒhl nicht gerade verbessern. ich glaube (und weiß von einzelfĂ€llen), in stuttgart gibts wesentlich mehr zugekokste businnes/werbertypen, die in ihren tollen wĂ€gen niemals raugezogen werden. stoned wĂŒrde ich ĂŒbrigens niemals auto fahren.

    danke fĂŒrs feedback, freut mich!

  • anja sagt:

    Ich will ein Buch von ihm!

  • aUtO sagt:

    kenn ich gut! Sehr gut kommt ĂŒbrigens an, wenn man auf die fleissig auswendig gelernte suggestive Frage: “Sind sie Raucher?” mit ner brennenden Kippe in der Hand “Sind sie blind?” antwortet…

  • Cartier sagt:

    bei dir kann man wenigstens noch verstehen weshalb sie dich angehalten haben (telefonieren)
    ich wurde auf der autobahn angehalten (120, mittlere spur, lkw ĂŒberholt) einfach so, aus heiterem himmel, ohne jegliches verdachtsmoment… bitte folgen, mitten auf dem standstreifen die berĂŒhmten 7 tropfen abgeben… (auch negativ ĂŒbrigens)

    bin mir ehrlich gesagt nicht sicher ob das rechtens ist… meines wissens darf nur der zoll ohne verdachtsmoment einzelne leute herausziehen…. aber vielleicht tĂ€usche ich mich

  • der johnny sagt:

    hab letztens im park auf ne freundin gewartet, mit ner cola neben mir, smartphonekopfhörer drin… die sind vom landtag aus bis zu mir rĂŒbergekommen nur um mich zu checken. und als ich dann erwĂ€hnt hab dass ich als grafiker un fotograf arbeite hat der good cop mir erstmal n gesprĂ€ch gedrĂŒckt ob ich denn schon fertig sei mit studium und bla, hĂ€tt er ma besser in meinen perso geshcaut den seine kollegin sich gekrallt hatte. seh wohl aus wie zielgruppe im graffpulli und baggies, fast schon n kompliment – wo man sich doch gern ma fast n bisschen alt fĂŒhlt in letzter zeit.

    aber wenn ma mal nachdenkt drĂŒber – wie wĂŒrd mans denn selber machen? nach Ă€ußerlichkeiten gehn, hast ja keinen persönlichkeitsscanner. trotzdem sin die bullen ends nervig un die hanfparanoia is absurd.

  • westernbasti sagt:

    sowas kann einem aber auch in anderen bedeutenden stĂ€dten passieren, wie z.b. in…. Oberstdorf! …. als ich morgens um 8h mit nem freund aus dem zug gestiegen und gerade dabei war, meine sachen im schließfach zu verstauen, ist so nen junior-kommando um die ecke geschlichen und dann hieß es “ausweise her! taschen leer machen!” dann folgte so eine halbherzige durchsuchung. ist klar, wo ein snowboard ist, da sind auch drogen nicht weit. wenn ich was gehabt hĂ€tte, diese pfosten hĂ€tten es eh nicht gefunden. ich trinke nicht mal nen bier wenn ich fahre. die sollen die sich lieber mal die penner vorknĂŒpfen, die sich mittags um 12h auf der piste das dritte weizen reinhauen, vor denen hab ich nĂ€mlich angst.

  • T sagt:

    @ Cartier: Die Polizei in Bayern und leider inzwischen auch in BaWĂŒ darf auch verdachtsunabhĂ€ngige Personenkontrollen durchfĂŒhren (war frĂŒher nur im Grenzgebiet erlaubt).

    Aber bezĂŒglich der Cannabischecks gilt: Bei wem auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass das Ergebnis positiv ausfallen könnte, der sollte den Urintest verweigern. Die Polizei tut bei den Kontrollen zwar immer so, als ob man dazu quasi verpflichtet sei, aber das ist Quatsch. Der Urintest kann ohne jede BegrĂŒndung verweigert werden, das gleiche gilt fĂŒr die Schweiss-Wisch-Tests. Allerdings können sie Dich dann mit aufs Revier zur Blutprobe nehmen – nur dass das THC im Blut bei weitem nicht so lange nachweisbar ist wie im Urin. Zudem bedarf es eigentlich eines konkreten Verdachts und, außer in besonderen AusnahmefĂ€llen, auch eines richterlichen Beschlusses, wenn jemand zur Blutabgabe gezwungen werden soll…

    Ich wurde bisher erst einmal zum Pissen aufgefordert. Ich hab das dann verweigert (bzw. behauptet, bei mir wĂŒrde nichts kommen). Die beiden hatten offensichtlich besseres zu tun, als mich mit aufs Revier zu nehmen, Arzt und Richter zu informieren, etc. und haben mich nach ein paar Koordinationsspielchen weiter fahren lassen.

  • Jochen sagt:

    Diese WillkĂŒr kotzt mich auch an! Hab auch grad mal nachgedacht wie ich’s selber wohl machen wĂŒrde an deren Stelle… Aber ich denk mal, ich wĂŒrde zumindest versuchen, auch “unverdĂ€chtig aussehende” Personen zu kontrollieren. Ich meine jetzt auch mit Bezug auf die Persokontrollen. Kommt seit ca. einem Jahr fĂŒr meinen Geschmach recht hĂ€ufig vor! Ob auf der Königstraße oder in der UnterfĂŒhrung am HBF usw… Als junger Mensch steht man da einfach unter Generalverdacht! Zu mir: Keine Dreadlocks! Nichtraucher, kein Alk! Ganz normaler Junge, T-Shirt Chino und Sneaker, kurze dunkelbraune Haare. Aber wenn ich ausm 42er aussteig und ĂŒber die Königstraße lauf kommen die halt immer zu mir. “Ausweiskontrolle! Mached’se amol ihre Dasche leer!” Dann kommt echt immer als nĂ€chstes: “Kiffed’se?” “Andre Droga?” …Alter wie ich es hasse! Die sollen sich doch einfach mal irgendwelche Anzugsfuzzies rausholen fĂŒr ihre dĂ€mlichen Persokontrollen! Am HBF haben mich letztes Jahr sogar zwei ĂŒbermotivierte Nachwuchsbullen mit MP-5 kontolliert! WTF!

  • Tsu sagt:

    Dass die mich vor kurzem mit ĂŒber 0,5 Promille angehalten haben fand ich auch eine Frechheit.

  • TG sagt:

    @Jochen…machs doch einfach wie Barney Stinson: Anzug tragen! Dann wirste nicht mehr angehalten, kannst besoffen mit dem Daimler und vollgekokst im 42er durch die Stadt fahren.

  • Cabura sagt:

    “Aber Musiker ziehen ja scho’ gern mal einen durch. Sie bestimmt auch, oder?”

    Den Street jargon bekommen die strikt bei der Schulung eingetrichtert.
    Der Schulungsinhalt geht natĂŒrlich mit der Zeit!

    Stuttgarter Bullen in den 80ern: Haben sie einen Haschischzigarette geraucht?
    Stuttgarter Bullen in den 90ern: Haben sie einen Joint gekifft?
    Stuttgarter Bullen seit den 00ern: Haben sie einen durchgezogen?

    Immer so verdammt up-to-date die Polizei!

  • westernbasti sagt:

    Stuttgarter Bullen seit den 10ern: Heute schon gesplifft?

  • Thorsten W. sagt:

    Auf der Straße wurde ich im Leben noch nie kontrolliert, weder als ich jĂŒnger war noch heute. Im Auto hab ich aber auch festgestellt: Mit 18 Jahre altem Polo an jeder Grenze und bei jeder nĂ€chtlichen Kontrolle angehalten worden, mit dem Wechsel auf ein (damals) fast neues Auto und seitdem gar nicht mehr.

  • aUtO sagt:

    Hab aufgrund der vollen Pracht meines Haupthaars einen reichhaltigem Erfahrungsschatz mit Pisstests und auch noch 2 Anekdoten die die willkĂŒrliche Rangehensweise und Frechheit in der AusfĂŒhrung illustrieren:
    1. The Roots Konzert LKA, groß angelegte Piss-Orgie mit entsprechenden Zelten schon auf der Ausfahrt der B (12 glaub ich). Test negativ, weitergefahren, Parkplatz gefunden, dann steigen aus dem parkenden Auto daneben 2 in zivil aus und fragen, ob ich mit nem Drogentest einverstanden wĂ€re. Ich sag, sie sollen mal bei ihren Kollegen 500m weiter durchfunken und dass ich dort vor 5-10 Minuten mein Urin abgegeben hab. Antwort: “In der Zeit kann man doch locker einen durchziehen.” (!)
    2. Vollsperrung, negativer Schweisstest, negativer Urintest, dann Blut-Test. Beamte sagen mir, sie mĂŒssten jetzt meinen AutoschlĂŒssel einziehen weil ich in den nĂ€chsten 24 Stunden nicht Auto fahren dĂŒrfte, weil ich ja solange bis der Blut-Test ausgewertet ist verdĂ€chtigt wĂŒrde unter Drogeneinfluss zu stehen…ich solle jemanden anrufen, der den SchlĂŒssel bei ihnen in der Sperre abholt und mein Auto wegfĂ€hrt. Mein Bruder (straight edge, Glatze) kommt 20 Minuten spĂ€ter. Beamter: “WĂ€ren sie mit nem Drogentest einverstanden”

  • polas sagt:

    @aUtO: du hast die möglichkeit der schriftlichen beschwerde. evtl. bietet sich dir die möglichkeit eines persönlichen gesprĂ€ches mit dem leiter der dienststelle, wenn du die beschwerde eigenhĂ€ndig ĂŒbergibst. oftmals wird der betroffene zu einem spĂ€teren zeitpunkt zum gesprĂ€ch gebeten.

    hier ein paar infos, was die polizei so alles an klischees kennt:
    http://www.akzept.org/dascanna.....hulung.pdf

  • aUtO sagt:

    Is mir schon klar, dass ich mich selbst (wĂ€re ich der Polizist) wahrscheinlich auch testen wĂŒrde weil die Trefferquote bei Leuten, die so aussehen wahrscheinlich recht hoch ist 🙂 Aber zum einen sind die Testspielchen mit Augen zu und Nacken nach hinten, 30 Sekunden abschĂ€tzen etc. lachhaft und ohne Aussagekraft, dass ich es frech finde sowas dann als Grund anzufĂŒhren warum jetzt ein Test gemacht werden soll, wobei es offensichtlich ist, dass der eigentliche Grund die Ă€ussere Erscheinung des VerdĂ€chtigen und das klischeebehaftete Weltbild des Beamten ist. Und zum anderen stand ich ja schon mehrmals an ner Kontrolle bis zu 2 Stunden rum und hab mitbekommen, wen die so rausziehen. Bei mir entsteht der Eindruck, dass es weniger um die Verkehrs-Sicherheit geht, als vielmehr darum, die leicht zu bekommenden Kiffer (ist viel lĂ€nger nachzuweisen als andere Drogen) zu schnappen, weil das schnell und einfach Geld in die Stadtkasse spĂŒlt mit Bußgeldern, Nachschulungen etc. Jedes Mal hab ich in der Zeit als ich da stand, weil mein Auto durchsucht wurde, oder ich auf ein Testergebnis warten musste beobachtet, wie meiner Meinung nach offensichtliche Kokser in teuren Autos durchgewunken werden (klar, is soviel ich weiss nach nem Tag nicht mehr nachweisbar und dementsprechend ne kleinere “Fangquote” vorhanden) dafĂŒr aber jeder, der auch nur annĂ€hernd in ein Kiffer-Klische (z.B. alter Fiesta oder anderes Ă€lteres Modell, Basball-Cap, 20-25 Jahre alt, mĂ€nnlich, Piercings, Baggy-Pants, Metal-Shirt oder was weiss ich) reinfallen könnte, rigoros gecheckt wird.
    BezĂŒglich der Beschwerde: dafĂŒr ist mir dann meine (Frei-) Zeit dann doch zu schade, ich bin ja derjenige der nichts dafĂŒr bezahlt bekommt mich damit zu beschĂ€ftigen…und Zeit verloren hab ich dann im Vorfeld eh schon genug.
    Mir passiert das mind. 2 mal im Monat weil ich immer nachts durch die Innenstadt fahre und weil ich weiss, dass der Test im Normalfall eh gemacht wird, egal was ich tue, hab ich jetzt schon ausgelotet wie ich mit möglichst wenig Zeitaufwand schnell den Becher bekomme, damit alles schnellstmöglich vorbei ist. Auf die Frage: “Hatten sie schonmal was mit Drogen zu tun?” Sag ich jetzt immer: “Sicher, ich bin DJ” (Wahlweise KĂŒnstler, geht genauso).
    Funktioniert viel besser als zu fragen, ob man die ganzen Spielchen abkĂŒrzen und gleich den Becher haben kann.

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