Utopia Subway

Ich will seit Ewigkeiten in die Wilhelma, Pinguine angaffen. Schaff’s nicht. Irgendwas ist ja immer. Deshalb bin ich letzte Woche zum Pfau gedackelt. Eigentlich heißt das PFAU, weil’s eine Abkürzung ist für  – Achtung: Plattform Für Angewandte Utopien. “Konschd”, wie sophisticated Swabians sagen würden.

Stilecht, am Pragsattel in irgendeinem maroden Bürogebäude im Hinterhof. Zwischennutzung. Temporär. Gut, wenn ich ehrlich bin, dann war ich nicht wegen der Kunst da, sondern habe nur die Doopsies begleitet, die da ein kleines Konzert gespielt haben. Deren Sänger spielt nebenher auf einem externen Waschbrett und singt Lieder über süße Hunde, die in Rohren feststecken.

Voll reingeplatzt in den Programmpunkt “Speedmeet”. War spitze. Funktioniert wie Speeddating, nur halt ohne Bumshintergrund. Der Moderator wirft eine Frage in den Raum, “Was haben eure Eltern falsch gemacht?” zum Beispiel, und dann wird losgeplaudert. Irgendwann ertönt eine nervtötende Sirene, die klingt als würde man einem Hund großes Unrecht tun und alle rutschen einen Stuhl weiter. Dann geht’s wieder los. Reise nach Jerusalem mit genügend Stühlen.

Machen wir bei der nächsten Kessel-Weihnachtsfeier im Juni auch. Kollege Geiger macht dann die Moderation: “Welche Frage wollt ihr beim Saunabesuch in Königswusterhausen nie gestellt bekommen?”. Ich sag dann zu meinem Gegenüber: “Ach, sie sind gar kein Moslem?”. Und dann rufen wir alle: “Uuuääähhhh!”

Weia, Faden verloren. Genau, PFAU: Subbr Sach für jonge Leit. Ich habe Bier getrunken (echt!), wurde zur Garagen-Punk-Polonnaise genötigt (ohne Scheiß!), hab einer Frau im Vorraum der Toilette beim Bauchladen-Figurentheater zugeschaut (Ja, auch kein Scheiß) und mich auch sonst bestens amüsiert. Wie auf einer WG-Party im Westen, auf der man alle Leute kennt. Danach sind wir gruppendynamisch alle wieder zusammen mit der U-Bahn ins Städtle gefahren.

Lange Rede kurzer Sinn: Der Pfau geht am Mittwoch Gassi und zwar ins UTOPIA SUBWAY. Interims-Nachfolger von UTOPIA PARKWAY, im ehemaligen Subway Tübingerstraße Ecke Sophienstraße. Bis zum 26. März gibt’s hier wieder allerlei Kunst, Kultur, Gesellschaftsspiele und was sonst noch so anfällt.

Was derweil mit dem Subway Ecke Marienplatz passiert, wissen wir noch nicht genau. Der Marienplatz aber  – und das ist sicher –  wird der Top-Spot in Stuttgart. Ein bisschen umgestalten müssen wir den Platz aber noch. Spacige-Italo-Eisdielen-Lounge ist schon in der Mache, da muss aber noch mehr Würze ran. Nächsten Sonntag bereite ich mich noch besser vor, Taktik umstellen:

Ich brauch noch mindestens ein geliehenes Kind, das Schokoladeneis nicht isst, sondern es gleichmäßig im Gesicht verteilt, einen lebendigen Hund, der aussieht wie wahlweise eine Bestie oder halt vom Spielwaren Kurz, eine Stretch-Baggy-Röhre-V-Neck-plus-Schal, Blogger-Frise, Spielerfrauenbrille und blaue Styler-Gummistiefel für meine Begleitung, einen Fahrradhelm, ironischer Schnauzbart, Fußballball, Nowitzki-Trikot und einen Kaffee vom Kaiserbau. Letzteres ist die schwierigste Übung. Denn da ruft die Frau am Tresen noch “Wer will KEINEN Kaffee?”.

Mannmannmann, schon wieder Faden verloren: PFAU, Mittwoch, 23.3., 19.30 Uhr, Utopia Subway, Tübinger/Sophienstraße

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