Kunstfiguren

Heute mal ein bisschen Kultur. Also runter vom Sofa, rauf auf die A8 und ab nach Baden-Baden. Kultur inklusive Kulturschock. Hier, wo die Spielsucht noch Pelz trägt und man nicht zockt, sondern setzt. Galopprennbahn – Therme – Kurhaus: Rollator, ick hör dir trapsen.

Baden-Baden ist irgendwie eine einzige Ü70-Fete und sieht auch so aus. Vielleicht könnten die ja einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit Designer-Bullaugen fast n bisschen besser gebrauchen als wir hier?

Bei Baden-Baden fällt mir immer der schottische (!) Country(!!)-Sänger Jackie Levin ein, der in einem Stück mal musikalisch durch ganz Deutschland gefahren ist. Er singt, er war in „Würzburgh, Augsburgh, Schduddgard, Oberhousen“ – um dann im gesamten dritten Refrain musikalisch im Kreisverkehr hängen zu bleiben: I’ve been to BadenBadenBadenBadenBadenBaden (repeat 40 times) – aber hört selbst:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=JHDMF3t6CoE[/youtube]

In Süddeutschlands Antwort auf St.Moritz – gibt’s neben allerlei Mondänem aber auch was richtig Modernes: Das Museum Frieder Burda. Die Burdas sind ja sonst eher für Hochglanz wie „Bunte“ bekannt. Wenn sie aber nicht gerade Magazine machen, sondern Museen, dann mit klasse Architektur außen und prima Kunst innen.

Orignal! In diesem Bild sind zwei echte Hansons versteckt.

Zur Zeit lockt dort die Doppelausstellung Duane Hanson / Gregory Crewdson. Und während Herr Hanson ja schon mal mit seinen eingefrorenen Figuren für Furore in der Staatsgalerie gesorgt hat, war mir persönlich Gregory Crewdson neu. Ein amerikanischer Fotograf, der seine Motive von bröckelnden Kleinstadtfassaden im Zwielicht wie ein Filmset mit dem Aufwand eines Hollywood-Spielfilms inszeniert.

Top: Im Untergeschoss des Museums zeigt ein Making-of der beiden Künstler, wie man so was macht. Nur falls jemand mal so was nachmachen will: Figuren, vor denen man gebannt wie in der Geisterbahn steht und nur darauf wartet, dass sie „Boooh“ sagen. Und Fotografien, die einen irritierend-faszinierend anziehen wie ein David Lynch Film.

Weil aber der ganze Kurort im Duane Hanson Fieber zu sein scheint und sich außerhalb des Museums mit nicht-ganz-so-lebensecht-wirkenden Figuren zugeschmückt hat, empfiehlt es sich, den Après-Museum-Champagner lieber wo anders zu genießen. Und BadenBadenBadenBaden zügig über den Kreisverkehr zu verlassen.

Fälschung! Kein echter Duane Hanson.

Noch bis 6.3.2011, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

www.museum-frieder-burda.de

12 Comments

  • vanDamme sagt:

    Das Schönste an Duane Hanson-Ausstellungen sind die immer wiederkehrenden Hihihi-Besucher, die (Achtung, jetzt kommt´s!) nur so TUN, als wären sie Skulpturen – um sich dann prustend wegzuschmeißen, wenn einer drauf reingefallen ist!
    Ich ärger mich dann immer wieder, dass mir sowas Abgefahrenes nicht eingefallen ist!
    Wie war´s denn diesbezüglich in Baden-Baden, Herr Geiger?

  • Thorsten W. sagt:

    Ich erinnere mich tatsächlich noch aus meiner Kindheit (ist ja noch nicht so lange her) an die Duane Hanson-Putzfrau in der Staatsgalerie. War super.

  • martin sagt:

    mich hat diese putzfrau als kleines kind traumatisiert! war so grundschulzeit. bin seither nur noch einmal in der staatsgalerie gewesen.

  • Aussenreporter sagt:

    baden-baden ist zwar gruselig wegen seines hohen pelz- und künstliche-hüftgelenke-faktor, das rentner-kleinod hat aber zwei super bäder, die man ganz cool mit einem museumsbesuch bei burdas verbinden kann: http://www.carasana.de/

  • Marvin sagt:

    Ich kann das Lied nicht mehr nicht hören. Läuft auf repeat… kann nichts dagegen tun… Wahnsinn… I´ve been everywhere man

  • Jana sagt:

    aha, Martin. Der Duane Hanson war’s also 😉

  • Betsy sagt:

    Nix gegen meine lovely Heimatstadt! Rentnerhausen kann seeeeeeeeeeehr schön sein – wenn man nur für wenige Stunden oder Tage vorbeischaut. 🙂

  • Jochn sagt:

    Ach und Baden Baden ist auch die deutsche Geldwaschanlage schlechthin, wie gestern im TV berichtet wurde. Mit ganz süßen baden-badistischen Notaren, die noch an das Gute im Menschen im glauben und deshalb auch überhaupt kein Zweifel dran zu hegen wagen, dass ein korrupter russischer Staatsdiener jeden müden Euro welchen er für die neue Immobilie in Bar auf den Tisch legt mit seiner großen Hände Arbeit verdient hat und die Kohle nur nicht aufs Sparbuch einzahlen kann, weil er ne Kontonummerphobie hat. Egal den Fassaden in im Roulettle-Städtle tut es ganz gut und macht die Cashmetropole auch als Ziel für Sprachreisen doppelt interessant, weil alle Juweliere ihre Fassaden mit großen kyrillischen Lettern versehen haben, mit gefällts, denn ich bin Schrift-Fan.

  • Leo sagt:

    … i’ve been everywhere man …

    geil 🙂

  • Sabine sagt:

    … und Jackie Levin gefällt Hartheim so gut, dass er da gleich 2x war. Abgesehen von 40x bin Baden-Baden.

  • Marvin sagt:

    Ich liebte ein Mädchen auf dem Mars, ja da das wars…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.