Fortsetzungsroman: Mit Cosimo zu Bushido nach Berlin – Teil 3

(Eines meiner Alltime-Favorite-Lieblingsbilder auf diesem Blog: Rechts Cosimo mit neuer Brille, links Ram mit neuer Frisur, in der Mitte der weltbeste Nachbar.)

Heftiges Finale: Mein Ex-Lieblings-Praktikant bei LIFT, Moritz Drung, hat kürzlich die Autofahrt seines Lebens mitgemacht. Mit der Mitfahrzentrale von Stuttgart nach Berlin. Moritz hat bei der Fahrt seines Lebens den Hauptgewinn abgeräumt. Er düste mit Cosimo und weiteren Künstlern mit 240 Sachen nach Berlin. Klar, dass mein liebster Chorleiter, Rock-Musiker und passionierter Trinker diese Erfahrung mit uns teilen muss. Teil 3 und Schluss: Tausche Notizbuch gegen Cosimo Flyer.

Noch 300 Kilometer bis Berlin. Zeit, über Liebe zu sprechen. Liebe zur geborgenen Familie (sehr schwäbisch und übrigens faszinierend, wie gut sich Berliner und Schwaben ergänzen, auch im Fall Cosimo und Bushido), Liebe zu Frauen.

„Gestern Abend war ich zu ner Frau total ehrlich, hab gesagt, momentan geht’s mir finanziell total scheiße, hab viel investiert, auch in meine Zukunft – Sonnenstudio, Fitnessstudio, weisch ich bin auch Stripper – auf einmal hat sie mir nicht mehr geschrieben. Weil ich ehrlich war!“ – „Die Nummer kannsch löschen“, meint der Heilbronner.

Natürlich höre ich den Leser jetzt denken: Trotzdem ein Spasti, hör dir mal seine Lyrics an: „Komm Mädchen, wir machen‘s unterm Auto!“ Ich glaube eher, er ist sogar der romantische Typ.

„Die Menschen sind egoistisch geworden sind, alles dreht sich nur um sie“, meint Cosimo. Und ich: „Das kommt von Typen wie Bushido, weil der immer nur den eigenen Egoismus predigt: Der Härteste gewinnt; und: Zeig keine Schwäche und so!“

Und dann Cosimo: „Für ihn ist‘s auch schwierig. Leute, die bei Youtube drunter schreiben: Du hässlicher Tunesier, du bisch nichmal Deutsch. Und wenn er Tunesier auf der Straße trifft, kann er kein Wort Tunesisch. Im Endeffekt: Er wird nicht akzeptiert, wie er ist, also singt er Lieder drüber. Das war sein einziges Startkapital. Und heute ist er anders. Positiver.“ Da konnte ich nicht ansatzweise widersprechen.

Von da an ist, wie der Heilbronner bemerkt, die Energie im Auto außer Rand und Band. Jeder erzählt drauflos, darunter so persönliche und obszöne Dinge, dass ich sie hier nicht hinschreiben kann – die Luft brennt, die Zeit fliegt, und wir sind noch immer bei 240: Wir zischen an einem ausgebrannten Autowrack vorbei. Kurz realisiere ich, wo ich bin. Ansonsten: Gespräche wie Maschinengewehrfeuer, abstrakt und mit Gedankensprüngen wie folgendes:

Cosimo (zur Redegewandheit der Deutschen): „Manche Nationen müssen Dinge gar nicht aussprechen. Die leben das Leben! Schon mit den Augen lesen sie, was du sagen willst, ohne dass du dein Mund aufmachen musst, verstehsch! Die haben alles dort. (Poesie!) Für uns ist das natürlich unhygienisch: Sie waschen sich alle mit dem gleichen Wasser, wenn‘s sein muss. Rein theoretisch stirbsch du ja nicht, wenn du dich mit dem gleichen Wasser wäschst wie deine Mutter.“

Heilbronner: „Aber ich sag‘s mal so: Wenn du in Indien einen Schluck aus dem Ganges trinkst: DU verreckst, auf jeden Fall. Die Inder sind so aufgewachsen – also ich habe im Dreck gespielt, meine Eltern warn nicht penibel– aber wir in Europa leben schon recht clean. Deshalb müssen wir impfen! Und wenn du meinst Reichtum: Indien war das reichste, was das Commonwealth je besessen hat. Tee, Ayurveda, Basmatireis…“

Cosimo: „Ganz ehrlich: Ich hab Basmatireis gegessen, das schmeckt ganz genau wie das andere auch. Aber acht Euro das Kilo!“ Heilbronner: „Ist nur hier so.“ Cosimo: „Ich sag doch nur!“

Heilbronner (unirritiert): „Ich meine – Indien, die Gesellschaft – die Brahmen sind die obersten. Und die Maharadschas waren die Ärsche.  Das ist das Kapital halt auch auf ganz wenig Menschen konzentriert. Neunzig Prozent leben in Armut. Wirklich in Armut. Die gibt’s in Deutschland nicht.“

Cosimo (aufgeregt): „Das Leben ist selbstverständlich geworden, das ist das Problem. Wir haben in Deutschland alles! Gibt’s nicht, dass es in Deutschland was nicht gibt! (Postmoderne Poesie, schon wieder!) Ey du hast hier jedes. Von jeder Nation isst du hier! Geh mal nach Italien, und guck mal ob die das essen, was die in China essen oder so! Oder guck mal nach Frankreich, in Paris! Ja! Die reden nicht mal Englisch mit Dir – willst du mich verarschen oder was?!“

So gehen die Gespräche weiter. Volkskrankheit Depression (Vermutung: Druck und Entfremdung von eigenen Talenten), die moderne Kommunikation (wie es verunsichert, keine SMS zurück zu bekommen), der daraus folgende Drang zur Berühmtheit (Cosimo fährt keine U-Bahn mehr und will sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, zumindest am Tag der Fahrt) und natürlich Sex: „Große Kameras fühlen sich so an, als ob du jeden Tag die gleiche bumst.“ Ihr könnt raten, wer das gesagt hat.

Schließlich umarmen wir uns in der kühlen Winternacht am erleuchteten S-Bahnhof Wannsee. Man spürt schon die vibrierende Stadt und deren tausend Wege im Hintergrund, wohl auch deshalb vergesse ich mein Notizbuch im Auto. Cosimo gibt mir zum Abschied dafür einen Flyer für sein neues Album: „Ohne Spaß kein Fun.“ Ein guter Tausch.

Teil 4: Wer Moritz einmal live erleben will, sollte diesen Freitagabend, 11. Februar an die Kunst-Aka. Da spielt er mit seiner Band Vagabond Stories verrückte Indie-Space-Gitarren-weiß-auch-nicht-wie-man-das-nennt-Sounds ab 21 Uhr im Aktionsraum. Cosimo hat ihm die Haare gemacht und Bushido liefert ein Special-Feature.

Und nochmals die Story zum Nachlesen:

Mit Bushido zu Cosimo – Teil 1

Mit Bushido zu Cosimo – Teil 2

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