Zum Kuckuck

Menschen wie ich – eine Mischung aus LOHAS, DINK, Best-Ager, Digital Immigrant und Silver Surfer – gehen nicht wie andere hier im kessel am Samstagabend in die Stadt, sondern am Sonntagvormittag auf’s Land. Wir machen Ausflüge, fahren ins Blaue und landen dabei im Schwarzwald.

„So ist’s halt im Schwarzwald: da stinkt’s halt, wenn ein Furz knallt“ hat früher immer eine badische Kollegin rezitiert – aber sie hatte unrecht. Bei meinem letzten Schwarzwaldtrip (kann man das so sagen? Oder geht das nur im Zusammenhang mit Ibiza und Thailand, -trip?) war jedenfalls olfaktorisch alles im Lot. Da stank mal gar nix. Die Luft war rein, das Wasser klar und der Schwarzwald eine Reise wert.

Es ging nämlich nach Triberg. Zur größten Kuckucksuhr der Welt. Dabei streiten sich Google, Triberg und die Stadt Wiesbaden offensichtlich noch, wer da nun führend ist: Wiesbaden nämlich reklamiert für sich die größte, rudert dann aber in einer Bildunterschrift in einer juristisch hiebfesten Gegendarstellung zurück: „Die ehemals größte Kuckucksuhr der Welt © Wiesbaden“, ist da zu lesen.

Als ehemals meistneugieriger Blogger der Welt gebe ich mich aber nicht mit der zweitgrößten zufrieden und brause lieber zum Kuckuck nach Triberg. Hätte mal nicht in den Shell-Atlas sondern lieber gleich ins Guiness-Buch schauen sollen. Denn da steht’s ja: Gesamthöhe 15 Meter 30, Kuckuck wiegt 150 Kilo, die Uhr ist begehbar  – ich würde sagen: Triberg – Wiesbaden 3:0.

Und wenn man dann mit den anderen japanischen Touristen erst mal davorsteht, dann ist das in der Tat Kuckucksuhr XXXL. Okay, genau genommen ist das ein Schwarzwaldhaus, dessen Fassade zur Uhr umdekoriert wurde. Zu jeder vollen Stunde schaut dann der Vermieter…nee stimmt gar nicht… schon ein echter Kuckucksuhrenkuckuck raus und macht kuckuck. Klar, was soll er auch sonst machen?

Im begehbaren Uhrinneren dann ebenso XXXL eine Art Fabrikverkauf/Outletshop/ Flagshipstore für den Kuckucksuhrenfreund, vom Amateur bis zum Fortgeschrittenen: Das Kuckucksuhren-Kit zum Selberzusammenbauen, die Kuckucksuhren des Jahres 2004 – 2010 und mein Lieblingsartikel: „Eine Reise durch den Schwarzwald, neu: jetzt auch auf Videodisc“. Schade, ich hab gar keinen Videodiscplayer, nur DVD. Souvenir hab ich also jetzt keins, aber immerhin was zum Bloggen.

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