Kickerle.tv –
Die Antitrainer: Winnie Schäfer

Nachdem JMO2 so schön vorgelegt hat in unserer losen Reihe über die Schlappners, Lienens und Lorants dieser Welt und im Teil 1 über die geilsten Oldschool-Trainer der Geschichte den Neururer portraitiert hat, möchte ich mich in Folge 2 meinem Idol widmen: Winnie Schäfer.

Ist mir gestern einer abgegangen bei Schalke gegen Nürnberg. Um es mit Klinsi zu sagen: Da krieg ich Emotionen, die wo ich gar nicht mehr gekannt hab geschweige denn gewusst hab, dass ich sie hab. Gefühle also, die Thorsten nur noch beim Dschungelcamp hat und der Wohni nicht einmal mehr, wenn er die Geissens sieht.

Kommt also gestern der 17-jährige Julian Draxler fünf Minuten vor Schluss ins Spiel und schießt eine Minute vor Ende der Verlängerung das entscheidende Tor. Alter! Hab fast geheult, so hab ich mich gefreut für den Bub. Hat dann nach dem Spiel erst mal gesagt, dass er heute gerne seine Kumpels auf dem Gymi besuchen würde, sah völlig konsterniert aus, der Hammerbub.

Beim Fußball hab ich andauernd Gefühle. Zum Beispiel Sonntagabend. Bin nach dem Tatort seit einiger Zeit auf Sport im Dritten hängen geblieben, weil der SWR so oft Fernsehen macht, das sich wie Regio TV anfühlt, also immer wieder astreine Realsatire ist.

Sonntag war es mal wieder so weit, die Crew um Antwerpes konnte weder beim VfB, noch bei Hoffe oder Freiburg einen aktuell spannenden Buli-Protagonisten loseisen. In solch einem Fall wird ein Dinosaurier direkt vom Stammtisch verpflichtet. Sonntag hieß der Dino Winnisaurus Schäfer.

Hab mich schon fremdgeschämt, als er einfach nur dasaß. Bei Schäfer krieg ich nämlich auch Gefühle, und zwar sofort. Als Kind, als viel versprechendes Fußballer-Juwel, als mich noch kein komplizierter Zehen-Bruch in Diensten des SV Büchenbronn zurückgeworfen und eine Julian-Draxler-Karriere verhindert hatte – ich war vor der Verletztungs-Saison erst von der Spvgg Dillweißenstein gewechselt, leider nicht gegen Rekordablöse sondern wegen meinem Kumpel Falk – hab ich mich in einem Anfall von Leichtsinn und wegen geografischer Nähe für den KSC als meinen Verein entschieden.

Schäfer war der Held meiner Jugend, Winnie hatte den KSC aus Liga 2 in die Buli geführt und dank guter Jugendarbeit kickten in Kallsruu ein paar gute Jungs mit Namen Kahn, Scholl und so, der Winnie ließ mehrere Jahre lang den gleichen Trick spielen. Anstoß, einer rennt auf Rechts wie blöde nach vorne, Flanke geht steil auf den Heini und dann wurde meist der Ball verloren. Sah irgendwie immer gleich aus, gebracht hat’s nie was, wir fanden’s dennoch geil. Weiß auch gar nicht, ob es in den 90ern schon Taktik gab. Die hat glaub erst der Rangnick Ende der 90er in Ulm erfunden.

Auf jeden Fall war der Winnie ein geiler Horst, der König von Karlsruhe, für mich immer Synonym für die einzig erfolgreiche KSC-Phase in der jüngeren Geschichte. Der erste Erfolg ist noch gar nicht so lange her, 1909 wurde der KSC mal Meister. Damals spielte man Fußball noch barfuß und auf Äckern.

Heute kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich Fan eines Scheißvereins bin. Kommt eigentlich nicht so gut in Fankreisen, das so zu sagen, steh ich aber dazu, finde es irgendwie geil, Fan von Mittelmaß zu sein, passt einfach ganz gut zu mir.

Dem Schäfers Winnie ist es nach seiner glorreichen Zeit in den 90ern leider nie mehr so geil gegangen, ist dann zum VfB gewechselt. War irgendwie ne doofe Idee, zu dem Verein zu wechseln, dessen Trikots man davor in der Kabine hatte verbrennen lassen, um den KSC auf Derbys in Württemberg vorzubereiten. Mochten ihn nie so richtig in Cannstatt, die Fans. Nach fünf Monaten war er wieder frei. Danach durfte er noch Kamerun trainieren, wurde mit denen sogar Afrikameister. Außerdem wurde er in Dubai Meister mit dem Spitzenclub Al-Ahli und bis vor kurzem war er verantwortlich für den FC Bayern Aserbaidschans, den FC Baku.

Bei Sport im Dritten hat er in zehn Minuten eindrucksvoll demonstriert, wieso die Neururers und Schäfers und Rapolders dieser Welt einfach nicht mehr gehen. Sie sind irgendwie in der Steinzeit hängengeblieben. Schäfer hat bei Antwerpes aus Versehen von DM statt Euro gesprochen, hat Sprüche rausgehauen wie „Früher haben wir gesagt, wir gehen früh drauf, heute nennt man das Pressing, das soll modern klingen. Dabei haben wir auch schon so gespielt.“ Klar, damals 1492 gegen Traktor Eberswalde.

Schäfer hat dann noch fett dreimal den Bobic gedisst, indem er gesagt hat, dass sich der Manager-Novize auch mal hinterfragen sollte. Seh ich prinzipiell auch so, kam aber trotzdem peinlich und klang eher so nach Abrechnung aus alten VfB-Tagen, in denen sich Bobic, Balakov und Schäfer nicht so doll lieb hatten.

Bin dann irgendwie traurig ins Bett gegangen, weil der Held meiner Kindheit ein alter Seggel geworden ist und wahrscheinlich schon immer ein Riesen-Hirbel war. Wenigstens ist der Winnie diese Woche im Warmen, weil er in Dubai Urlaub macht. Dort macht seine Tochter ein Praktikum, und son bisschen Urlaub mit der Frau sei ja manchmal auch ganz schön, hätte er sich auch mal verdient, hat der Winnie dann zum Abschied noch gesagt. Und dass er eh nicht mehr Trainer in der Buli sein will, sondern höchstens Sportdirektor.

Braucht der HSV nicht einen Sportdirektor mit Erfahrung?

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