Southside Refjuh by Afro-Dieter
Tag 1/Part 1

(Afro-Dieter bei der Getr├Ąnkeversorgung, ausnahmsweise mal Wasser)

Ja, das ist lange her. Zumindest in Blog-Zeitrechnung. Zwischendurch gab es schon einige weitere Festivals, aber das diesj├Ąhrige Southside war wohl das erste s├╝ddeutsche Woodstock, oder “84 Stunden Anarchie und Ausnahmezustand”, wie unser Afro-Dieter schreibt. Vier Tage Pisswetter und Schlamm.

Afro hat sich in den letzten Wochen auf den Hosenboden gesetzt und umfangreiche Eindr├╝cke zusammengefasst. Erg├Ąnzt wurde sein Text von Tobi Tobsen und Kumpel Manu, alle Bilder von Tobsen. Gleichzeitig auch ein neues Experiment auf diesem Blog: Der Fortsetzungsroman.

Pre-Day, Donnerstag, 17.6. ÔÇô Anfahrt & Aufbau

Abfahrt in Stuttgart um 18:00, noch kurz beim Hornbach in kurzfristig hellem Moment eine Regen-Latz-Hose erbeutet – wird sich sp├Ąter in Gold aufwiegen lassen. Ankunft um 20:00 in Tuttlingen, noch ca. 5 km bis zum Flugplatz Neuhausen, der den feudalen Ausw├╝chsen der Wohlstandsgesellschaft f├╝r vier Tage Herberge sein will.

Ab kurz hinter Tuttlingen und im kompletten Anfahrtsstau (ca. 1,5 h f├╝r 5 km) gabs l├╝ckenlosen Regen und meine Scheibenwischer hatten stellenweise Probleme, die Sicht zu kl├Ąren. Flug nach Instrumenten.

Nach Ankunft am Festivalparkplatz (Gr├╝nfl├Ąche) bot sich eine apokalyptische Szenerie: Verzweifelt zerrten kleine M├Ądchen an viel zu gro├čen Sackkarren, die sich schon bis zur Achse in den Schlamm festgegraben hatten.

Oberk├Ârperfrei arbeitet sich ein gut beleibter ├Ąlterer Herr mit gehetztem Blick und einem 3er Paket Dosenbier durch den wadentiefen Schlamm – hier hatte es schon mind. 24 h durchgeregnet, bis auf Holz, Stein, Metall und Kunststoff hatte sich jedes Material dem Regen ergeben. Als der Parkplatzanweiser den Arm hob, bildete sich an seinem ├ärmel ein kleiner Niagarafall, der ihm dann wieder in den ├ärmel zur├╝ckfloss.

Nach dem 2. Anlauf hatten wir es aber trotz aller Widrigkeiten auf nen akzeptablen Parkplatz mit Hanglage geschafft (Bergab, nicht bergauf ­čÖé ) Also raus, Stra├če hoch und zur Bushaltestelle. Nee, raus, zum Kofferraum, Regenzeug holen, wieder einsteigen. Nass.

Nur das n├Âtigste f├╝r eine Nacht mitnehmen, Schnaps, Zelt, Schlafsack und ab in die Check-in-Schlange. Diese ben├Âtigte ca. 30 min, doch 5 haben gereicht, um uns zu tr├Ąnken.

Im Laufschritt irgendwo hinten links ne Lichtung gesucht, Zelt aufgeworfen bzw. aufgebaut, gemerkt dass alles, ich wiederhole ALLES was wir bei uns hatten, nass war und es ca. 10 Grad hatte -> Aktiv-Trocknung im Partyzelt.

Das Partyzelt is ein erinnerungsfreier Raum, du wirst sehr schnell sehr betrunken und aufeinmal geht die Musik aus. Gegen Ende bin ich an drei ├ľsterreichern vorbei, alle hatten zerrissene Shirts. Ich so: Was geht n bei euch!?

A: Das ist das “Austrian T-Shirt”: einer von rechts, einer von links und Zack, hat ich auch eins + 2 Bier = Fair enough f├╝r ein altes nasses Shirt.

Day 1 ÔÇô Freitag, 18.06.2010

10:00 aufgewacht, arschkalt, bitchnass, keine trockenen Sachen. F├╝rs Flitzen zur Karre zu kalt, also in die triefende Kutte gestiegen und zum Auto. Gottseidank hat Petrus mal kurz den Laden zugemacht und wir hatten zum Deutschland-Serbien-Spiel alles N├Âtige erledigt. Die Partie dann┬ámit ca. 5.000 Leuten auf einem gro├čz├╝gigen 3×5 m Plasma-Bildschirm-Turm reingezogen.

Die wenigen serbischen Fans hatten Spa├č und haben danach feuchtfr├Âhlich gefeiert, die meisten deutschen Fans waren danach noch betrunkener als zuvor, klassische Win-Win-Situation. (Ausserdem hat Deutschland zu dem Zeitpunkt m.M. f├╝r das Turnier ne Klatsche gebraucht )

Da Handy ufm Festival der falsche Weg ist (entweder weg, kaputt oder kein Netz), gab es einen Treffpunkt mit den trockenen Campern Tobi Tobsen und Compagnon Manu um 16:30 an der blauen B├╝hne.

Da ich die Jungs auf keinen Fall verpassen wollte, kam ich zwar hektisch, aber gut gelaunt an den Eingangskontrollen vom Festivalbereich an und hielt zuvorkommend dem kleinen und zierlichen Security meinen Tascheninhalt sowie offenen Rucksack hin, um schnell reinzukommen. Diese h├Âfliche Geste erwiderte er allerdings mit einem sauberen Korbleger meines 1,5-Tetrapack (mit Multisaft) in den M├╝lleimer. Feierliche Begr├╝ndung: ÔÇ×NEINÔÇť *weiterschuck*.

F├╝r n paar Augenblicke spielte ich einige unsch├Âne Szenerien durch, um mich dann aber schweren Herzens f├╝r gute Konzerte und gegen 1 Tag Festivalverbot zu entscheiden. Irgendjemand wird ihn schon richten.

Sein etwas freundlicherer Hintermann, dem die Situation aufgefallen war, kam beschwichtigend dazu und meinte, dass 1,5 l ab sofort verboten sind, es w├Ąren nur noch 1 l Tetrapacks f├╝rs Festival erlaubt. Warum nicht gleich jeder nur ne Handvoll Sprudel? Ich geh doch nicht 2 mal am Abend zum Zeltplatz, um nachzutanken!? F*** O**. (Das Tetra-Pack Problem konnte ich am Supermarkt gegen sp├Ąter noch l├Âsen…)

Zum Gl├╝ck 5 min sp├Ąter auf Tobsen & Manu gesto├čen, dem netten Brezel-Man an eine sch├╝chterne Lady vermittelt und daf├╝r die Brezel billiger bekommen :D.

Um 16:30 ging es dann zu LOCAL NATIVES ÔÇô Tipp von den Jungs, mir bis dato unbekannt, aber sehr geile Harmonien, hat mich an ne Mischung aus Bloc Party und We have Band erinnert, sehr angenehmes abwechslungsreiches Konzert, guter Warm up.

Passenderweise ist auch das Wetter besser geworden, Regenfrei, T-shirt-warm und einigerma├čen Sonne! Daher Regenlatzhose mal besser gegen Skinny Jeans eingetauscht und bissle schwuchtelig rumgemacht (Sp├Ą├čle, gell!).┬áWaren aber leider die einzigsten 2-3 Stunden, die wirklich T-Shirt-tauglich waren ÔÇô wenn man nicht zu betrunken f├╝r Textilien war.

Nach Local Natives haben wir mit einem Ohr bei┬áWe are Scientists┬áreingeh├Ârt, allerdings eher halbherzig, denn der gemeinsame Blick war fest auf die J├Ągermeister-B├╝hne fixiert…

Fortsetzung folgt.

17 Comments

  • Toni D. sagt:

    Ich kenn nur den Aale Dieter.

  • franzi sagt:

    ahhh, der helm ­čśë
    bin gespannt wie das weiter ging!!!

    war auch ein paar mal auf dem southside, allerdings immer bei 30┬░ aufw├Ąrts; erinnere mich an unsch├Âne szenen wie ein m├Ądel barfuss in die dixieklos stieg, in denen schon 10 cm ├╝berschwemmung herrschte…w├Ąhhhh!!! der kollektive aufschrei von allen umstehenden hat sie aber nicht beeindruckt ­čśë

  • Thorsten W. sagt:

    Super Bericht! Ich bin zwar kein St├╝ck neidisch, aber liest sich cool ­čÖé

  • kesselgulasch sagt:

    dieter du warst auch da?? wir haben leider 3 std. f├╝r die check-in-schlange gebraucht. 2 davon hat es in str├Âmen gepisst. schade, dass wir uns nicht gesehen haben, sonst h├Ąttest du meine sackkarre ein st├╝ck durch den schlamm zerren k├Ânnen…

  • die Adi sagt:

    so festivals mit zelt und so ist nix f├╝r mich…
    daf├╝r bin ich dann doch zu m├Ądchen ­čśÇ

  • Jimbou sagt:

    Weiter, weiter, weiter…

    Melt wird da wohl eher ne Hitzeschlacht….;-)

  • sp├Ątzle sagt:

    Super geschrieben.

    Donnerstag gehts aufs Melt, ich stimme mit Jimbou ├╝berein

  • neongrau sagt:

    mannooooo…

    Mag auch aufs Melt!

  • Herrgottzack sagt:

    Das war das bisher beste Southside auf dem ich war..
    Und den Dieter hab ich auch getroffen… ­čśÇ

  • Tobi Tobsen sagt:

    wer will nicht zum melt?! aber is mir einfach zu weit weg.. mir war die anreise zum ss schon zu stressig…

  • JMO2 sagt:

    Die Anfahrt zum Southside ist doch easy. 1 Stunde auf der Autobahn Richtung Bodensee und dann halt nochmal mind. 1 Stunde in Tuttlingen warten ­čÖé Wobei bei meinem ersten Southside 2004 alles easy bei An- und Abreise lief. Gut, da wars auch noch kleiner

  • Gl├╝ckskind sagt:

    hahaha ­čÖé sehr nice!
    zum gl├╝ck hats beim Frauenfeld net geregnet!!!

  • die Adi sagt:

    ich h├Ątte lieber was vom Frauenfeld geh├Ârt …

  • martin sagt:

    dann w├Ąrsch hingegangen und h├Ąttest was geschrieben. ­čÖé oder fragst weini ob sie was schreibt ­čÖé

  • die Adi sagt:

    ich gehe hin, aber wer zahlt mir das alles? ­čśÇ

  • Gl├╝ckskind sagt:

    hahha;))) joa also g├╝nstig war des halt echt net…sprit, hotel, Alk, Essen, Taxi, Kippen jongervadderalder da bisch ma gschwind inkl. Ticket 450 Lachos los ­čÖü puuuuhhh und wir waren nur 2 (!) Tage da…

    naja hat sich auf jeden fall gelohnt….:)

  • Nino sagt:

    Sehr toll geschrieben. Ist bei mir im grunde genau so abgelaufen, nur das ich und meine Beste bis um 2 Uhr im Auto gesessen sind weil wir uns direkt nachm parken schon abgeschossen haben ­čśÇ danach hatten wir sogar echt dusel weil dann am “check in” keine Sau war und es sogar f├╝r ne halbe Stunde aufgeh├Ârt hatte zu regnen. Konnten somit unser Zelt aufbauen ohne dass dir der Regen in die Kimme sickert. ­čśÇ

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