Southside Refjuh by Afro Dieter – Day 2

Afro-Dieter hat die zweite Nacht im Zelt gut rumgebracht, Tobi und Manu haben wohl hingegen luxuriös im Trailer geknackt.

Ich glaub so um 10:00 wieder raus, im Zelt siehts so schön hell und warm aus – in fact waren es aber bewölkte 15 Grad. Der Schlamm hatte uns mittlerweile eingekesselt, mit Flip Flops zum Duschzelt zu kommen grenzte ans Unmögliche, allerdings konnte man auch nicht mehr umfallen. (Saug-Glocken-Technik)

Gegen Mittag war ich tatsächlich angeheitert Duschen (auf nem Festival für viele nicht selbstverständlich), im Vergleich zu den BW-Sammel-Duschen der letzten Jahre gabs mittlerweile Einzelkabinen mit Vorhang, allerdings gemischt – und manchmal is es kein Fehler, wenn Leute weite Sachen anstatt nichts anhaben.

Da auf nem Festival nachmittags um 3 auch die Letzten leicht angeheitert sind, stieg beim Abtrocknen noch ne Propeller-Party, die ich mir natürlich nur von weitem reingezogen habe – Je schlechter das Wetter desto wahnsinniger die Leute.

Gegen 16:00 aufgrund mehrerer widriger Umstände leider die SHOUT OUT LOUDS verpasst, doch auch unsere Wohnmobil-Hipster haben Zeit eher als relativ aufgefasst….

Manu (Co’ von Tobi Tobsen):

16:30 – Viel zu viel Zeit verbracht um das Feuer für die Frühstücks-Bratwürste auf Temperatur zu bringen und meine (Manu’s – Anm. v. Afro) absolute favourite Band The Gaslight Anthem hatte schon angefangen.

Also schnellstmöglich, wobei schnell ca. 1,5 Matschmeter pro Sekunde bedeutet, zur Green Stage. Kurz nachdem wir es zur Bühne schaffte, beförderte uns der vorwärtstreibende Sound von „hinten im Schlamm wippen zu „vorne springen“.

Die Jungs aus Amerika waren an diesem rainy day bestens gelaunt, was sich sofort aufs Publikum übertrug. Es folgten Songs aus ihrem neuen Album „American Slang“, sowie auch die älteren Hymnen, und nach einer Aufwärmphase sprang stellenweise das komplette Publikum, was um diese Uhrzeit nicht selbstverständlich ist.

Danach rüber zu Dendemann (17:30 Blue Stage). Dende ist auch Solo (R.I.P EinsZwo) ein Hammer-Typ, super locker und sympathisch bis in die Zehenspitzen, zieht er komplett inklusive Band den 80er Proll-Lock mit passendem Outfit durch: Fetter Oberlippenbart + Jogginanzug waren Dresscode, weshalb dies schon Optisch auch im Publikum für viel Amüsement und geile Bilder sorgte.

Aber auch musikalisch mit seinen oft zwei- oder dreideutigem Storytellern war der (bürgerliche) Daniel Ebel ein Sahnestück, der mit Lieder wie „Stumpf is Trumpf“ oder „Freischwimmer“ mindestens soviel Höhenmeter wie Gaslight Anthem aus seinem Publikum rauspresste.

Afro-Dieter – 19:00 @ Festivalgelände:

Um meinen persönlichen Wunsch-Warm-Up des Tages mitzunehmen, stand ich pünktlich um 19:00 mit aufgeladenem, hochkonzentrierten 1 L Tetra-Pack bei Phoenix (19:00 Blue Stage).

Leider war die T-Bombe beinahe ein Volltreffer, und ich stand zu Beginn des Konzert leicht apathisch bis paralysiert da, um den stimmigen Auftritt auf mich wirken zu lassen – hab aber innerlich übel abgeraved. Erst so 25 min später konnte auch ich alle Emotionen tatkräftig rauslassen und hab mal besser das Tetra zum Gemeinschaftsdrink erklärt.

Phoenix hat 2009 das Burner-Album „Wolfgang Amadeus Phoenix“ publiziert („1901“ – fand auch O2 cool), haben damit sicherlich ihre bisherigen Verkaufszahlen verdreifacht und bringen den Schub live auch richtig satt rüber. Way better als das letzte Mal (2005 nachmittags um 3 vor 100 Leuten.)

Glücklich, zufrieden aber hungrig musste ich erst mal einen Zwischenstop an den volksfestähnlichen zahlreichen Fress-Ständen einlegen. Aber wenn du hungrig und betrunken an Dönern, Pommes, Burgern, Asia-Food und ich glaub sogar Maultaschen-Ständen vorbei kommst, steckst du fett in der Entscheidungsklemme.

Ich stand wohl recht ratlos und überfordert vor nem Burgerstand, als aufeinmal eine Stimme aus dem Off rief „Nimm den Megaburger!“

Im nächsten Moment wurde die Stimme von einem großen Bissen saftig-handgemachtem Burger erstickt, alles Zögern hatte ein Ende und meine Sehnsucht ein klar definiertes Ziel: Akzeptable 3 min und 5 Euro später hatte ich den mit Abstand besten Burger in der Hand, den ich in meiner kärglichen Fast-Food-Karriere kosten durfte. Sozusagen ein kulinarischer Anspiel-Tipp: Mega Burger!

Mein nächster Erinnerungsbaustein sagt The Prodigy (23:00 / Blue Stage) in Verbindung mit den verheerenden Adjektiven„enttäuschend schlecht“:

– Sound (auf der kleineren, basslastigeren Blauen Bühne) in normaler Entfernung zu leise, Bass nicht wirklich spürbar bzw. zu indifferenziert. Ok, es war windig aber bei Phoenix hatte es paar Stunden früher gut gepasst

– Übles Rumgeprolle auf der Bühne, mehr mittelmäßige U-Turn-MC’s als Legende

– Schwache Wannabe-Rave-Lightshow

Kurzum – da Zeitgleich die Beatsteaks auf der „großen“ Bühne spielten, orientierte ich mich nach 30 min „Yeeeeaah, Wicked, Massive“ um zu einer altbekannten, oftmals erlebten, aber immer wieder (live) überzeugenden Band aus Berlin. Sänger Arnim (Gute Kumpels nennen ihn auch Armin) ist zwar ein gnadenloser Selbstdarsteller, aber genau deswegen is er da auch der Frontmann!

Mit minimalen Einsatz maximalen Erfolg ernten war auch mein Schulmotto, daher sehr sympathisch und durchaus auch fesselnd. Gute Mischung aus Hits, alternative Abwandlungen und guten neuen Tracks (Anspieltip „She was great ;))

Zur Zugabe gabs „Let me in“, mein longtime favourite Ausrast-Track, allerdings auch für einen 90-Kilo-Mann hinter mir, der zwei Meter Platz vor sich hatte und beim Kick-off Brachial nach vorne gesprungen ist. Dumm nur, dass ich da mein Genick hatte. Zum Glück hatte er den Ellenbogen draussen und ihm ist nicht viel passiert. Da hat kurz mal alles geknackt, was man so bei der HWS als Knochen finden kann und ich war eigentlich nur verwundert, dass ich noch stehen und geradeaus schauen konnte.

Im Nachhinein bestätigt mich das Zitat von Manu „Die Gehirnlosen, die mir im Takt den Ellbogen beim Pogen in den Rücken schmetterten, möchte ich jetzt noch im Schlamm erwürgen.”

Um mir das Konzert nicht zu versauen, hab ich dem ### lediglich durch Gesten versucht klar zu machen, wie groß die Aktion eben war. Musste ihn jedoch bei seiner Antwort („Sorry dass ich dich erwischt hab, hatte zwei Meter Platz“) besser stehen lassen und an der Blue Stage bei der Cocktail-Bar „Was zum Betäuben“ordern.

Deichkind, die um 0:30 als letzter Act auf der Blauen-Bass-Bühne das Krawall-Schlauchboot durch die (noch) zahlreiche und fordernde Menge steuerten, hatten das Motto der Stunde auch erkannt und ich konnte entspannt bei „betäube mich“ von der Bar aus zuprosten. Arg viel mehr ging Energiemäßig auch nicht mehr, nur noch kurz ins Partyzelt, plötzlich Musik aus, Sonntag.

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