Pariser Höfe

Pariser Platz, Mailänder Platz, Budapester Platz, Osloer Straße, Athener Straße – 10 Jahre Brachland wird europäisch, klingt irgendwie gut, aber auch irgendwie zwanghaft. Kann man sich so richtig den Stadtplaner vorstellen: Lass ma überlegen, wo war ich überall im Urlaub? Ah, Paris, Oslo, Athen, Mailand… Scherzchen.

Bislang war nach dem Pariser Platz Ende Gelände, die neue Bibliothek (Bau recht weit fortgeschritten) wirkt wie wahllos irgendwo hochgezogen sehr verloren in der Einöde. Bubbi Schuster hätte sicherlich noch etwas länger im ehemaligen Güterbahnhof mit seinem M1 hätte residieren können.

Aber jetzt kommen die Pariser Höfe. Bis heute noch nie was von gehört. Pariser Höfe finde ich super. Kann man bestimmt auch mal ein Höflesfescht machen, mit “Bailando” und Tanzmariechen. Die StZ meinte heute, nachdem gestern die Grundsteinlegung unter der Obhut von Wolfi Schuster erfolgte:

“Der Name “Pariser Höfe” verspricht Weltformat, und die Illustrationen der Architekten zeigen einen neuen Häuserblock in einer Größenordnung, die tatsächlich großstädtisch daherkommt und im Stuttgarter Talkessel wohl neue Maßstäbe setzen wird.”

(Illu von Aldinger und Wolf)

Weiß jetzt zwar nicht was daran großstädtisch sein soll, immerhin sehen für mich als Profi-Architekten-Kenner alle neue Klötze so aus – oder etwa nicht? Immerhin ergänzt die Autorin, sei das alles natürlich auch Geschmacksache. Sischer Dicker. Ich sag mal so, sieht zwar klotzig aus, aber nicht ganz so scheiße.

Natürlich bleibt bei all dem was in diesem Bauland passiert, “weltmännische Namen” wie “Pariser Höfe” hin oder her, die große Frage, ob das auch wirklich ein lebendiges Stadtviertel wird oder einfach ne Geister-Schlaf-City.

Die Pariser Höfe sind ein jedenfalls Megaoscho, wie man früher sagte. 49.000 Quadratmeter, knapp 13.000 entfallen davon auf Bürofläche (auf der Seite zur Athener Straße) und 7 Stockwerke hoch. Der Smart in der Illu wirkt deswegen wohl etwas verloren.

Die Buden selbst werden auf der Homepage freilich als Wohn-Revolution angekündigt.

“Das Wohngebäude, das vom Büroteil durch zwei große und begrünte Innenhöfe getrennt ist, umfasst 242 Wohnungen auf ca. 23.800 m². Die Innenhöfe sind ausschließlich den Mietern vorbehalten, denen damit eine echte grüne Oase der Ruhe mitten im Trubel der Stadt zur Verfügung steht.

Alle Wohnungen sind modern, zeitgemäß und hochwertig mit raumhohen Fenstern, Parkett und Fußbodenheizung ausgestattet. Und – alle Wohnungen verfügen über eine Terrasse oder eine Loggia. Im Sommer quasi ein zusätzliches Zimmer, das man herrlich nutzen kann. Die daraus resultierende Wohnqualität definiert urbanes Wohnen auf ganz neue Art.”

Die Frage ob man das alles braucht oder nicht wird der Markt zeigen. Die sicherlich nicht ganz günstigen 1 bis 5-Zimmer-Wohnungen werden ab kommenden Frühjahr vermietet. Bis das Gebiet aber endgültig besiedelt ist, werden noch einige Jahre vergehen. Aber die nächsten Klötze kommen bald. Heißen dann auch ganz erdig ECE-Einkaufszentrum.

39 Comments

  • kutmaster sagt:

    Wuah. Sieht ja schon auf dem Rendering total belebt aus…

  • chaos sagt:

    Also ich hätte “Neckartenzlinger Höfe” noch weltmännischer gefunden.

  • Thorsten W. sagt:

    Über die neue Bibliothek hab ich neulich nen Bericht gesehen – die wird richtig cool.

    Aber belebte Plätze braucht die Stadt auf jeden Fall – so wie der Platz am Friedrichsbau, der Platz zwischen Bahnhof und LB-BW oder paar Schritte weiter der Pariser Platz..

  • martin sagt:

    vor der bib, wie wir studenten sagen, war ein teich geplant, den hat man angeblich weggespart. das hätte das vielleicht etwas lebendiger gemacht.

  • Tobi Tobsen sagt:

    “urbanes wohnen” – hört sich ja richtig gemütlich an. NOT!

  • skp sagt:

    das sieht richtig sexy aus.

  • martin sagt:

    ach komm tobsen, du bist doch bestimmt der erste, der sich nach einer bude erkundigt! 😉

  • mox sagt:

    Bei dem Namen kommt mir eine Assoziation zu dunklen, schlecht einsehbaren Gemäuern bzw. Parkplätzen in Verbindung mit Stammkundschaft aus dem Bohenviertel hoch..Wäre ja auch in gewisser Weise eine Belebung des Areals

  • Tobi Tobsen sagt:

    nee nee, ich zieh schon in die Wohnung 33… fett penthouse und so, u know?

    außerdem erinnern mich so riesige wohnblöcke immer an sozialbauten, egal wie hochwertig die ausstattung auch sein mag.

  • kutmaster sagt:

    Bei dem Gedanken “Was man dort wohl für Nachbarn hat…” ist mir gerade leicht übel geworden. Insofern schon eine Art Ghetto, das ganze Areal…

  • FeBe sagt:

    wohl nich erschwinglich für studenten etc….aber das passt ja wieder zum “paris-theme”

  • Glückskind sagt:

    die neue bibliothek empfinde ich, ohne scheiß, als platzverschwendung….is doch schon eine am charlottenplatz ich seh da echt keinen sinn darin…außerdem is die innen hohl…also ich mein im gebäude sind die bücher nur an den wänden….geht nich in mein hirn rein 🙂

    aber das 2. bild sieht nice aus!

  • Whiskydrinker sagt:

    “urbanes Wohnen” klingt für mich immer so nach “unter der Paulinenbrücke” bzw. “am Rupert-Mayer-Platz”.

  • cHiller sagt:

    ui, da werde ich gleich mal wohnungsshoppen gehen! ^^

  • Ken sagt:

    als besonderes special fährt im hof sicherlich der ice direkt nach bratislava ab!
    und hoffentlich gibts da auch einen chic-y-micci megastore!

  • vanDamme sagt:

    Wenn dadurch ein paar schnieke Wohnungen im Westen frei werden, weil alle ins Banlieue parisienne ziehen, soll mir das Bauvorhaben sehr recht sein! Je länger ich mir die Illu anschaue … Architekten benutzen irgendwie immer dieselben Bäume und Muster-Menschen und sie lieben Smarts!

  • Vit sagt:

    oh gott, das wird alles so schlimm. auf die neue Bibliothek habe ich mich wirklich gefreut, da die am charlottenplatz zwar irgendwie charmant, aber auch sehr altbacken und eng ist. und jetzt sieht die neue von aussen aus wie aufgestapelte öffentliche Toilettenhäußchen. Die Glasbausteine sind furchtbar. der rest des viertels wird aussehen wie lbbw-gebäude meets pariser platz (der in berlin) – supi…

  • sascha sagt:

    bibliothek=ganz schrecklich…. sieht aus wie ein hochsicherheitstrakt für guantanamo rückläufer… kein wunder der entwurf ist über zehn jahre alt und wurde nicht wirklich überarbeitet!

  • Sebert sagt:

    Und neben der Heilbronner strasse wohnen? Ich weiß nicht so recht. Sicherlich gemütlich. Und die Erstbezieher werden sicherlich auch noch ihren Spaß an der Baustelle Gleisfeld bzw. dem dort entstehendem “Quartier” auf der anderen Seite haben.
    Die vermutlich saftigen mieten werden sicherlich nicht zum lebendigen Viertel beitragen. Stuttgart braucht ja Wohnraum, aber vor allem zahlbaren.
    Wer genug Geld hat findet hier schliesslich immer was 😐

  • westernbasti sagt:

    wer braucht eigentlich diese ganzen (hässlichen) neuen büro-tempel? wenn ich in der stadt unterwegs bin habe ich das gefühl, das in stuggi gerade ne gefühlte halbe millionen quadratmeter bürofläche zu vermieten sind…..

  • kutmaster sagt:

    Das stimmt. Und zwar um die 18 – 20 Euro pro qm… das können sich wiederum nur die grossen leisten und die wiederum sind entweder versorgt oder pleite… wir haben ein halbes Jahr nach einem bezahlbaren Büro gesucht. Unglaublich was alles so (teilweise seit Jahren) leersteht weil’s einfach zu teuer ist.

    Aber hey, super Idee noch mehr Bürogebäude zu bauen!

  • Glückskind sagt:

    versteht da einer die Logik! junge junge

  • cHiller sagt:

    vielleicht sind die ganzen Büros für die Insolvenzverwalter und Makler vorgesehen?

  • Nino sagt:

    Mit reichts! Ich zieh nach München! 😀

  • kutmaster sagt:

    Zuffenhausen-Rot FTW!

  • Thorsten W. sagt:

    Wenn ich mir hier die wiederholte und sicherlich berechtigte Diskussion so ansehe, dann frage ich mich: Wie sollte/könnte denn bezahlbarer UND attraktiver neuer Wohnraum aussehen? Noch mehr schicke Altbauwohnungen kann man im Westen halt nicht mehr bauen… und günstig wird’s meistens halt nur, wenn man viele Leute auf wenig Raum zusammenbringt… Und da wo die vielen leerstehenden Büroräume sind will wahrscheinlich auch wieder keiner wohnen.

    Das einzige was ich mir vorstellen könnte wäre die Umnutzung alter Industrieanlagen wie z.B. am Nordbahnhof – aber da fahren halt wieder die blöden Züge.

  • katha sagt:

    war vor kurzem im Frankfurt, dort entsteht auch gerade ein neues Viertel (Riedberg), dort ist’s wirklich sehr trostlos – trotz Uni, die im gleichen Rahmen dort erweitert wurde..wird sich bestimmt irgendwann mal ändern, aber das wird erst mal dauern..

    Eine schöne Idee mit den grünen Oasen, die dort in den Innenhöfen entstehen, stelle ich mir auch sehr charmant vor so mit Rollrasen, Plastikteichen etc. Schade nur, dass diese “Wohlfühlorte” nur von den Bewohnern der teuren Appartments aufgesucht werden können. Naja für die anderen Stuttgarter ohne Innenhofgärten bleibt ja als Naherholung noch der Schloßgart- ach shit da war was..

  • franzi sagt:

    @katha: 😉

  • julia sagt:

    Prinzipiell steh ich schon auch auf so schicke neubauten oder lofts. allerdings nicht in dem umfeld hinterm bahnhof. dann doch lieber etwas ausserhalb der innenstadt oder am stadtrand. aber neu ist immer geil.
    neue fenster und gedämmte wände, wo ich nicht nach aussen heize, fettes neues bad, neue funktionierende etagenheizung, evtl. tiefgarage, gescheite raumaufteilung… yeah I like

  • derPaddo sagt:

    Vorab nochmals 2 weitere Renderings:
    Innenhof:
    http://i728.photobucket.com/al.....tive02.jpg
    Außenfassade, Eingang Büro:
    http://i728.photobucket.com/al.....nsicht.jpg

    Muss gestehen mir gefällt das eigentlich ganz gut, das Gesamtkonzept (rein optisch) mit den anderen dort entstehenden Projekten erscheint mir recht schlüssig.

    Oder hätte ich das jetzt lieber nicht sagen dürfen? 😀

  • Jones sagt:

    @Nino Also ick als Exil-Schwabe fühl mir wohl in Minga. Gibt zwar kein Wulle hier, aber dafür genug leckeres Helles 😉

  • stadtteil sagt:

    ich glaub dieser private innenhof wird total super

    http://i728.photobucket.com/al.....fce897.jpg

    und auch die wohnungen sollen wirklich der hammer werden

    http://i728.photobucket.com/al.....ca1473.jpg

    mit küche mitten im wohnzimmer zu überhöhten preisen. genau darauf hab ich gewartet!

  • kutmaster sagt:

    kocht doch eh kein schwein mehr selber…. küche ist in dem fall einfach deko. innenhof sieht auch total hammer aus. richtig gemüüüüütlich ^^

  • Whiskydrinker sagt:

    Also wenn ich den Innenhof sehe, dann ist das wohl eher Clichy-sous-Bois statt Paris.

  • Philthy sagt:

    sieht für mich wie ein gefängnis aus. wenn die sirene ertönt, bitte alle auf den balkon/die loggia heraustreten 😀

  • der felix sagt:

    Oh mein Gott, der Innenhof! … würde man die Steinplatten grün anmalen würde es natürlicher aussehen, shit. Auch sonst find ich dat Dingen nicht sonderlich gelungen … bisschen mutigere Architektur wär da schon angebracht .. so wie das Z-up an der Heilbronnerstrasse … vielleicht nich jedermans Sache, aber da hatten die Architekten wenigstens die Eier, etwas mit Charakter zu machen.

  • Thorsten L. sagt:

    Die mittlere Führungsebene der alten Industrie hier in Stuttgart bekommt eben die Affengehege, die sie verdienen. Ganz weltmännisch dann Pariser Höfe benannt.

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