Fahrradauktion

(Frau Aussis neuer Sattel, Polizei gepr├╝ft)

Vor ├╝ber einem Jahr besuchten der Aussi und ich den Gemeinderat. Das war sehr lustig. Noch lustiger war damals der Auftritt vom Xinge.

Ich stand wartend bei dem Durchgang Rathaus in Richtung Conrad Electronics und sah ihn schon von weiter Ferne beim Classic Rock Caf├ę auf seinem Fahrrad herunter eiern. Er hat dabei total vergn├╝gt gro├čz├╝gige Schlangenlinien gezogen, als absolviert er gerade eine K├╝r bei der Kunstrad-WM. Gleich steigt er auf Sattel und die Stange und dreht noch eine Pirouette, dachte ich mir.

Weiterhin hatte er einen super Turnbeutel auf den R├╝cken geschnallt, der mich an meine Grundschulsportzeiten erinnerte, also so ein Polyester-S├Ąckchen mit einem Zuhziehb├Ąndel, f├╝r die Sportbux und die Hallenk├Ąsschuhe. Also genauso eine Tasche wie sie Jan Delay von Louis Vuitton besitzt.

Au├čerdem sass Wohni auf einem absoluten Schrottbock. Nicht das mein Rad bis auf die massigen Kessel.TV-Sticker unendlich geil w├Ąre, ganz im Gegenteil, aber Aussis Bike war schon bissle Sperrm├╝ll. Hab ich gelacht.

“Ey, hab ich von der Fahrradauktion!” Fahrradwhat? Ja, Transit-Janusch hat ihm davon erz├Ąhlt, zweimal im Jahr klopft das Fundb├╝ro herren- bzw. frauenlose Bikes f├╝r ganz arg wenig Euros raus. Und er macht da bald mal einen Artikel dar├╝ber, weil da geht┬┤s bestimmt total ab.

Fahrradauktion klingt tats├Ąchlich nach einer phantastischen Guten-Morgen-Unterhaltung, auch weil ich noch nie auf einer Auktion war, au├čer nat├╝rlich auf Ebay die Hand gestreckt zu haben.┬áZuf├Ąlligerweise hat┬áJana neulich den n├Ąchsten Termin verraten: heute, 9 Uhr, Fundb├╝ro, Hauptst├Ątterstra├če 66.

Im Versteigerungsraum angekommen wehte uns ein kr├Ąftiger Mock entgegen, ungef├Ąhr wie in einer S-Bahn, nur etwas st├Ąrker. Klar, circa 50, 60 Menschen auf engem Raum, da ist der Sauerstoff gleich alle.

Janusch war auch wieder da, er w├Ąre immer da, meinte er, die Qualit├Ąt habe aber mittlerweile etwas nachgelesen. Mittlerweile g├Ąbe es viele Metro-Shell-R├Ąder.

Die buntgemischte Meute – alle Geschlechter, alle Altersklassen, alle Einkommensklassen, alle Nationalit├Ąten – scharrte trotzdem schon gespannt mit den F├╝ssen. “Da dr├╝ben haben sich die Fixie-Fahrer positioniert”, raunte Janusch schelmisch. Vielleicht auf der Jagd nach einem passenden Rahmen? Ausschlachten nennt man das in der Autoschrauber-Szene.

Der Herr im wei├čen Hemd erkl├Ąrte via Mikrophon, dass mir irgendwie sehr ausgeschaltet vorkam, die Regeln. Gemerkt habe ich mir: Bis 100 Euro geht es in 3 Euro Schritten hoch, danach in 5er.

Anschlie├čend wurden einzelnd die R├Ąder reingeschoben und Marke, Rahmenh├Âhe, Bremst├╝chtigkeit und Schaltung angepriesen. Die Startpreise schwankten zwischen 1 und 40 Euro, soweit ich das noch richtig im Ohr habe. Das zweite Modell war z.B. ein Elektrorad.

Neben uns wollte einer wissen ob man das einfach so an den ┬áStrom anschlie├čen kann. Kein Plan. Ein ├Ąlterer Herr hat daf├╝r rund 150 Steine hingelegt.

Die R├Ąder sind wie gesagt allesamt herrenlos, evt. f├╝r eine Nacht geklaut, ins n├Ąchste Geb├╝sch gedonnert und von der Polizei eingesammelt bzw. im Fundb├╝ro abgegeben worden. Nach einem halben Jahr darf man sie wohl versteigern. Die Geschichten der R├Ąder bleiben jedenfalls wage, wie auch von diesem Rennrad, dem Highlight des Tages.

Da hat es mich schon kurz gejuckt. Aber halt kein Bares dabei gehabt, war ja nur wegen der Party da. Die R├Ąder m├╝ssen unmittelbar nach der Ersteigerung bei der freundlichen Kassenfrau bezahlt werden. Die Maschine ging f├╝r 205 Euro weg.

Zwischenzeitlich ist auch der Aussi zu unserer gro├čen Freude eingetroffen, aber nicht wegen der guten Unterhaltung, sondern weil er f├╝r seine Holde ein Radel ergattern soll.

Kurz darauf stand sein Traumger├Ąt auf dem Pr├Ąsentierteller. Kurzer Battle mit einer anderen Dame und schon war er f├╝r 36 Euro stolzer Besitzer eines gebrauchten Schlitten, definitiv Stvo-tauglich. Kurzer Applaus von seinen Fans.

Prinzipiell waren die Mountain-Bikes in der ├ťberzahl. Mal mehr, mal weniger attraktiv.

Nat├╝rlich musste ich noch in ein absolutes, klischeem├Ą├čiges Fettn├Ąpfen treten.┬áZum Abschied kam der Aussi nochmals in den Mock-Saal rein, wir klatschten in der Luft ab, was der Herr Versteigerer prompt als Gebot registrierte – damn!┬áDenn diesen “fancy” Rahmen, wie moderne Lifestyle-Magazine schreiben w├╝rden, wollte ich echt nicht haben.

Aber ging alles gut, ich bin gleich wieder ├╝berboten worden. Uffz.

Fazit: Wenn man auf der Suche nach einem Stadtrad zum Rumgurken ist, kann man hier schon f├╝ndige werden. Die meisten R├Ąder gingen zwischen 40 bis 80 Euro weg, einige wenige sprengten die 100er Grenze.

Die Fahrradauktion findet circa alle sechs Monate statt und wird u.a. von der Stadt Stuttgart getwittert bwz. auf deren Homepage angek├╝ndigt.

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