Der SA-100


So, wieder mal Zeit fĂŒr ein Jungs-Thema: der Soundcraft SA-100 von Conrad Electronics. Viele kennen ihn wahrscheinlich nicht mit Namen, aber erkennen ihn auf den Fotos oben. Ein Mixer. DER Mixer. Zumindest vor vielen Jahren, als die DJ-Kultur Einzug in Jugendzimmer und Hobbykeller gefunden hat.

Wenn irgendwo mind. 2 DJs zusammenstehen, muss man nur sagen, “kennsch noch den Mixer von Conrad?”, und schon geht die Nostalgie-Welle los. Weil jeder hatte den Conrad-Mixer, “der mit den BĂŒgeln”, zu Hause oder im Jugendhaus oder sonst wo.

FĂŒr MĂ€dchen muss man erklĂ€ren: Der Conrad-Katalog war frĂŒher so was wie der Disc Center-Katalog, aber mehr so fĂŒr die Bastler. Da gab es alles von der LĂŒsterklemme ĂŒber die LED bis zum 30 cm Basslautsprecher, mit dem man seine selbstgebastelten Boxen veredeln konnte. Und eben auch Plattenspieler und Mixer und Discolichter. Der Katalog war so dick wie die Gelben Seiten und die Bibel all jener Jungs, die einen Lötkolben zu Hause hatten.

Ich hatte keinen Lötkolben und hab mir auch noch nie selber Boxen gebaut, aber mein Bruder, und er hatte natĂŒrlich immer den neuesten Conrad-Katalog. Wer den Flair von damals nachvollziehen will, der kann mal in die Conrad-Filiale in Stuttgart gehen, da gibt’s Nerd-AtmosphĂ€re inklusive Pickelgesichtern und schlechter Luft gratis.

Meine erste Begegnung mit dem SA-100 war mit 15, als ich auf der Realschule (spĂ€ter WG, Alter!) bereits in der 9. Klasse, also 1 Jahr frĂŒher als alle meine VorgĂ€nger, DJ bei der Schuldisco sein durfte. Von den 10.-KlĂ€sslern hatte irgendwie keiner Bock. Da gab es also nicht nur mannshohe, in der Technik AG selbstgebastelte Discoboxen und den unvermeidlichen Stroboskopblitz aus dem Physik-Materialraum, sondern auch den SA-100.

Ich hatte vorher noch nie auch nur ansatzweise “aufgelegt”, auch nicht zu Hause – meine Qualifikation bestand einzig darin, dass ich in der SchĂŒlerzeitung ab und zu was ĂŒber neue CDs geschrieben hatte. Ich hatte nicht mal selber genug Musik fĂŒr einen ganzen Abend und musste noch ein paar Bravo-Sampler von MitschĂŒlern einsammeln.

Die Discos waren auf jeden Fall ein großer Erfolg, ich stand in der Aula auf dem ersten Treppenabsatz und genoss meinen ersten Ruhm. ÜbergĂ€nge gab’s natĂŒrlich nicht, das Mischpult diente auch nur dazu, die beiden Hifi-CD-Player auf einen Kanal zusammenzufĂŒhren. Aber das Prinzip mit Crossfader und den beiden KanĂ€len hatte ich immerhin nach kurzer Zeit kapiert.

1-2 Jahre spÀter begegnete mir der SA-100 dann wieder, und zwar bei meinem Kumpel Rosi. Einer der besten und coolsten Freunde, die ich je hatte. Ein bisschen wie der Ante, so vom Knuddel-Faktor her. Der war ein paar Jahre Àlter als ich, ich hatte ihn in meiner damaligen Stammdisco Old Abby in Messkirch kennengelernt und er war sowas wie ein Hobby-DJ.

Er hatte eine fĂŒr meinen Geschmack ziemlich umfangreiche Plattensammlung, zu der Zeit viel Techno und Trance, den SA-100 und zwei Plattenspieler von Conrad. Die waren sogar pitchbar, mit einem DrehrĂ€dchen. Und hatten Riemenantrieb – im Gegensatz zum legendĂ€ren Technics 1210, der direkt angetrieben ist. Der Unterschied ist ungefĂ€hr so wie von einem Trabbi zu einer S-Klasse.

Rosi hat Plattenspieler und Mischer samt Techno-Platten dann irgendwann bei mir im Kinderzimmer abgestellt – er meinte, er hĂ€tte gerade keinen Platz, ich glaube aber, er wollte mir (armem SchĂŒler) einen Gefallen tun. So ist er, der Rosi. Und so hab ich dann in meinem Kinderzimmer mit riemenangetriebenen Plattenspielern auflegen gelernt – die harte Schule. Es gibt aus der Zeit noch legendĂ€r schlecht gemixte Techno-Tapes.

Der SA-100 an sich zeichnet sich vor allem durch seine Robustheit aus – ich möchte nicht wissen, in wie vielen JugendhĂ€usern er heute noch brav seinen Dienst tut. Ansonsten war er ausgestattet mit sieben getrennten KanĂ€len (2 Phono, 3 Line, 2 Mic), einer schön pyramidenförmig angeordneten LED-Anzeige, einem Crossfader, einem Kopfhöreranschluss und nicht viel mehr. Equalizer sind etwas fĂŒr AnfĂ€nger.

Bei eBay werden immer noch immer wieder SA-100 versteigert – jetzt zugreifen!

34 Comments

  • skp sagt:

    XD den hatte ich auch

  • Joris sagt:

    Ha, mein Dad hat auch so einen. und er hatte ihn seit ich denken kann (also mindestens 3 Jahre).

  • Ken sagt:

    boah,
    das war von jeh her so ein verteufeltes scheissding!!!
    da hab ich schon damals gleich versucht, den kleinen battlemixer von vestax (kleines graues kischtle mit roter sportlackierung/ stand auch im oz) zu ergattern. denn von nix kommt nix!

  • frico sagt:

    Jaaa, auf den Beitrag hab ich gewartet. War original auch der erste Mixer mit dem ich angefangen habe und das war 1985! gehörte einem meiner Kumpels (Fraktion Löt-Nerd). Dann kamen ein paar jahre darauf die kleinen Gemini und Vestax Mixer.
    Ich glaube den gibt’s sogar immernoch im Conrad zum kaufen 😀

  • Whiskydrinker sagt:

    Nein Frico, den gibt es nicht mehr zu kaufen. Generell gibt es kaum noch was von “Soundcraft”. Mittlerweile gibt es da auch nur noch Behringer, wenn es billig sein muss. (Der Niedergang der Marke Soundcraft an sich ist auch interessanterweise ein StĂŒck weit mit dem Verschwinden der DDR verknĂŒpft.)

    Nerdhimmel ist der Conrad ĂŒbrigens schon lange nicht mehr. Der Laden ist eher das Grauen fĂŒr jeden Bastler.

    Ich repariere ziemlich viel selbst daheim. Das ein Laden nicht unbedingt jedes Bauteil auf Lager haben kann ist klar. Aber wenn ich dann z.B. bei einer Videospielplatine die Elkos im VerstĂ€rkerteil (alles ganz normale Werte) tausche und der blaue Klaus (bzw. mittlerweile Werner) ĂŒber die HĂ€lfte nicht auf Lager hat, dann macht das keinen Spaß mehr.

    Das einzig positive ist, dass man sich den Kram umsonst in die Filiale liefern lassen kann. Ansonsten bestelle ich lieber gleich beim Reichelt oder in richtig harten FĂ€llen bei Farnell, Segor oder Schuricht.

    Und weil das hier ein Stuttgart-Blog ist, gehen wir nochmal etwas in die Geschichte der Stadt.

    In den 80ern gab es in Stuttgart zu Hochzeiten fĂŒnf ElektroniklĂ€den.

    – Arlt: Ja, der Laden wo heute nur noch Computerteile in ganz SĂŒddeutschland macht, war frĂŒher mal ein ordentlich sortierter Elektronikladen hier in Stuttgart. Er sitzt auch seit dem Bau des GebĂ€udes in der Torstraße am Österreichischen Platz.
    – Conrad: War frĂŒher besser sortiert. Ist aber mittlerweile leider so ziemlich der einzige Laden fĂŒr Elektronikteile in Stuttgart, denn…
    – DrĂ€ger: Ich war noch nicht im neuen Laden. Aber hinsichtlich Bauteilen geht es da schon lĂ€nger bergab. Immerhin wissen die Mitarbeiter dort, im Gegensatz zu Conrad, was eine Vergleichstabelle ist.
    – Völkner: War frĂŒher da, wo heute dieser Bastelladen unter dem Kaufhof-Parkhaus ist. War nie so gut sortiert, aber billig. Wurde irgendwann vom Conrad geschluckt.
    – Worch: Seit Urzeiten am Neckartor. Hat leider schon vor ein paar Jahren mit Bauteilen aufgehört und macht jetzt nur noch Akkus. Der hatte wirklich irgendwie alles in seinem kleinen Laden. FĂŒr Akkus ist er aber wirklich toll.

    Irgendwie stirbt halt die Kunst leider aus, Dinge zu reparieren. Und mit ihr sterben die dazugehörigen GeschÀfte.

  • Thorsten W. sagt:

    @Whiskydrinker: Coole Infos, Danke!

  • Skully sagt:

    wenn das nich mal n thema fĂŒr mich is 🙂

  • Busy-Icer sagt:

    ach du scheisse ich dachtre whiskydrinker wĂ€re skully 🙂
    skully trinkt auch gerne whiksy und bastelt auch gerne rum…
    skully du verwirrst mich jetzt voll =/

  • die Adi sagt:

    fĂŒr meine Thesis habe ich stĂ€ndig was bei Conrad bestellen mĂŒssen
    der Katalog umfasst inzwischen 2 Gelbe Seiten 😀
    manche teile feindet man eben nicht so leicht auf der Hompage

  • sunset sagt:

    ich erinnere mich immer noch gerne an die leichtgĂ€ngigkeit der fader 🙂

  • Skully sagt:

    @icer: ja, ich drink gern Whisky und basteln tu ich au…
    möchte mich hiermit auch als ehemaligen Stammkunden (vor den Akkus) von Herrn Worch outen – was ich den armen Mann als KInd genervt hab, oh man… 😉 mittlerweile beziehe ich meine Bauteile bei Reichelt, Conrad oder Farnell, je nachdem wer was hat wa sich grad sonst so brauch…

  • martin sagt:

    hatte dieses wunderwerk der technik natĂŒrlich auch, glaub 1993 gekauft. 199 mack waren es meine ich, war aber auch gottes froh als ich mir ein paar jahre spĂ€ter einen mit ein paar mehr reglern rauslassen konnte, marke leider vergessen. in so einem laden am wilhelmsplatz, name fĂ€llt mir absolut nicht mehr ein. soundirgendwas? hatte auch ein kleines angebot an vinyl.

    der neue drĂ€ger ist ĂŒbrigens hell, freundlich, angenehm. und der conrad ist fĂŒr mich seit letzter woche der Stuttgarter HDMI-Kabel-Laden schlechthin. hab gefĂŒhlt nur HDMI-Kabel gesehen.

    p.s.: ja whiskydrinker und skully sollten sich wegen diverser gemeinsamer leidenschaften mal zusammen setzen 😉

  • Skully sagt:

    laden am wilhelmsplatz -> c&g showtechnik (sind jetz in fellbach)
    beim louis und beim sven hab ich frĂŒher meine anlagen ausgeliehen und meinen vestax 05er gekauft…

  • martin sagt:

    ja klar, ich hirbel. war ja auch unser pflegeleichtester dauerkunde im sub culture. wie konnte ich den vergessen?

  • Heslach Buddah sagt:

    musste den conrad-mixer zum glĂŒck nie ausprobieren. der erste mischer war damals der monacor mpx 7600 – http://www.hifibazar.hu/files/images/dec%20231.jpg. War stolz wie bolle nachdem ich mir 4 wochen lang den arsch in nem lager dafĂŒr aufgerissen hab. die effektsektion war der hammer ;-). so 8 bit future computer sounds, wie man es von so 1 euro handyattrappen kennt – LOL

    danach musste dann ebenfalls der verstax pmc 05 trix her, den man schon aus dem oz kannte und austauschbare fader hatte. hammer!

    btw.: kann mich noch gut dran erinnern, dass im oz ein cross-fader maximal 14 tage gehalten hat und dann schon der nĂ€chste eingbaut werden musste, da die kontakte im arsch waren. da gabs noch nicht so tolle penny & giles fader im dj-bereich oder ne eq-sektion pro kanal und die amerikanischen klassiker von rane, bozak oder urei standen in keinem stuttgarter club. falls jemand einen hat, ich wĂŒrde mir immer noch ein kaufen – OLDSCHOOL ROTARY RULES!

  • Ken sagt:

    oh ja, rotary fader!!!

  • TTS sagt:

    Jaja, das war auch mein erster Mixer. So ein scheiss Teil. Ich habe es gehaßt, weil die Fader stĂ€ndig kaputt waren und zu kratzen anfiegen. Das Teil war mehr in der Reparatur als bei mir zu hause.

    Was SA-100 fĂŒr zu Hause war, war der Dynacord M1 fĂŒr den Club. Die ÂŽFader waren gefĂŒhlt 50 cm lang und das Teil hatte das Ausmaß eines Kleinwagens 🙂

    Conrad ist wirklich kein Laden mehr fĂŒr DJ-Technik, dafĂŒr riecht es es heute in der HĂŒtte wie im Zoo.

  • Ken sagt:

    dynacord M1 – auch so ein albtraum! Ich glaube, da gabs keinen in stuttgart, der einen funktionierenden crossfader hatte. der heyl hat uns mal einen ausgeliehen und als wir anmerkten der crossfader sei defekt hat er uns angeblafft: des isch normal so!!!

  • martin sagt:

    wie groß war der nochmals? fast 2meter breit oder? menschen mit teleskop armen waren gesegnet.

  • Heslach Buddah sagt:

    au ja der m1 mischer. nachdem man vorher in der kompletten stadt mit dem dynacord sm 8030 (kosten ca. 5000,- Mark) http://ko.wikizic.org/1-043-04.....M-8030.jpg auflegen musste, war der m1 eine echte erlösung, auch wenn mir zu der zeit ein rodec-pult lieber gewesen wÀre. pioneer und allen & heath waren damals noch nicht am start ;-).

  • Ken sagt:

    pioneer mĂŒsste auch heute noch nicht am start sein…

  • Thorsten W. sagt:

    Steht der Dynacord eigentlich im neuen Marshall auch noch?

  • Sebert sagt:

    Habe den SA-100 heute noch hier stehen, wenn auch nicht obiges Modell mit farbigen Potis/Reglern sondern ganz uniform. Damals, als ich mich als werdenden DJ sah, mit 16 mit dem Konfirmationsgeld fĂŒr (glaube ich) 200 Mark erstanden. War bei den Klassenpartys mit dem Ding damals der Held !
    Benutze ihn heute noch um HTPC, PC & Cd Player in meinen ebenso alten maroden VerstÀrker zu routen.

    Good Times !

  • martin sagt:

    haha, satz des tages 🙂

    “Benutze ihn heute noch um HTPC, PC & Cd Player in meinen ebenso alten maroden VerstĂ€rker zu routen.”

    sehr gut. 199 mack waren es, genau. ich hab ĂŒrigens auch die uniform version. weiß aber gar nicht mehr ob der noch im elternhaus keller rumfĂ€hrt oder nicht

  • goldjunge sagt:

    “Benutze ihn heute noch um HTPC, PC & Cd Player in meinen ebenso alten maroden VerstĂ€rker zu routen.”

    Richtig!
    Rennt wie ne Eins, wenn man genug Kraft fĂŒr die Regler hat 🙂
    Meiner: http://img638.imageshack.us/i/img1003k.jpg/

  • Heslach Buddah sagt:

    @thorsten: die hatten noch nie den dynacord. das war & ist der rodec auf den alle technos so ab mitte der 90er geschworen haben ;-).

  • Thorsten W. sagt:

    War das nicht der auf Deinem Bild? Dann hab ich mich getĂ€uscht…

  • Ken sagt:

    @ heslach buddah:
    nicht alle, mein lieber!!! 😉

  • Cabura sagt:

    Klassische Einstiegsdroge aus den neunzigern –

  • ja so musste ich es auch lernen, nur das ich mir das ding von einem Freund ausgeliehen hatte und dann spĂ€ter die Geminis mir angetan habe.

    Die harte Schule der riemengetriebenen Plattenspieler habe ich auch lange, lange, lange,… durch lebt. 😉

  • Heslach Buddah sagt:

    @ken: ich wollte auch nie nen rodec haben. aber ich will bis heute immer noch nen vintage rane, urei oder bozak. aber das wird dann erst was wenn ich ins rentenalter komme. solange dann immer noch den xone 92er. klingt einfach fett und warm – auch wenn viele in stgt. ein problem mit ihm haben 😉

  • Markus sagt:

    Nicht Vu vergessen ist der legendĂ€re Conrad Lichtcomputer DLC 2820 (hergestellt von Auerswald) Ein StĂŒck Hightech fĂŒr das Volk.
    Die Lampen wurden leider nur mit Halbwelle betreiben, weil Thyristoren statt Triacs.

    Noch erwÀhnenswert:
    – Discolautsprecher von MC Farlow (Völkner Elektronik)
    – Conrad WPA-600 Pro Endstufe

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