Uwe Bogen: Her mit dem schönen Leben

Wenn man in Stuttgart als Stift seine Kohlen verdient, trifft man zwangsläufig immer wieder auf die selben Kollegen. Den Herrn Setzer löst man beim Afrob-Interview im Medienhaus ab, Martin unterstütze ich am liebsten bei seinen Reportagen an der Stange in der Corso und Uwe Bogen läuft man unter Garantie am Rande der roten Teppichles dieser Stadt über den Weg.

Uwe ist Gesellschaftsreporter bei den Stuttgarter Nachrichten und mit Joe Bauer das Highlight dieser Zeitung. Jetzt hat der altgediente Journalist mit „Her mit dem schönen Leben“ mal eben einen feinen Roman in die Tasten gehauen, der ideal zum anstehenden Sommer passt. Mit kessel.tv sprach Uwe Bogen über Marathon, Grundgarstigkeit und Schweizer Interesse an Stuttgart.

Du schmeißt bei den Nachrichten das Vermischte, jetzt hast du auch noch ein Roman herausgehauen, dein siebtes Buch bereits. Ist dir langweilig?

Bogen: Langweilig ist mir selten. Aber nach einer Knie-Operation im vergangenen Sommer konnte ich sechs Wochen lang nur wenig machen außer daheim rumhängen. Da habe ich das meiste der Geschichte verfasst.

Was ist die Idee hinter dem Buch?

Bogen: Die Idee war, über Irrtümer des Lebens und der Liebe zu schreiben. Vieles ist gar nicht so, wie es scheint. Der Protagonist fürchtet, seine Frau habe ihn verlassen, weil alle Anzeichen dafür sprechen.

Die ausweglose Lage, in der er sich zu befinden scheint, weil auch noch im Büro angeblich eine Intrige gegen ihn läuft, zwingt ihn dazu, über Grundsätzliches in seinem Leben nachzudenken. Da kommt er auf eine ganz neue Sichtweise.

„Her mit den schönen Leben“ ist mein siebtes Buch, aber nicht mein siebter Roman. Ich habe einige Stuttgart-Bücher geschrieben, etwa über die Königstraße. Zeitungsartikel sind Kurzstrecken. Ein Marathon ab und zu macht mir Spaß.

Wie viel von dir selbst steckt in dem Buch?

Bogen: Ich habe versucht, die Hauptperson des Buches weit weg von mir anzusiedeln. Natürlich gelingt das nicht immer. Der Protagonist bekennt sich dazu, an einer gewissen Grundgarstigkeit festzuhalten. Seine kratzbürstigen Fähigkeiten, sagt er, hat er im Laufe der Jahre gut entwickelt. Das gefällt mir auch für mich.

Das große Finale des Buchs steigt in einem Musical-Center, zuvor gab es eine wichtige Szene in einer Dinner-Show und an einer Hotelbar in der Nähe der Messe. Die Stuttgart-Bezüge sind überall da, ganz konkret sprichst du die Stadt als Ort der Handlung aber nicht an. Wieso?

Bogen: Das Buch erscheint in einem Verlag in Zürich. Es ist vor allem in Schweizer Buchhandlungen zu finden. Und da interessiert man sich nicht so sehr für Stuttgart. Außerdem habe ich ja zuletzt einige Stuttgart-Bücher geschrieben, da wollte ich mal was anderes machen.

Protagonist Felix hat sich „Her mit dem schönen Leben“ als Lebensmaxime gewählt nach einem Graffito im Stuttgarter Süden. Was macht für dich schönes Leben aus?

Bogen: Gesundheit und Zufriedenheit mit sich selbst, antwortet man auf diese Frage gern. In dem Buch sagt der ältere Tenor, bei dem auch nicht immer alles rund gelaufen ist: Man kann das Leben nicht immer verstehen, viel wichtiger aber ist, es zu genießen.

Er spricht von seinem Hund Caruso. Ein Hundeleben sei so wunderbar einfach gestrickt. Caruso weckt die guten Seiten in ihm und stimmt ihn milde, sagt er. Von ihm lerne er, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Uwe Bogen: Her mit dem schönen Leben, KaMeRu Verlag, Zürich 2010

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