Car Wash

Samstag in der Waschstraße
 Gute Laune? Bestimmt nicht.

Es gibt ja diese Situationen, da sieht man vor lauter BĂ€umen den Wald nicht mehr. Einigen Menschen geht es so, wenn sie ein Flugzeug betreten. Dann finden die vor lauter Sitzen ihren eigenen nicht oder vergessen sĂ€mtliche Umgangformen. Ich habe mich darĂŒber schon einige Male köstlich amĂŒsiert. („Was sind das fĂŒr Dinger da ĂŒber meinem Sitz?“ – „Sie meinen die GlĂŒhbirnen? Das sind Lampen“ – „Ach so.“)

Nun hat mich die Strafe ereilt. Knallhart an einem Samstag Vormittag in der Waschstraße. Ich hab’s nicht so mit Waschstraßen. Das ist nicht mein Terrain. Aber jetzt kam ich nicht drum herum: Das Auto musste Montag zum TÜV und da sollte es sich ja von seiner besten Seite zeigen.

Samstag um 10 war’s also soweit. Dachte, ich mach mich frĂŒh auf den Weg. Bekanntlich waschen die meisten schwĂ€bischen Herren am Samstag ihr Heilig’s Blechle. Es war also nicht nur nicht mein Ort, sondern auch nicht meine Zeit. Das zur Verteidigung.

Mr. Wash am Pragsattel – der eine oder andere stolze Autobesitzer mag es kennen – ist wirklich riesig. So riesig, dass ich eigentlich schon von den Ausmaßen ĂŒberfordert war. Riesige Schilder, riesige Preislisten und riesige Fahrbahnen. Das EinfĂ€deln vor den KassenhĂ€uschen hat mich ein wenig an die Maut an der Golden Gate Bridge erinnert.

Erstes Problem: Der hochmotivierten jungen Dame an der Schranke erklÀren, dass mein Fiat nur das 5-Euro-Basic-Programm bekommt. Nix Extra-Leistung. Hab ich noch gemeistert. Und einen Gratis-Saugen-Gutschein habe ich auch bekommen.

NĂ€chster Punkt: Die Waschstraße. In meiner Erinnerung war das eine Maschine. Jetzt fahre ich in einer Halle ein, in der verteilt ein paar Jungs mit Schlauch stehen. Bin verwirrt. Sind die 1-Euro-Jobs schon so weit, dass man die Automaten abgeschaltet hat? Scheint so.

WÀhrend ich noch nachdenke, winkt mir ein junger Herr ungeduldig zu. Also fahr ich hin. Unterwegs werde ich so eingeschÀumt, dass ich gar nix mehr sehe. Und jetzt? Schaum mit dem Scheibenwischer entfernen? Muss wohl. Der junge Mann lÀuft einmal um den Punto und schaumiert. Soweit so gut, ich fahre weiter.

NĂ€chster junger Mann. Ich bin schon etwas entspannter. Er shampooniert (wohl ein anderes Shampoo) die Front. Dann ist er weg. Ich fahr ein StĂŒck vor, da brĂŒllt’s hinter mir. Ah so, die RĂŒckseite. Das muss schon sein. Ich den RĂŒckwĂ€rtsgang rein, damit er fertig shampoonieren kann. Ups. Fast hĂ€tte ich ihn ĂŒberfahren. Wie soll ich bei dem ganzen Schaum auch was sehen.

Bin schon ziemlich entnervt, da kommt endlich dieser Waschautomat an den ich mich noch erinnere. Der nÀchste junge Herr winkt mich auch schon leicht genervt auf das Laufband. Stresst mich etwas. Ich muss doch noch die Antenne abmachen. Hat Paps extra gesagt. Jetzt ist es zu spÀt. Ich bin auf dem Band. Was mach ich jetzt mit der Antenne?

WĂ€hrend ich mir noch was Hirn zermartere, kommt ein Schild: „Bitte starten sie jetzt wieder ihren Motor.“ Ups. Den hatte ich natĂŒrlich gar nicht ausgemacht, vor lauter Antenne. Bilde mir ein hinter den ganzen BĂŒrsten eine Horde junger MĂ€nner zu sehen, die mir einen Vogel zeigen. Schnell ignorieren und raus hier. Der Gratis-Saugschein kann mich mal. Ich muss hier weg.

Und das Schlimme an der Geschichte: Die TÜV-Plakette habe ich am Montag auch nicht bekommen. Aber das volle Mitleid des TÜV-Mannes: „Ihr Auto sieht sehr gepflegt aus. Schade, dass die Lenkung kaputt ist.“ Na, danke. NĂ€chstes mal bin ich ja so was von nett, wenn einer das G 425 auf seinem Flugticket fĂŒr seinen Sitzpatz hĂ€lt und die Reihe nicht findet. Versprochen.

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