Sekt & Käsestangen:
Dumm 3.0 – ein Nachbericht

Unsere Leser sind einfach großartig. Felix hatte gestern Abend kein Bock auf Champions League und hat sich mal angeschaut, was der Herr Reiter so drauf hat, nachdem dieser auf unserem Blog ein wenig auseinander gepflückt wurde. Ein amüsanter Nachbericht.

Liebes kessel.tv Team,

neugierig geworden durch euren Post, schlug es mich gestern Abend tatsächlich zur Veranstaltung in die Stadtbücherei (hatte eh Zeit, bin nämlich kein großer Fan von Fussball).

Und was soll ich sagen?! War wirklich eine lustige Runde dort versammelt mit einem durchaus coolen Markus R., der es verstand, die großen Probleme der wehklagenden Printwirtschaft pointiert vorzutragen ohne dabei aber die neuen Entwicklungen zu verurteilen.

Aber von Anfang an: Pünktlich um 19.30 saßen, von mir persönlich abgezählte, 43 Leute jeden Alters brav in ihren Reihen, um dem Dialog zwischen Reiter und irgendeinem Fuzzi von der dpa zu lauschen, der sich große Mühe gab, seine Fragen im perfekten Kerner-Stil vorzubringen.

In meiner Reihe hatte sich außerdem ein kleiner Stoßtrupp (vier bis sechs Personen) der Piraten-Partei positioniert und seine Laptops entsichert, wohl, um jedes böse Wort von Herrn R. über ihr geliebtes Netz online sofort zu zerfleischen. Hätte an dieser Stelle gerne ein Bild gemacht, aber ich hab leider das Kabel nicht mehr mit dem man mein Handy mit dem PC…

Nun ging es also los! Herr Reiter hatte zuerst 45 Minuten Zeit im Dialog mit Herrn dpa-Kerner sein Buch vorzustellen, danach durften sich auch die Piraten, Hausfrauen, Pensionäre, Hobby-Pädagogen, etc. mit einklinken.

Zum Inhalt des Buches nur soviel: ein reißerischer Titel verkauft sich halt einfach gut, gell?! (We love Marketing) Was den Autor aber eigentlich “reitet” (wuahaha!), ist nur der Gedanke, dass es zwischen Zeitungen wie der FAZ oder dem Spiegel und andererseits den Blogs von einigen Hanseln einen großen Unterschied gibt: Stichwort Qualitätsjournalismus.

Er lese natürlich auch Blogs, nur sollten die Leser hier eben selbst selektieren und nicht sofort jedes Wort glauben (da subjektive Berichte und so). Der alte Spruch vom Masshalten eben, kenn ich von zuhause: “Alkohol heut nur in Maßen Felix, gell, muscht noch fahren.” – “Ja, Papa.”

Viel lustiger war dann die anschließende Disskusion mit den Zuhörern: der Plan der Piraten lautete wohl, den armen Markus in die Enge zu treiben; allerdings kam dieser Plan nicht von Hannibal Smith und der Markus war wohl auch besser vorbereitet als sie dachten!

“Auch die dpa und andere namhafte Medien wollen uns eine Meinung aufzwingen und uns beeinflussen, das Netz aber ist offen und demokratisch!” – “Haben Sie dafür Beispiele parat?” – “Äh nein…”

Sehr lustig auch eine resolute Dame am Ende der Veranstaltung, die ewig von irgendetwas faselte: “Wir haben leider nicht mehr viel Zeit, bitte kommen Sie zum Ende Ihrer Frage!” – “Das ist keine Frage!” – “Ach so.”

Alles in allem also besser als Fernsehen, es gab ja auch noch Sekt und Käsestangen; das Buch würde ich mir aber trotzdem nicht kaufen, weil jeder halbwegs kluge Mensch weiß, dass im Internet auch viel Quatsch steht und deswegen Zeitungen etc. nicht ausgedient haben!

6 Comments

  • jo sagt:

    komischer Fatzke,
    bestimmt kein Kumpel von König-Lobo …

  • Annette sagt:

    Ich hab mal mit Markus zusammengearbeitet.
    Fällt mir grade auf, wenn ich das Bild so sehe. Aber beim Namen hab ich nicht geschaltet. Aber Zeit hätte ich gestern leider eh nicht gehabt.

  • PhilGrooves sagt:

    Der entscheidende Fakt in dieser Diskussion, der immer wieder (auch hier wieder, wenn vielleicht im Blogpost unbedacht) erfolgreich unterschlagen wird ist nun mal folgender: Im Internet steht viel Blödsinn, in Blogs wird auch mal falsch berichtet. Aber in Zeitungen ist das nicht anders, nur weil sie aus Papier sind oder schon länger existieren – da steht verhältnismäßig genauso viel Blödsinn drin. Aus irgendeinem Grund glaubt man denen aber mehr. Wohl Gewohnheit.

    Ironischerweise machen ausgerechnet Blogs wie die vom BILDBlog oder von Herrn Niggemeier immer wieder die reale Unzulänglichkeit traditioneller Medien deutlich. Wahrscheinlich wollten die Herren Pirat sowas in der Art auch sagen als sie die Demokratie des Netzes angesprochen haben: Jeder kann berichten und öffentlich diskutieren, ohne erst Journalismus zu studieren und einen Job bei einer Zeitung mit genügend Reichweite bekommen zu müssen.

  • white_samurai sagt:

    Ist das nicht vielleicht auch das tolle am self-made-journalismus des Internets, dass all die Wissenden und doch überwiegend Unwissenden alles in eine Tonne werfen. Wir unseren eigene Meinung “trash” daraus Sammeln können um unsere Meinung zu hinterfragen ?!?

    Darüber lässt sich auch wieder streiten 😉

    Sei mal so dahingestellt!

  • floow79 sagt:

    Hatte mal ein 2-tägiges “Klardeutsch” Seminar bei dem guten Herrn Reiter. In Sachen Kommunikation können Piraten und andere Freunde der WWweiten Welt die Segel da gleich mal unten lassen. Meinungsbildung und Gehirn einschalten ist On-und Offline empfehlenswert.

  • kennrich sagt:

    Ich denke, hier geht es gar nicht so sehr darum, das Internet mit dem Printjournalismus zu vergleichen, sondern dass in beiden Medien mittlerweile eine derartige Ansammlung von Halbwissen und Abgeschriebenem rausgeblasen und als Fakt verkauft wird ohne “gelernte” Regeln zu beachten (Quellenangaben etc.), so dass viel Quatsch behauptet werden kann. Und wenn wir denken, das wäre alles ach so demokratisch, dann überschätzen wir uns dermaßen in unserer Kompetenz: Funktionierende Demokratie benötigt Zeit und Hintergrundwissen, um Wahres vom Falschen trennen zu können. Dafür gibt (gab) es gelernte Journalisten und Regeln. Vorbildlich heute noch “Die Zeit” mit Pro- und Contra-Meinungen. Es nützt gar nix, wenn Dementis und Kritik im 283. Post bei den Kommentaren stehen-die Schlagzeile hat sich im Netz verewigt. Und so hört man immer wieder, dies und jenes wäre genau so, weil man’s “im Internet gelesen hat!” Einst nannte man das “Stammtischwissen”. Mir geht es heute so, dass ich alles unter Vorbehalt lese-und so auch nur noch unter Vorbehalt ne Meinung bilden kann. Und, nein, ich bin kein ängstlicher Ablehner des Internet, nur ist mir in Anbetracht dessen, dass viele ihre Meinung aus Google-Treffern beziehen vieles zu schlampig darin.
    Den Internet-Journalismus in der jetzigen Form und dessen Verbreitung über Social Networks als überwiegend schlecht zu kritisieren, bedeutet nicht, die Demokratie zu kritisieren-oder war die Bildzeitung und deren Meinungsmache etwa schon immer das Sinnbild für Demokratie?

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