Oh mein Gott! Schuhe!

Vergangenen Samstagmittag war ich nach einem okayen 27 Kilometer Lauf mit Freundin noch bissle in der City. Sie wollte primĂ€r ein StĂŒck Kuchen essen, evt. nach Schuhen schauen, und ich nach einem bestimmten Paar Sneaker.

Also kurz im Flashgib mit Busy Icer und Dami abgeklatscht, das anvisierte Modell fĂŒr nicht cool empfunden, aber dafĂŒr schönes Hemdchen in astreiner Geschirrtuch-Optik gekauft. Is ja gerade angesagt und da macht man gerne zwei Jahre spĂ€ter auch mal mit.

Danach steuerten wir fĂŒr die Dame die gute Sigrun Woehr an. Sigrun Woehr ist soweit ich weiß, man möge ich korrigieren, in Sachen Damenschuhen so mit die Nummer 1 in Stuttgart.

Die Gute fĂŒhrt in der Innenstadt rund um den Markplatz im Abstand von circa 200 Metern zwei LĂ€den. Einen mit Mondpreisen, wie der Krupa sagen wĂŒrde (nix unter 300 Tacken das PĂ€rchen, wenn ich das Schaufenster richtig ĂŒberflogen habe), und einen in der Hirschstraße/ Ecke Schulstraße mit sehr starken Preisen – fĂŒr manche Stuttgarterinnen sicherlich die Cheap-Line.

Die Cheap-Line ist der Hammer. Der Shop ist circa 1,5 Quadratmeter groß. An einem durchschnittlichen Samstagnachmittag tummeln sich darin circa 300 Frauen und nochmals 350 VerkĂ€uferinnen, die in Hochleistungssportler-Manier die Wendeltreppe zwischen LadenflĂ€che und Lager hin und her spurten.

Magdalena Neuner wĂ€re also rein konditionsmĂ€ssig sicherlich eine optimale Fachkraft fĂŒr Sigrun Woehr – falls jemals das Personal ausgehen sollte.

Das ganze Grauen war schon von außen zu sehen. Also fragte mich meine Freundin fairerweise, ob ich denn nicht draußen warten möchte. Aber gerne doch.

In diesem Moment kam ich mir zum ersten Mal in meinem Leben so richtig vor wie mein Vater. Den hat meine Mutter, insbesondere bei zahlreichen Österreich-Urlauben in den 80ern und FrĂŒh-90ern, ebenfalls stets vor der TĂŒre geparkt, wenn sie – frisch angekommen – als allererstes die örtliche Neubesohlungs-Auslage gewissenhaft zu ĂŒberprĂŒfen hatte.

NatĂŒrlich aber musste mein Papa, wenn es an die engere Auswahl ging, beratend zur Seite stehen. So wie ich am Samstag. TĂŒr auf, Freundin kommt raus, kannsch mal kurz kommen, gucken?

Dann steh ich also mitten im Schlachtfeld aus besagten 300 Frauen, 350 VerkĂ€uferinnen und 3000 Paar Schuhen – und drei Quoten-MĂ€nnern. Wenn mir noch einer jemals erzĂ€hlt, dass wir MĂ€nner JĂ€ger sind, dann schick ich den- oder diejenige(n) zu Sigrun Woehr; jeder Bison auf dieser Erde muss sich unendlich vor einer im Shopping-Schuhwahn jagenden Frau fĂŒrchten.

Und wie ich halt so bin, rutschte mir nicht ganz ĂŒberhörbar raus: „Alta, was geht denn hier eigentlich ab?“ Eine pfiffige Mit-Dreißigerin drehte sich prompt um und lĂ€chelte mich an: „Ha, hier gibt’s was umsonscht!“ Ich lĂ€chelte gequĂ€lt zurĂŒck, weil ich mich ja auch auf die Auswahl meiner Freundin zu konzentrieren hatte.

Die hatte auf dem Anproberondell Platz genommen. Und ohne Scheiß, vor dem Rondell standen schon wie auf einer Linie zwei andere MĂ€nner, dazwischen eine LĂŒcke. „Stellste dich halt da noch dazu!“

Jonger! Da standen wir also wie die Trottel vom Dienst, mussten dabei selbst lachen, und bildeten bestimmt die akkurateste MĂ€nnerreihe, die Sigrun Woehr jemals gesehen hat!

Als mein Auftritt vorbei war und ich wieder raus durfte, kam mir noch eine megahammergeile Idee, wie der Dieter sagen wĂŒrde: Liebe Frau Woehr, sie wollen ihre weibliche Kundschaft lĂ€nger halten? Dann mĂŒssen sie auch die MĂ€nner glĂŒcklich machen! Zeigen sie vor ihrem Laden jeden Samstag die Bundesliga!

Melden sie beim Ordnungsamt eine AußenflĂ€che an und stellen sie noch eine Pilsbar auf! Wenn es gegen 17:00 Uhr in die extrem spannende Phase geht, merkt der Mann ĂŒberhaupt gar nicht mehr, dass er schon zum dritten Mal seiner Holden die Kreditkarte gegeben hat! Oder was meinen sie? Ein Flachbildschirm in 52 Zoll kostet doch heute auch nix mehr (circa 1,5 Paar verkaufte Schuhe in ihrem Mondpreise-Laden).

Ich hoffe, ich werde diesen Tag noch erleben.

Nach einem StĂŒck Kuchen ging es kurz noch in die Damenschuh-Abteilung vom Breuninger. Da war es etwas entspannter. Dort nahm ich auch vollen Mutes mitten in der Höhle des Löwen Platz – auf der Anprobecouch. Zwischenzeitlich hatte ich mir schon die neue Spex geholt – fast so gut wie Bundesliga. Ich hĂ€tte noch eine Weile hocken bleiben können.

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