Der Ball ist rund

Die Möglichkeiten, einen Samstagabend einigermaßen wĂŒrdevoll herumzubekommen, sind fast unendlich. Die einen raven Stuttgart kaputt, andere machen PĂ€rchenabend mit Essen gehen, Kino gucken und Ringelpietz mit Anfassen. Ich war am Samstag beim Stuttgarter Juristenball. Freiwillig.

Mein Kumpel Thomas ist Teil des Stuttgarter Juristenkabaretts, in dem einst auch ein gewisser Alfred Biolek erste BĂŒhnenerfahrung sammelte.

Mit seiner Truppe tritt Thomas (fette T-Alliteration eingestreut) alle zwei Jahre beim Ball der BĂ€lle auf, um Witzchen zu machen ĂŒber Familienrecht, Strafrecht, Zivilrecht und ĂŒber was Richter und AnwĂ€lte halt sonst noch so lachen. Klingt schrĂ€g, ist es auch.

Beim Juristenball sind auch immer Minister und sonstige NasenbĂ€ren am Start. Die finden es doof, wenn man Witze ĂŒber sie macht aber noch blöder, wenn man keine SpĂ€ĂŸchen auf ihre Kosten reißt, wie Thomas mir vor dem Ball erklĂ€rt hatte.

Also bekam Justizminister Goll – das ist der mit dem Ferrari – wegen der Steuer-CDs sein Fett weg.

Ich hatte mich besonders auf einen Gag gefreut, bei dem sich mein Kabarett-Kumpel an einem LIFT-Text von mir bedient hatte. An der betreffenden Stelle hab ich so Mega-Welle gemacht, dass mich ein paar Sitznachbarn schon dem Untersuchungsrichter vorfĂŒhren wollten.

Fast so stark wie die Show war aber das Publikum: Es sah aus wie Abschlussball fĂŒr Scheintote. Ein Kleid war gruseliger als das andere, selbst die wenigen Damen unter 45 waren angezogen wie die juristische Unschuld vom Lande.

Zwei Sachen hab ich gelernt: Pailletten sind bei Richterinnen mega angesagt, gerne auch in rosa, pink und lila.

SoundmĂ€ssig war die Veranstaltung ebenfalls ganz weit vorne. Eine Band hat geschwooft und der Bandleader MC-technisch mĂ€chtig eingeheizt: „Wenn so viele Richter auf der TanzflĂ€che sind, darf eine fetzige Disco-Nummer aus den 70ern nicht fehlen“, und krĂ€ftig wurde zweistimmig „Love is in the Air“ gejodelt. Bei den Anwaltsgehilfinnen und Jugendschöffen gab es kein Halten mehr.

Je spĂ€ter der Abend, desto derber der Sound und die Ansagen: „Wir gehen wieder etwas in die Vollen und direkt in die HĂŒften mit Fame.”

Die Familienrichterin vom Amtsgericht Ravensburg neben mir fiel vor Wonne beinahe in Ohnmacht. Bevor die mich auf die TanzflĂ€che entfĂŒhren konnte, bin ich lieber abgerauscht ins Foyer an die Pilsbar und hab dort mit einigen Alten ĂŒber die Privatisierung des Knasts in Offenburg gefachsimpelt.

Im Zweifel fĂŒr den Juristenball – beim nĂ€chsten Mal bin ich wieder dabei, lass mir vorher einen glĂ€nzenden Pailletten-Frack raus und geh noch mal zum Auffrischungstanzkurs. Dann können sich die ganzen StaatsanwĂ€lte beim Cha-Cha-Cha warm anziehen!

13 Comments

  • martin sagt:

    direkt in die hĂŒften mit fame? auch das muss ich mir merken

  • franzi sagt:

    gab’s denn wenigstens was tolles zu essen? oder warum gehst du da freiwillig hin 😉

  • 😀 Ausgesprochen lustig geschrieben. Und stell dir mal vor, du hĂ€ttest dich NICHT im Gartencenter musikalisch eingestimmt! WĂ€r ja nicht auszuhalten gewesen.

    NĂ€chstes Jahr organisiere ich einen Bus zu der Fete.

  • JMO2 sagt:

    Wie groß war die Band denn?

  • Annette sagt:

    Pailetten rocken! Zumindest auf der BĂŒhne…

    Wird sind irgendwann bei der Boa-Party in der Reithalle aufgetreten. Da wir Funk covern sind wir MĂ€dels auch gerne mal bĂŒhnenoutfittechnisch in Mega-Glitzer unterwegs, aber bei dem Auftritt hat das Publikum tatsĂ€chlich mehr geglitzert als wir.

  • @Franzi: Bin da echt nur wegen des Auftritts eines Kumpels hin, das Essen war super teuer und sah so mittel aus, deshalb sind wir irgendwann ins Vinum im Literaturhaus abgehauen. Dort war das Essen leider noch teurer und richtig mittel bis schlecht.
    @ Mormor: FĂŒr den Bus mach ich gerne einen BusfĂŒhrerschein, leider findet der nĂ€chste Ball erst 2012 statt.
    @JMO2: Die Band war absurd groß, leider war ich so abgelenkt von den Pailletten, das ich dir die genaue GrĂ¶ĂŸe gar nicht sagen kann.

  • franzi sagt:

    hihi, ich hoffe dein kumpel weiß deinen einsatz auch zu wĂŒrdigen 😉

    war bisher im vinum nur zum wein trinken, da gab nichts zu meckern. hatte ĂŒberlegt da auch mal essen zu gehen, das kann ich mir ja nun dank deinem einsatz sparen!

  • Das Vinum war echt grenzwertig: Schlechtes OfengemĂŒse fĂŒr 14 Euro und maue Saltimbocca fĂŒr fast 20 Tacken. Dazu ein witziger Typi hinter der Bar, der zu meinem MĂ€del auf die Frage nach Streichhölzern einen Hammer-Spruch raushaute: „Wenn ich deine Telefonnummer haben kann, bekommst du mein Feuerzeug.“ Das war fast Kabarett-Fortsetzung!

  • Annette sagt:

    Wer genaueres zum Abend wissen mag, das Internet weiß alles:
    http://www.anwaltverein-stuttg.....150210.pdf

    Und wie mir der Flyer verrÀt gab es grandiose 3 Bands am Abend. Aber die im Text erwÀhnte war wohl die hier: http://www.sandraandfriends.de/fired/

  • Der Vorstand sagt:

    @ Franzi und den Außenreporter

    Unser Dank ist dem Außenreporter sicher.

    Werden ihn wegen der Verunglimpfungen auf Unterlassung, Schadensersatz und lebenslangen Ballbesuch in Anspruch nehmen. Wird sich garantiert ein Richter finden, der ihn dazu verurteilt. Notfalls die Ravensburger Familienrichterin.

    Der Vorstand der sueddeutschen Paillettenvereinigung

  • NO 2da RA sagt:

    Geil 😀 Ich lach mich schlapp! NasenbĂ€ren in Pailleten Fummel und T-Alliterationen vom feinsten!

    Dieser Artikel kriegt ne 1 mit Bienchen! Schade, erst wieder 2012! Bei sonem Abend wĂŒnscht man sich doch glatt, jeder Samstagabend wĂ€r ein Abend im Jahr 2012!!!!

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