Das ist das Ende…

… von Recht und Ordnung in Stuttgart, haben sich heute Abend bestimmt einige Passanten und Autofahrer gedacht. Da lauf ich nichts ahnend vom Hauptbahnhof in Richtung Rocker und denk, komm, ich guck mir mal die Montagsdemo gegen S21 an.

Und was müssen da meine müden Augen sehen? Eine nicht kleine Gruppe Demonstranten, die quer über die Heilbronner Straße stehen und den Verkehr zum Stillstand bringen. Ich hab da ja wie schon öfter gesagt keine eindeutige Meinung, aber die Aktion fand ich schon sehr cool!

Die Polizei war glaube ich eher überrascht von der Sache, die Damen und Herren in Grün standen etwas ratlos rum. Die Demonstranten, die übrigens hippe Jutesäcke mit “K21”-Aufdruck (Kopfbahnhof 21) um den Hals trugen, entsprachen übrigens dem (oder meinem) allgemeinen Bild von Demonstranten: Alt-68er mit Anorak und Bart neben Studenten mit Rucksack und Dreadlocks. So, wären die Klischées auch bedient.

Erwähnt werden sollte vielleicht noch, dass die Leute offenbar bemüht waren, nicht zu viel Ärger zu machen – niemand wurde gefährdet und nach ein paar Minuten war die Straße wieder frei, ohne Einschreiten der Polizei.

Und hier noch der offizielle Schlachtruf, kannte ich bisher noch nicht:

Wir sind hier, wir sind laut
weil man uns den Bahnhof klaut.
Wir sind hier, wir sind laut,
weil man uns die Stadt versaut.

14 Comments

  • PhilGrooves sagt:

    Und auf der anderen Seite des Zauns rollen die Bagger gemütlich vor sich hin.

  • franzi sagt:

    coole aktion! und auf dem einen foto ist meine nachbarin 😉

  • stegoe sagt:

    Nicht ganz dem Klischee entsprechend (oder einfach nur ein Zeichen der Zeit): Demonstranten die mit MacBook in der Blockade sitzen: http://twitpic.com/1bs2pd =)

  • Was des die Steuerzahler wieder koschtet!! Und in Esslinge lieget die RAF-Terrorischte in dr Ausstellung. Lieber Gott, steh uns bei!

    … würde mein blöder Nachbar sagen. 😉

  • Mox sagt:

    http://www2.parkschuetzer.de/
    auch ne sinnvolle sache, denn der schlossgarten wird richtig leiden.
    für die harten im Schlossgarten die Parkschützer Stufe 4:
    “Wenn sich genügend weitere Parkschützer anbieten, werde ich mich äusserstenfalls den Baufahrzeugen in den Weg stellen oder an Bäume Ketten”!
    Dazu gibt es noch das “erste praktische Training für gewaltfreie Aktionen” am 17.4.2010.
    Text hiezu: “Am Samstag, 17.4.2010, findet das erste praktische Training statt, bei dem Sie die Grundlagen gewaltfreier, direkter Aktionen kennen lernen. Dieses Training richtet sich vor allem an Parkschützer der Stufe 4, die sich „äußerstenfalls auch den Baufahrzeugen in den Weg stellen oder an Bäume ketten“.

  • chris sagt:

    immer der gleiche schlag von demonstranten. ich kann das nicht mehr leiden. die nerven mich. sie stören mich. und bringen tuts auch nix. ich hasse eure aufkleber. S21 hin oder her. Ihr könnts eh nicht mehr aufhalten. naja, minderheiten eben. Gerhard Polt hat folgendes dazu festgestellt:

    http://www.youtube.com/watch?v=BmGh2NpmhU8

  • martin sagt:

    den schlachtruf kenn ich vom prellbock anheben. die von chris erwähnten aufkleber sieht man wirklich mittlerweile ziemlich häufig, beppen allein an unzähligen stellen am neckar ufer wie ich im winter feststellen musste.

  • Spätzle sagt:

    Cool, endlich mal nicht mehr nur den Parkplatz belagert.
    Ich bin auch Parkschützer

  • Jimbou sagt:

    Ja toll, fein gemacht, und damit wird dann OB- Schuster unter Druck Gesetzt???
    Damit verärgert man doch nur die Mitbürger, die nach der Arbeit ohne Stress nach Hause fahren wollen.
    Klar bekommt man damit Aufmerksamkeit, aber wenn man das Rathaus, Landtag, DB blockiert, erreicht man auch die Richtigen.

  • neongrau sagt:

    DB blockieren?

    “Damit verärgert man doch nur die Mitbürger, die nach der Arbeit ohne Stress nach Hause fahren wollen.”

    Da hätt ich als Züglesfahrer aber n Problem damit 😉

  • Jones sagt:

    @Chris Selbst wenn die Sache schon längst durch ist und die Gegner damit voraussichtlich keine Änderung mehr herbeirufen können, finde ich es gut dass Leute ihr Recht auf freie Meinungsäußerung aktiv nutzen. Sonst heißt es doch immer der Bürger ansich sei politikverdrossen.

  • Hannah sagt:

    “Damit verärgert man doch nur die Mitbürger, die nach der Arbeit ohne Stress nach Hause fahren wollen”, Jimbou, Deine Aussage in Hinblick auf die 5-Minuten-Blockade der Heilbronnerstraße finde ich doch schon seeeeehr amüsant, wenn man bedenkt, wieviel Stress genau diese haben werden, wenn die Dauer-Groß-Baustelle von S21 im ganzen Stadtgebiet jahrelang den Verkehr aufhalten wird ;)…

    Außerdem waren da nicht nur die “Klischee-Demonstranten”. Ich selber habe es beobachtet und das waren alles absolute “Normalos” jeglichen Alters gemischt mit Alt-68ern und Dreadlock-Studis :).

    Also ich finds super, dass sich so viele Leute einsetzen und zusammenhalten. Egal wie alt, welcher Herkunft und politischer Meinung.

  • Ju sagt:

    oh, ich glaube ich muss die Vorstellung vom Klischee-Demonstranten etwas über den Haufen werfen: ich gehe relativ regelmäßig mit einem guten Dutzend Freunde zur Montagsdemo, und in dem stetig wachsenden Grüppchen befindet sich weder ein Alt-68er, noch ein Dreadlocks-Träger noch ein einziger Student. Wir sind unter anderem Musiker, Grafiker, Architekten, Cutter, Computerspezialisten, Lehrer, der jüngste ist 6 Monate alt (wobei der meistens schläft), der älteste mein Vater, unsere Gemeinsamkeit ist der Protest gegen ein teures wie nutzloses Projekt.

    Vor den Montagsdemos war meine Demonstrantentätigkeit eher erbärmlich, meine einzige Demo an die ich mich erinnern kann war eine Lichterkette gegen Fremdenfeindlichkeit Anfang der 90er Jahre, an der meine Schulklasse halbherzig teilgenommen hat.

    Bis vor vier Monaten konnte ich mir also nicht vorstellen, mit einem Plakat in der Hand vor dem Bahnhof, dem Rathaus oder auf der Heilbronnerstraße zu stehen (zweites Bild, blauer Anorak ;-)), aber das ist eine Art von Protest, hinter dem ich stehen kann.
    Und falls dieser Bahnhof am Ende doch kommt, so hoffe ich dass durch die Demos wenigstens Dinge angestoßen wurden, die dem Fortbestehen der Stuttgarter (Sub)Kulturlandschaft dienen und dem Bürger wieder mehr Gestaltungsfreiraum geben.

  • Wasilis sagt:

    Ich bin auch gegen S21 (aber nur wegen der Kostenexplosion), aber diese Demos bringen nichts.

    Das Projekt ist beschlossene Sache, es gibt genug andere Probleme über die man demonstrieren müsste z.b über die gegenwärte (Bildungs)-Politik der Regierung, gegen Nazis, Hartz 4 uvm.

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