Eine Ode an das Telefonzeichen

Lange Zeit haben wir es vermisst, seit letzten Samstag ist es endlich wieder da: Das gute alte Telefonzeichen – ruf mich an! Das sieht dann ungefähr so aus:

Hier die etwas laszive Variante:

Oder mehr fordernd:

Gerne auch etwas dämlich-posend:

Dank DSDS rückt diese fast ausgestorbene Zeichensprache alljährlich wieder zurück in unser Gedächtnis. Die fragwürdige Show führt ein Jahrtausend altes Kulturgut fort.

Schon unsere Vorfahren machten das Telefon. Bevor es auf die Jagd ging besagte dies: Wenn du einen Büffel siehst, anrufen! Und dann ritt man auf Porsche Cayennes davon. Nur die Älteren unter uns erinnern sich an diese harten Zeiten: Da gab es noch kein Büffel-App fürs iPhone, das den Jägern bei der Lokalisierung der fleischreichsten Büffel half.

Später entwickelte sich das Telefonzeichen zu einem ganz fiesen Zwitter, dass uns Blauäugigen sehnsüchtige Träume bescherte, weil uns andere wiederum damit unverfroren Hoffnung machten.

Wie oft stand ich in der Disco, habe es endlich geschafft mit der Traumfrau ins Gespräch zu kommen, aber schon nach 10 Minuten musste sie wieder gehen, weil einer ihrer Katzen spontan die Weisheitszähne gezogen werden mussten oder das arme Tier Orgasmusstörungen hatte? Gefühlte eine Million mal!

So zog sie also von dannen, zu ihren Katzen, und zeigte mir noch an der Türe das Telefon, das dreierlei Interpretationsweisen zu liess:

a) Ich ruf dich an…

b) Ruf du mich an!

c) Wir telefonieren.

Toll, wir telefonieren! Wir bleiben in Kontakt! Sie mag mich! Yeah!

Also paar Tage später Anruf von mir (weil sie hat nicht angerufen, logisch, die Katzen…) „Ja, hallo, ich bins, der vom Samstag…“ „Äh ja… äh…, du ich hab gerade leider gar keine Zeit, meine Katze hat jetzt auch noch die Windpocken.“ „Oaaah du Arme, ja denn, wir telefonieren oder?“ „Ja klar. Ich ruf dich an.“

Heute macht kaum einer mehr das Telefon. Bis auf Luca Toni natürlich. Der schraubt nicht, sondern telefoniert eigentlich nach jeder Bude. „Ich will nach jedem Tor am liebsten alle meine Fans anrufen“, hat er einmal zu einer feurigen Schraubbewegung gesagt. Die Italiener – einfach charmant bis zum Umfallen.

Ansonsten zwitschert die heutige Generation lieber zwischen Tür und Angel. Ich twittere dich an! Lass uns twittern. Twitter du mich an. Man brauch nur noch ein Zeichen für Antwittern. Oder poste mir was auf die Wall. Man braucht ein Zeichen für posten. Das Smartphone lässt das Telefonzeichen aussterben und das ist äußerst schade.

Aber kein Wunder: In seltensten Fällen profitieren beide Seiten davon, also der oder die Zeichengebende und der Anrufer; neben DSDS, wo Fans ihre Lieblinge weiter wählen, genau genommen eigentlich nur noch bei Telefonsexspots. Die liebliche Peitsche unterstreicht die Dringlichkeit des Anrufs.

Eine weitere letzte Festung für das Telefonzeichen gibt es aber noch. Die berühmte Barfrau Chrissi, die mit der markanten Reibeisen-Stimme, trainiert durch Trilliarden von Zigaretten und literweise Whisky, hat mir erklärt, wenn man an der Bar Telefon sagt und wild am Ohr kurbelt dann bedeutet das: “Kurzer!” Jetzt wird geschnäpselt.

Das ist eine Sprache, die ich bestens verstehe.

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