re.flect Ausgabe Winter 2009/2010

Das neue re.flect ist seit ein paar Tagen draußen. Wenn ich mich nicht täusche ist das doch der Herr Wochenende uffm Cover oder?

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Wie immer viel drin, besonders witzig die Talkrunde mit der Rave-Szene um Busy, Denson, Super Super, Robin T oder besagtem Mr. Weekend.

Auch wir dürfen wir gewohnt nach wie vor eine Seite beisteuern. Ich befasse mich dieses Mal ein wenig mit dem Bloggen an sich und so. Here we go:

In der letzten Ausgabe hat Mia auf ihrer Überding-Seite in diesem Magazin über das „Leben einer Bloggerin“ berichtet. Der Beitrag war freilich nett geschrieben, bloss inhaltlich entspricht er nicht ganz dem was ich unter „bloggen“ verstehe. Zum Beispiel schreibt sie: „Pass auf, was du tippst, denn jedes Wort wird gegen dich verwendet.“

Auch wenn das wahrscheinlich von Mias Seite etwas scharf und übertrieben formuliert wurde, ist für mich „bloggen“ genau das Gegenteil. Ich bin froh, dass ich gerade auf kessel.tv nicht auf jedes Wort achten muss. Das muss ich nämlich schon bei meinen anderen Schreib-Jobs, welche Gas, Wasser, Scheiße bezahlen.

Für uns ist das ein Ausgleich. Viele Blogger bloggen nur, drücken sich nur in dieser Form vor einer mehr oder weniger vorhandenen Öffentlichkeit in Worten aus.

So entsteht ein grundlegendes Problem von manchen Blogs, also wenn man von Problem sprechen kann, und das ist wirklich überhaupt nicht böse, kritisierend oder wertend gemeint: Sie versuchen zu cool zu sein. Sie haben Angst vor Fehlern.

Ich meine keine Rechtschreibfehler, die gehören ja irgendwie (leider) dazu. Ich meine inhaltliche Fehler. Angst vor falschen Schritten, die den Blogger ins falsche Bild rücken könnten. „Hm, meinsch das kommt jetzt an? Ist das jetzt auch wirklich hipp in unserer Jutesack-Welt?“

Ich habe mir von Beginn an gesagt, sobald mir solche oder ähnliche Gedanken kommen, höre ich auf. Du musst das Zeug einfach ungefiltert heraus donnern. Das muss straight from the Bauch kommen. Gar nicht darüber nachdenken, einfach in den Editor reinhacken. Oh mich drückts schon wieder, raus damit! Oder: Hammerthema, Post, fertig!

Es kann sein, dass du das, was du gestern geschrieben hast am nächsten Tag schon wieder dämlich findest. Aber für diesen Moment war es perfekt.

Das Gute an einem Blog ist, dass du schreiben kannst was du willst. Kritik findet vielleicht statt, aber ist (für dich) ohne Belang. Entweder es gefällt halt einem was du machst oder nicht. Du bist niemanden etwas verpflichtet.

Natürlich gibt es Grenzfälle. Man kann schreiben, XY ist ein Arschloch, dann muss man aber eventuell mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Anderer Extremfall: Käme einer auf die Idee, einen Blog mit Bildern von kleinen Kindern zu machen, muss man den natürlich kritisieren beziehungsweise sofort vom Netz nehmen (lassen). Bloss wer sind die Wächter?

In den normalen Fällen braucht man keine Wächter. Es gibt circa 6 Milliarden Blogs, also so viele wie Erdenbürger. 3 Milliarden Blogs frönen der Musik und 2,9 Milliarden andere Blogs sind von Mädchen, die sich vor ihrem Kinderzimmerspiegel in H&M-Zara-Klamotten fotografieren, weil das mal irgendeine angefangen hat. Vielleicht war es ja die Karla (aber glaub oft ohne H&M).

0,1 Milliarden Blogs machen irgendwas mit Politik, Kunst, Autos, Plüschtieren, Teekannen, Gießkannen, Gartenmöbel, Krankenhaus-Essen oder fühlen sich als schwäbische Gängster, wie wir zum Beispiel.

Banalitäten also. Für die braucht man kein „dickes, warmes Fell, am besten vom Schaf“ wie Mia schreibt.

Wem die Einträge nicht gefallen, der kann einen eigenen Blog machen. Das ist dank der ganzen kinderleichten Pillepalle-Blogsysteme wie „Wordpress“ oder „Blogspot“ so schwierig wie Duplo und ein höchst demokratisches System. Die einen bauen ein eher schöneres Duplo-Haus, die anderen eben nicht so.

Letztendlich hast du eines Tages Leser oder du hast keine. Viele Blogs, die meisten, haben keine Leser, wie viele der H&M-Mädchen-Musikblogs. Manche haben ein paar wenige, andere wiederum ein paar mehr.

Unter dem Strich gilt für uns alle: Wir sind und bleiben Randnotizen im Internet. Klitzekleine Post-Its. Und wir sind nicht mal knallgelb.

Wir verändern nicht die Welt. Wir bewegen bis auf einige wenige, wie z.B. Blogs, die in undemokratisch geführten Ländern die Funktion der ungefilterten Berichterstattung übernehmen und auf Missstände aufmerksam machen, rein gar nichts.

Eines Tages wird es keine Blogs mehr geben. Blogger zu sein ist sowieso schon längst ein Schimpfwort. Klingt eigentlich traurig oder? Nö, bis zum Untergang werden wir zumindest noch massig Spaß haben!

Habe die Ehre

Der Raaahm.

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