Der Antiklaus

wei-aurele

„Journalismus ist ein großartiger Beruf. Wenn Außerirdische nach dem besten Beruf fragen, müsste man den des Journalisten nennen. Als Journalist tritt man in die Leben von Menschen, wenn sie interessant sind“, hat Bob Woodward am Samstag in der Süddeutschen gesagt, und recht hat er, der alte Ami.

Bob Woodward hat 1974 als Lokalreporter der Washington Post durch das Aufdecken der Watergate-Affäre Präsident Nixon gestürzt – im Alter von 28. Seitdem bringt er alle zwei Wochen ein neues Buch raus und ist nicht nur der berühmteste, sondern auch der reichste Journalist der Welt – nach RAM halt.

Sein Zitat oben beschäftigt mich auf jeden Fall seit Jahren, denn dem Journalismus sei Dank hab ich ne ganze Menge spannender Menschen kennen lernen dürfen.

Bosses of Bosses wie GĂĽnther Oettinger, der jetzt in Belgien Urlaub macht und brutal viel Wein kippen kann; Euro-Eddy Edgar Schmitt, KSC-StĂĽrmer und Held meiner Jugend, mit dem ich ein super Inti fĂĽhren durfte, das nie gedruckt wurde, weil er vorher bei den Kickers entlassen wurde. Und den RAM halt, dem ich manchmal auf die Plattenspieler aufpassen darf, wenn er Pipi in der Corso muss.

Einer der spannendsten Menschen, die ich je über einen Job kennen gelernt habe, ist der Stuttgarter Aurèle B. Mechler. Aurèle ist Künstler, kommt aus der Graffiti-Ecke und gehört bis heute zu den besten Sprühern im Südwesten.

Da er aber viel mehr als nur einen Style kickt, malt Aurèle alles, was das Herz begehrt, beherrscht jeden Stil von Pop Art bis kitschiger Sonnenuntergang in der Döner-Bude in Stuttgart-Nord und ist vor allem bei aller Kunst so auf dem Teppich geblieben, dass ich mich bei jedem Treffen wieder wundere.

waggonwinter

Von seinem Waggon am Nordbahnhof aus bereist er die ganze Welt und malt überall. Seit ein paar Jahren gehören die Hells Angels zu seinen wichtigsten Auftraggebern.

So kam ich zu einem der irrsten Termine ever: Auri kommt eigentlich aus Heidelberg und verbringt dort heute noch jede Menge Zeit. FĂĽr das dortige Stadtmagazin meier sollte ich ihn portraitieren, er wollte mir sein Mannheim, sein Heidelberg zeigen.

Als erstes zeigte er mir einen Puff der Angels, den er von oben bis unten nach dem Geschmack der Motorradrocker gestaltet hatte. Mit jeder Menge nackter Uschis, hellblauem Himmel, Wölkchen und so, künstlerisch eben so, dass sich der kurpfälzische Freier wie im Siebten Himmel fühlt.

Auri hat mir das ganze Haus von oben bis unten gezeigt – mit einem breiten Grinsen. Danach ging es weiter zu ausgewählten Graffiti aus seiner Hand, in den Laden der Stieber Twins, die Fans von Mechler sind und so weiter. Am Ende war ich nicht nur Fan von Auri und seinen unterschiedlichsten Bildern, sondern auch von MA und HD.

Daher freut es mich wie Bolle, dass jetzt das erste Buch über Aurèle B. Mechler bei Edition Randgruppe erschienen ist: „Elvis im Unverstand“ heißt das schöne Werk und stellt eine Werkschau auf 120 Seiten dar, darunter seine wichtigsten Hells Angels-Malereien, seine Zeichnungen, Collagen und vieles mehr.

Das Buch wird am kommenden Wochenende (4. – 6.12.) an drei Tagen Ausstellung, Präsentation und Feierei an den Waggons am Nordbahnhof zelebriert. Motto: „Der Antiklaus“. Das passt ganz gut zu Aurèle. Wer eine andere Seite von Stuttgart entdecken will, liegt mit Buch und Party genau richtig. Ich bedanke mich bei der Gelegenheit mal wieder bei Kollege Journalismus, dass er mir so korrekte Kerle vorstellt.

www.abmechler.de, www.edition-randgruppe.org

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