Zweimal Techno, zweimal HipHop

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Nach Thorstens Schlageranfall möchte ich hingegen kurz auf vier mehr oder weniger neue Alben eingehen, die ich mir in den letzten Wochen zugelegt habe und freue mich ebenso auf weitere Inspiration vom Publikum.

Wie schon auf die schöne Streamseite 22Tracks und die neue LCD Soundsystem-Nummer bin ich kĂŒrzlich dank eines Posts von Robin auf dem Liganova Blog auf das neue Album von Lusine “A Certain Distance” (Ghostly) aufmerksam geworden. Das fiel mir am vergangenen Samstag spontan in die HĂ€nde und schĂ€tze es schon nach zweimal Hören fĂŒr ziemlich gut ein.

Wer ein liebliches, fragiles, leicht melancholisches aber ebenso angepopptes Electronic-Listening-Album sucht, ist mit dem neuen Werk des Amerikaners optimal versorgt. Schöner Einmuckel-Sound fĂŒr einen Tag wie heute.

Roher, rouhger, darker, irgendwie auf den Dancefloor zielend, ist das DebĂŒtalbum von Redshape. Redshape absolviert Fototermine und Auftritte mit einer roten Maske, angeblich weiß keine Sau wer sich hinter dem Berliner Act verbirgt.

Das ist letztendlich nicht weiter tragisch, denn Techno ist sowieso eine Musik ohne Gesichter und Stars – von einer Handvoll Leuten wie dem Richie oder dem Sven abgesehen. Hauptsache, das was auf Rille gepresst wird ist gut.

Im Falle von Redshape ist das Material ganz vorzĂŒglich. Die Menschheit, zumindest ein paar (Detroit)Techno-Nerds like me, lecken sich nach seinen Releases die Finger. Ich meine so gut wie alle Maxis des mysteriösen Produzenten zu besitzen und da war es eine Ehrensache sein DebĂŒtalbum “The Dance Paradox” im Blindflug zu erwerben.

Eine lohnende Anschaffung zwischen dunklem Rausch-Techno, orchestralen Science-Fiction-Breakbeats und natĂŒrlich ganz viel “Neo-Detroit”, wie man so sagt.

Ganz andere Baustellen sind freilich das DebĂŒtalbum von Kid Cudi und das neue, schon ein paar Monate alte, vierte Studioalbum von Mos Def “The Ecstatic”. Beide Werke habe ich, Achtung voll cool, im Fat Beats Los Angeles gekauft.

Der befindet sich auf der Melrose Ave, die zugegebenermaßen ĂŒber viele Kilometer hinweg fast schlimmer ist als die TĂŒbingerstraße. Ed Hardy residiert hier in einem unscheinbaren BacksteingebĂ€ude und viele Shops reprĂ€sentieren einen Ă€hnlichen Stil, den man vielleicht am besten mit Neureich-Bad-Taste-Glitzery-Fashion umschreibt.

Dem Moschens neues Album hat mir, nachdem wir es hier kurz irgendwo von hatten, bereits freundlicherweise ein Nachbar gebrennt, also nicht der Nachbar, sondern ein anderer. Aber da gebrannte Alben eigentlich straight for the ass sind, ich prinzipiell jeden Mos Def Longplayer besitze, musste die auch sein.

Erst kĂŒrzlich hab ich “The Ecstatic” mal genauer unter die Lupe genommen und fĂŒr richtig gut empfunden. Sehr kurzweilig, abwechslungsreich, bouncig, rappig, offenherzig wie experimentierfreudig. Wie auf den beiden VorgĂ€ngeralben zitiert der Kult-Rapper und Heartbreaker aus Brooklyn wieder allerhand musikalische EinflĂŒsse, komprimiert die aber knackig auf 45 Minuten.

P.S.: Ich weiß nicht wie das bei den deutschen Copys ist, bei meiner Vinyl lag ein KĂ€rtchen bei, mit dem ich mir das Album auch in 320er Quali runterladen konnte.

Brandneu, zumindest vor rund sechs Wochen beim Kauf, war das Kid Cudi Werk “Man On The Moon: The End Of Day”. Dank meines Guido-Englisch dachte ich ja immer, der heißt Kidd Quedie. Henster klĂ€rte mich neulich auf, man wĂŒrde ihn Kidd Kaddie aussprechen. Schon wieder was gelernt.

Der Kaddie also, das wissen vielleicht manche gar nicht, macht eigentlich HipHop und kein Electro. Wobei im ganzen 2.0-Wahn da die Grenzen manchmal auch brachliegen.

Ich bin ja wirklich dankbar um solche Tracks wie “Day N Nite”, seit anderthalb Jahren im Crookers Mix zu Recht auf Dauerrotation, so ein cooles Konsensding, gefĂ€llt mir, schluckt aber auch Heti und Pleti. Solche Lieder sollte es mehr geben.

Der Original-Cudi, also ohne Crookers Back-Up, jedenfalls gestaltet “Man On The Moon” als Konzeptalbum, zumindest sollen fĂŒnf “Akte” darauf hinweisen. Zugegebenermaßen braucht man eine Weile um sich da rein zu hören.

Wer “Day N Night” im Original kennt, der hat ungefĂ€hr eine Vorstellung wie das alles klingt. Raumgleiter-Rap. Eher low, sehr atmosphĂ€risch, schleppende, langsame Beats, wenig Bounce, zunĂ€chst wenig catchy, abgesehen die zweite Single “Make Her Say”, mit dem Lady Gaga-Sample.

Die wahren OhrwĂŒrmer offenbaren sich erst nachdem man sich die vielschichtige CD mehrere Mal zu GemĂŒt gefĂŒhrt hat, wie obiges “Solo Dolo.” PrĂ€dikat: WĂ€chst beim Hören. Das ist eigentlich das beste was einem Album passieren kann.

Als nĂ€chstes steht auf meinem Einkaufszettel das Hudson Mohawke Album, die LCD-Remix-Sammlung und eventuell noch die Compilation “Reflections On Classical Music”.

23 Comments

  • JMO2 sagt:

    Das Hudson Mohawke Album hast Du ja schon erwĂ€hnt, wurde mir leider ohne den versprochenen Aufkleber geschickt. DafĂŒr ist das Artwork ziemlich durchgeknallt

  • martin sagt:

    und die musi? hab eine ep gekauft, die war cool

  • Alexander M. sagt:

    das redshape album ist herrlich dark. verstehen zwar nur wenige, aber dafĂŒr umso besser. ist halt kein flamenco-house fĂŒr die vielen preset-deejays 😉

  • franz von assisi sagt:

    traxx – faith
    bestes analog album seit ewigkeiten!

  • flo sagt:

    Agree with Traxx! Ne, Elbe?

    Redshape war frĂŒher unter seinem bĂŒrgerlichen Namen recht erfolgreicher Schranz Produzent… And..wienochgleich? Ach, egal – Album ist gut, das reicht.

  • Thorsten W. sagt:

    “Make Her Say” find ich neben “Day’n’Night” auch sehr gut – kann mir das aber auf AlbumlĂ€nge schwer vorstellen. Mal reinhören.

  • JMO2 sagt:

    Martin, die Polyfolk Dance EP hab ich auch, die ist ganz fein.

    Das Album ist etwas weicher, verspielter als die EP. Das Gesamtkonzept hat sich aber nicht groß geĂ€ndert von der EP zum Album.
    Diesmal sind sogar richtige Rap/Gesangs-Parts mit bei, die den Tracks dann fast schon richtige Strukturen geben 🙂

  • Le Mischi sagt:

    yeah, die hudson mohawke ist der hĂ€mmer, find ich sogar besser als die polyfolk dance-ep (und die war auch schon ein brett). vor allem die olivier daysoul-tracks sind sehr fett geworden. und wenn du schon dabei bist, hol dir noch das dĂąm funk-album auf stones throw…

  • mal zum Cudder Album:

    Anspieltipp -> Up Up & Away

    Find ich einen der besten Tunes auf dem Album.

  • D*Jan Neiro sagt:

    Ich liebe ‘soundtrack 2 my life’ vom kaddie album (aufklĂ€rung in sachen aussprache bei mir by swist :-))

  • franz von assisi sagt:

    recht enttÀuschend find ich das neue luciano album

  • martin sagt:

    ah stimmt, da wollte ich auch noch reinhören. nix gut?

    und soundtrack 2 my life finde ich gut, up up away hingegen net so, sorry felix 😉

  • Tobi Tobsen sagt:

    ich glaub das mit der aussprache ist so n umstrittenes thema: in der glotze nennen sie ihn (auch amis!!) mal [kuhdi] oder mal [kaddi].. fĂŒr mich bleibts der [kudi].. muss felix zustimmen – fĂŒr mich ist auch up up & away der beste track aufm album (auf den ich zufĂ€llig gestossen bin ĂŒber felix’ blog – danke hierfĂŒr :D), aber geschmĂ€cker sind ja zum glĂŒck verschieden 😉

  • franz von assisi sagt:

    @ martin: hab im netz was gelesen, das traf es ganz gut: fĂŒr ein debĂŒtalbum wĂ€re es voll ok, vom cadenza mastermind darf man aber etwas mehr verlangen!
    richtig schlecht isses nicht, aber es fehlt halt ein bisserl an innovation…

  • flo sagt:

    gerade gesehen, ausfĂŒrhliches hudson mohawke interview und mix bei deviation.

    http://www.bbc.co.uk/programmes/b00nn28m

  • martin sagt:

    richtig tobi, du stehst aber auch auf die crackhuren, da fĂ€llt mir nichts mehr zu ein 😉

    franz, vielleicht hat er auch mit dem brillanten debĂŒt die messlatte extrem hochgelegt damals.

  • Tobi Tobsen sagt:

    jetzt komm, die crackhuren sind subber 😀

  • Ken sagt:

    meine beiden tipps:

    linkwood – system

    friendly fires – friendly fires special edition

  • Yasmin sagt:

    einige tracks von the ecstatic sind von madlib und seinem bruder oh no produziert worden und wurden schon vor ein, zwei jahren veröffentlicht. also einmal beat konducta vol. 3 live in india (madlib) und Dr. No’s Oxperiment (oh no), schön experimentell.

  • Redshape – The Dance Paradox , mit 8 tracks alles gesagt !

    Wie sagt man so schön, instant classic, for those who know

  • franz von assisi sagt:

    schon jemand das solomun album gehört?

  • franz von assisi sagt:

    dann beantworte ich das mal selber: solomun nicht wirklich gut, stellenweise sogar richtig langweilig!

    richtig fett ist dagegen das marek hemmann album. vor allem die yvette hats mir da angetan

    @ martin, thorsten: könnten wir nicht monatlich (oder alle zwei monate) so ne kleine ĂŒbersicht ĂŒber aktuelle alben machen, wo jeder seinen senf dazugibt? so als serie??
    fĂ€nde ich als “albenverschlinger” echt gut. vor allem bekommt man da ne menge insider-tipps von den usern, so wie in diesem artikel

  • martin sagt:

    du wirst lachen, so was in der richtung ist gerade geplant. momentan mach ich halt nen eintrag, wenn ich wieder zwei drei neue alben hab. wollen das etwas regelmĂ€ssiger ansteuern – aber wir wollen ja vieles 😉 kommt alles

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