Die anderen

Ich komm ja viel rum, so beruflich, bei der ein oder anderen Schreiberling-TĂ€tigkeit und natĂŒrlich beim Auflegen. Und da treffe ich dann immer wieder auf die sonderbarsten Menschen und Menschengruppen, die mir jetzt im sonstigen Alltag nicht unbedingt begegnen wĂŒrden.

Und manchmal kommen da auch mehrere solcher Begegnungen an einem Tag zusammen – so wie vergangenen Freitag.

Da war ich beruflich am Hockenheimring – DTM (Deutsche Tourenwagen-Masters, bis 1996 Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft) inklusive kleinerer Rennserien im Rahmenprogramm. Kurz zur Veranstaltung: Sonntag war das große DTM-Rennen, Freitag waren Qualifyings und freie Trainings der anderen Rennserien, und im so genannten Fahrerlager kann jeder rumlaufen und in die Zelte der Rennteams reingucken.

Es war arschkalt und hat dauernd genieselt, und leider musste ich ein paar Stunden warten – und in die gut geheizte Porsche Hospitality (großes Luxuszelt fĂŒr GĂ€ste) durfte ich leider erst spĂ€ter. Also bin ich in der Scheiß KĂ€lte gestanden und hab mir so bissle das Treiben angeschaut.

NatĂŒrlich ist jetzt zwei Tage vor dem eigentlichen Rennen nicht so viel los, im Prinzip sind da nur Hardcore-Fans unterwegs. Aber die haben’s in sich. Vom letzten Jahr wusste ich schon, dass vor den großen Zelten von Audi und Mercedes (die einzigen Hersteller in der DTM momentan) permanent Fans stehen und darauf warten, dass sich einer der Fahrer blicken lĂ€sst.

dtm

Public Fotoshooting am Audi-Stand

Ich mein – die DTM ist nicht die Formel 1. Gut, von Timo Scheider, der in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge gewonnen hat, hat man vielleicht schon mal gehört, und immerhin fĂ€hrt auch Ralf Schuhmacher (wenn auch weit hinten), der Bruder vom großen Michael, in der DTM mit. Aber sonst? Ich kenn da kei Sau.

Aber ich hab z.B. eine Gruppe Leuts beobachtet: Drei MĂ€nner, so zwischen Mitte 50 und Mitte 60, Typ mein Vater, und der 12jĂ€hrige Sohn oder Enkel. Die hatten alle vier riesige RĂŒcksĂ€cke dabei, vollgestopft mit Alben, BĂŒchern, Fotos und Postern. Autogrammprofis.

Dass es Autogrammprofis bei den Oscars und den MTV Awards gibt, das hab ich schon gehört. Aber bei der DTM? Ich hab sie wie gesagt beobachtet – die sind jedem Typen, der nen Renn-Overall anhatte, im Laufschritt hinterhergerannt und haben ein Autogramm geholt.

Die haben wirklich alle gekannt! Die großen Namen hatten die natĂŒrlich eh schon in ihrer Sammlung, aber die kannten auch jeden Fahrer im Seat Leon Supercopa. Äh, hallo? Sogar drei leidlich attraktive 16-jĂ€hrige Boxenluder gab es, die sich mit dem gut aussehenden Porsche Carrera Cup-Fahrer, den ich interviewt hatte, haben fotografieren lassen.

So, mein Bedarf an seltsamen Leuten war fĂŒr den Tag eigentlich schon gedeckt – aber am Abend hab ich dann noch im Beat!Club aufgelegt. Ich wusste, dass vor mir zwei Punk-Bands aus England spielen, hab mir aber nichts weiter dabei gedacht.

Dann bin ich zeitig eingetroffen, und wieder hatte ich Zeit und Gelegenheit, eine ganz besondere Art von Menschen zu beobachten: Punks.

Punks waren frĂŒher fĂŒr mich halt so die KlischĂ©e-Königstraßen-Schnorrer, mit Iro, zerrissener Jeansweste, Stiefeln und Hund. Die in London am Picadilly auch immer gleich aussahen. Die es an beiden PlĂ€tzen jetzt nicht mehr gibt.

Heute scheint Punk eher so was wie ne Moderichtung zu sein. Ich ĂŒbertreib jetzt nicht, aber die Punks, die an dem Abend neben eher normalem Indie-Publikum da waren, hatten mindestens zwei Stunden Zeit in das Fixieren ihres Iros investiert, die Jeansweste war Ariel-rein, das Polohemd gebĂŒgelt und die Stiefel blankgewienert.

Pogo wurde natĂŒrlich auch getanzt vorne an der BĂŒhne. Wobei das auch wie so ne Mischung aus Schulhof-Rauferei und Abschlussball aussah. Ein paar bis auf die gewienerten Ray-Ban-BrillenglĂ€ser gestylte Jungens haben sich bissle rumgeschubst und ab und zu einen von außenrum, der bissle zu schĂŒchtern war, mit rein gezogen.

Letztendlich, hab ich dann mit Cheffe Alex Spindler rumphilosophiert, ist die (heutige?) Punk-Szene wie die HipHop- oder Schickimicki- oder NuRave-Szene. Outfits, Musik und Tanzstil unterscheiden sich, aber ĂŒberall kommt es auf die richtige Marke, das richtige GetrĂ€nk und den richtigen Tanzschritt an.

beatclub

Super Sticker am DJ-Pult im Beat!Club

Ich werde meine Studien beim nĂ€chsten FrĂŒhlingsfest auf dem Wasen weiterfĂŒhren, indem ich endlich mein lange geplantes Projekt umsetze und mich einen Nachmittag lang an den Autoscooter setze und die Fake-Ed-Hardy-Open-Air-Modenschau fotografisch festhalte.

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