Out now: Jay-Z “Blueprint III”

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Vor über einem Jahr kündigte Jay-Z Blueprint III an. Ursprünglich sollte es noch vor Weihnachten 2008 erscheinen, nun ist es der 11. September 2009 geworden. HipHopper stehen irgendwie auf dieses Release-Datum habe ich immer wieder das Gefühl.

Vorneweg möchte ich erwähnen, dass mein Nachbar, zweifelsohne eine erwiesene Kapazität, BP III als “fast schon erbärmlich für Jay-Z” einstuft und für ihn wahrscheinlich das belangloseste Hova-Album überhaupt ist.

Meine Beziehung zu dem Jiggaman habe ich schon ein paar Mal auf diesem Blog skizziert. “Reasonable Doubt” war der Schocker schlechthin, danach hab ich ihn immer mehr oder weniger aus den Augen verloren, aber seit “The Black Album” bin ich sozusagen bedingungsloser Fan. Nur mal ein Tag lang Jay-Z sein, das wäre ein Traum.

Die Erwartungen an BP III sind nach dem unsäglichen “Kingdom Come” und dem doch ganz okayen “American Gangster” Album (mochte ich größtenteils) ziemlich hoch, immerhin steht “Blueprint” für eines der besten Jay-Z-Alben, für viele sogar das Beste überhaupt. Und der Appetithappen “Jocking Jay-Z”, der uns hungrigen Hunden vor einem Jahr hingeworfen wurde, war auch nicht schlecht.

Seit Wochen führt Hova für BP III einen Obama-mässigen Wahlkampf. Man hat das Gefühl, ihm liegt die Platte und seine Musikerkarriere doch mehr am Herzen, als er noch vor einigen Jahren zugeben wollte. Motto damals: Mit Musik macht man sowieso keine Kohle mehr, ich kümmere mich jetzt um all den anderen Scheiß und werde Hausmann von Beyoncé und so.

Heute ist der große Tag  – und es bleibt in der Tat ein zwiespältiger Eindruck. Für meine Begriffe beginnt es mit dem verdichteten, angetrancten “What We Talkin´ About” und dem bouny “Thank You” ziemlich stark. Danach folgt die erste Single “Death Of Autotune”, das Lied mit dem “Yugo-Sample”, mit dem ich zwischenzeitlich doch recht warm geworden bin.

In diesem Leben nicht mehr warm werde ich allerdings mit “Run This Town”. Und ich habs versucht. Ich respektiere Rihanna wirklich und sie wird noch eine ganz tolle, vor allem riesengroße Karriere hinlegen, aber bei ihrem Geplärre kommt mir einfach die Wurst, wie der Hardy aus Chemnitz zu sagen pflegt.

Danach, unter Insidern schon das kleine Highlight, “Empire State Of Mind” feat. Alicia Keys. Das tut meinen Ohren nicht weh, der Beat ist super und Frau Keys kann einfach was. Das wollte schon Boris Becker näher ergründen.

Im Anschluss folgen ein paar Tracks, die das Album wohl am ehesten in die Belanglosigkeit drücken, weil sie vielleicht maximal mehr oder weniger den aktuellen HipHop-Standard erfüllen, eher leicht drunter liegen, bzw. Beats, die vielleicht auch ein Gangster-Rapper aus Zazenhausen programmieren könnte, wenn er denn das Equipment hätte.

Da haben wir dann unter anderem den obligatorischen Timbaland-Track “Off That”, den er wohl aus irgendeiner Schublade rausgekrustelt hat. Und auf “A Star is Born” feat J. Cole kommt dann überraschenderweise doch der Autotune zum Einsatz. Ah ha.

Richtig gut gefällt mir dann wiederum “Already Home” feat. Kid Cudi, ein fluffiger Track, vielleicht nicht gerade fürn Club, aber ein schönes Album-Stück, sowie auch das entspannte “So Ambitious” feat. Pharrell, auch wenn Pharrell-Beats angeblich längst out sind.

Dieser Track wäre letztendlich auch ein schöner Abbinder gewesen, wenn, ja, wenn Jay-Z nicht ganz zum Schluss noch das Grauen schlechthin los lässt und man ihm dafür am liebsten sofort alle Facebook-myspace-Fan-Freundschaften kündigen möchte:

Young Forever

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Vielleicht bin etwas intolerant oder voreingenommen aber ganz ehrlich: Es war sicherlich nicht immer alles gut in seiner Laufbahn, aber dieser Track wird meines Erachtens zwar zum einen eventuell ein “Welthit” aber zum anderen immer ein Schandfleck in seiner Diskographie bleiben.

Gerade wegen diesem fürchterlichen Song hinterlässt “Blueprint III” für mich alles in allem einen ziemlich schlechten Nachgeschmack. Früher war halt doch alles besser. Vielleicht sollte ich mir lieber alte Beatles-Alben anhören.

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