Statusmeldungen oder:
Gedanken zum Tag, äh Morgen, II

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Sehr geehrter Herr Facebook,

seit einer Woche sind Sie ziemlich lahm. Ich hab zwar nicht die besten Macs und PCs, aber schon ganz okaye und bestehe egal wo auf 16mbit, die natürlich keine echten 16 sind, aber 11 – 12 kommen schon durch. Kann das nun sein, und ich möchte Ihnen wirklich keine unnötigen Vorwürfe machen sehr geehrter Herr Facebook, dass es an Ihnen liegt Herr Facebook?

Folgendes: Immer wenn ich zwischen Ihren einzelnen Menüpunkten hin- und herschalten will, dauert das brutalst lange. Früher, also bis vor ein paar Tagen, waren sie noch schneller unterwegs. Ich wollt mir das eigentlich verkneifen, aber kann es sein, dass Sie langsam ein bisschen so werden wie der Herr Myspace?

Gut, Sie sind noch ganz klar im Vorteil. Sollten Sie mal total überfordert sein, wie gerade, als ich aus ein paar Fangruppen wieder austreten wollte, kommt derzeit oft obige Fehlermeldung. Selbst hierbei zeigen Sie Understatement, wie man sehen kann.

Wissen Sie eigentlich was ihr Kollege Myspace macht, wenn er überfordert ist? Er lässt einfach den Browser abstürzen, stellen Sie sich das mal vor! Mein Safari stürzt wirklich so gut wie nie ab und wenn dann immer nur beim Herrn Myspace!

Mich stimmt das alles ein wenig traurig, denn als Selbstständiger führe ich bekanntlich ein Lotterleben und besuche Sie, weil Sie eigentlich so ein toller Typ sind, auch ohne oben ohne, mehrmals täglich Herr Facebook. Es ist wirklich schade, dass Sie sich gerade etwas gehen lassen.

Aber kann es sein, dass immer mehr Menschen gibt, die ein Lotterleben führen und sie mehrmals täglich besuchen? Leiden sie unter dieser Last, Herr Facebook? Und wie kommen Sie eigentlich mit den ganzen Statusmeldungen zu Recht? Sie müssen doch schon ganz blutige Ohren haben, sie Armer.

Eigentlich müssten Sie ja gerade diese Woche rennen wie Sau, denn viel Lotterlebende haben die Tage so eine ABM in Berlin wahrgenommen. Denn da sind gerade so Messen, da dreht sich alles um Mode, da können sich die ganzen Lotterleben-Menschen prima ihre Zeit vertreiben. Mit Rumgucken, Meetings und Partys und so, oder wie ihr Kollege Herr Xing sagen würde, Kontakte knüpfen und Netzwerke ausbauen.

Da könnte man doch glatt meinen, sie wären mal ein bisschen entlastet oder? Aber nein, eigentlich nicht, denn die Mode-Lotterlebenden nutzen sie auch hierbei aus und kritzeln Ihren Körper voll wohin sie gehen und wann sie sich treffen (bis später im Watergate! Bin bei The Clash! Sehen uns in Halle Buxtehude! Wo bist du? Lass uns treffen!). Und die Lotterlebenden daheim mokieren sich, dass sie nicht bei den Lotterlebenden in Berlin sein dürfen: Buchhaltung statt Modemesse in Berlin!

Gut, Herr Facebook, sie sehen, ich bin nur neidisch, weil ich nicht unter meinen Artverwandten verweile. Aber wenn sie mich heute in meiner Billig-Bux, den schäbigen Vans-Schlappen und meinem Uralt-Nike-Träger-Shirt aus der Firma Bonn sehen würden, wäre ich wirklich eine Beleidigung für die gesamte Fashion-Scene.

In diesem Sinne bleibt nur zu hoffen, dass Sie bald wieder ganz der Alte werden.

Mit freundlichen Grüssen

Ihr Martin Elbert

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