Chemnitz vs. Esslingen

Bild 1

Darf ich vorstellen, das sind Madeleine (24) und Hardy (30), verheiratet, zwei Kinder (Miguel und Jessica, 4 Jahre / 7 Monate), aus Chemnitz. Hardy ist arbeitslos und hängt den ganzen Tag vor der Glotze oder dem Inderned und raucht dabei Kette.

Demnach ist sein Tagesrhythmus aufstehen, Kaffee, Kippe, Surfen, Kaffee, Kippe, Scheißhaus, wie er sagt. Madeleine hat nicht viel zu melden und die kleinen Kinder versiffen in der Wohnung. Um mal mit Vorurteilen um sich zu werfen, im Prinzip die perfekte Hartz4-Familie, inklusive halbverwesten Hund.

Gut, um ein paar Tacken in den Haushalt zu bekommen – der übrigens aus mehreren Flachbildschirmen besteht – haben sich die beiden wohl gedacht, bei der RTL 2 Sendung “Frauentausch” mit zu machen. Und prompt macht RTL2 eine Bilderbuch-Tauschfamilie in Esslingen ausfindig, nämlich den Jürgen (31) und seine Antonina (34) samt kleiner Tochter.

Der Jürgen ist Bauleiter und die Antonina Personaltrainerin, zwar leicht zickig oder sagen wir temperamentvoll, aber die wahrscheinlich sympathischste Ed Hardy-Trägerin jenseits der Stuttgarter Stadtgrenze. Die kleine Familie führt ein harmonisches und geregeltes Leben in einer netten Bude in Esslingen. Feini.

Jetzt fährt also die Antonina nach Chemnitz und die Madeleine, die immer leicht wirkt als wäre sie mal hängen geblieben oder hätte einen ordentlichen Schlag auf den Kopf bekommen, nach Esslingen. Antonina mit dem Ziel “Macho-Hardy” mal ordentlich den Marsch zu blasen, Madeleine ohne erkennbare Ambitionen.

Der Jürgen und die Madeleine werden nicht so richtig warm. Jürgen merkt gleich, dass der Hardy wohl der Pacha sein muss und Madeleine “a seelisches W(r)ack isch”). Er  jagt sie testweise wie eine Leibeigene durchs Haus und scheißt sie anschließend zusammen, dass sie doch bitte dringend an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten soll (und auch am besten gleich den Hardy verlassen).

Fürs neue Selbstbewusstsein lässt Jürgen dem grauen Mäuschen auch einen neuen Haarschnitt irgendwo der Esslinger Fußgängerzone verpassen (“bissle neue Farbe und so, dass a bissle a modischer Schteil rein kommt”), der nach zwei Tagen wieder ziemlich durch ist, und geht mit ihr schick im C&A shoppen.

Kultureller Höhepunkt ist ein Disco-Besuch im guten alten NAD (Ars Vivendi heute oder Coyote Ugly Bar), wo Madeleine doch mal bitte an die Kerle ran soll (lernt sogar einen kennen).

Antonina hingegen knechtet derweil den Hardy in Chemnitz mit Frühsport, will ihn und die dauerplärrenden Kinder an die Frischluft und weg von der Glotze bewegen. Hardy ist das natürlich alles gleich ziemlich zu viel. Also greift Antonina zu harten Maßnahmen und versteckt alle Kippenschachteln (vier bis fünf Stück an der Zahl) unter dem Hundekorb.

Da bekommt der Hardy Panik. Wo sind meine Kippen? Weiß nicht sagt Antonina, vielleicht hast du sie ja aus Versehen weggeworfen weil du dachtest sie sind leer? “Ja genau, ich schmeiß das Geld raus!”

So jetzt wirds wirklich ein bisschen eklig, aber das muss einfach sein, liebe Leser. Denn Hardy, also der mit den vielen Flachbildschirmen, erklärt im Anschluss wie er Geld spart, z.B. beim Klopapier, wenn er großes Geschäft macht.

Zum Abwischen seines werten Hintern nimmt Hardy nämlich genau ein Blatt. Davon reißt er eine kleine Ecke ab und legt die auf die Seite. Dann nimmt er das eine Blatt, bohrt in der Mitte seinen Finger durch und geht damit in sein Loch.

Dann zieht er den Finger aus seinem Arschloch wieder raus und streift sich den dann anschließend mit dem einen Blatt Papier ab. Und nun der Clou: Mit der kleinen abgerissenen Ecke putzt er noch die Kacke unter seinem Fingernagel weg. Natürlich stellt sich die Frage, ob er das wirklich so macht. Aber spontan muss ich sagen, ich trau es ihm definitiv zu. Bleibt ja mehr Geld für Kippen übrig.

Na ja, so gehts halt die Tage weiter mit dem Hardy. Seinen nächsten Anfall bekommt er, als die Antonina noch alle Bildschirme wegschließt. Hardy kommt heim, kriegt nen Koller und verzieht sich – wie so oft – erst einmal aufs Scheißhaus. “Da kommt mir doch die Wurscht!”

Letztendlich sind beide Frauen froh, als sie wieder nach Hause dürfen. Madeleine hat beim Jürgen nichts gelernt, Hardy hat vielleicht ein bisschen was von Antonina gelernt und Antonina würde am liebsten Madeleine und die kleine Jessica mit nach Esslingen nehmen. Aber Madeleine gefällts glaub auch ganz gut beim Hardy.

Ach ja Jürgen hat dann noch seiner Antonina bei ganz viel Kerzenlicht und Rosenblättern einen Heiratsantrag gemacht. Vielleicht auch um Madelaine noch schneller zu vergessen.

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